Peugot zeigte mit dem Top-Modell 607 den anderen Herstellern, dass ein serienmäßiger Partikelfilter machbar ist - ohne Jammern und Klagen
Es ist gerade mal zehn Jahre her, da gingen die Wogen hoch in Sachen Dieselruß. Die Gesetzeslage in der EU war nämlich lange Zeit so, dass der Einbau eines Partikelfilters noch in weiter Ferne lag, die Leute in den Städten aber schon markant unter dem Qualm litten. Da preschte Peugeot vor und präsentierte das Top-Modell 607 mit serienmäßigem Partikelfilter, während viele andere Hersteller darüber jammerten, dass diese Systeme viel zu teuer und obendrein unzuverlässig wären.
Wie kam es dazu? Die Franzosen und ihnen voran Peugeot fühlten sich durch den Erfolg der Deutschen mit der Direkteinspritzung (TDI) in ihrer historischen Souveränität als Technologieführer in Sachen Pkw-Diesel offenbar attackiert und wollten diesem Imageverlust nicht tatenlos zusehen. Was aber möglicherweise schwerer wog: Während die neuen Motoren der Konkurrenz die geltenden und sogar die nächsten künftigen Abgaslimits locker ohne Partikelfilter schaffen sollten, war der Motor im 607 schon von etwas betagter Konstruktionsweise. Ihn konnte man nur mithilfe eines Partikelfilters für die nächstschärferen Abgaslimits fit machen.
Aus dieser Notlage heraus entwickelte sich eine Eigendynamik in Richtung Partikelfilter, mit der viele nicht gerechnet hatten. Peugeot setzte sich perfekt als Umweltfreund in Szene, während alle anderen in Erklärungsnotstand gerieten, warum sie immer noch heftig rußten. Daraus ergab sich nicht zu Unrecht die Befürchtung der Autokäufer, dass sie ohne Partikelfilter wohl bald mit Restriktionen zu rechnen hätten.
So begab es sich, dass Autos ohne Partikelfilter praktisch über Nacht unverkäuflich waren, obwohl dieser aufgrund der Abgaslimits noch lange nicht zwingend erschien. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/22.10.2010)