Alles wird wieder gut

21. Oktober 2010, 20:11
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Eine Geisel war die Ministerin im Dschungel, eine Geisel der Ereignisse bleibt sie auch zu Hause

Nicht schön, was man der (fiktiven) baden-württembergischen Ministerin Marianne Herbst (Claudia Michelsen) angetan hat. Bei einer Dienstreise in Lateinamerika wurde sie entführt, danach ein Jahr im Dschungel von Honduras von Rebellen gefangen gehalten.

Und auch nicht schön, wie es jetzt bei ihr zu Hause zugeht. Die Politikerin ist wieder da und tut so, als sei nichts geschehen. Macht im Job, mit ihrem Mann und den zwei verstörten Kindern einfach business as usual, will nichts erzählen.

Da musste am Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD-Serie "Bloch" Psychotherapeut Maximilian Bloch (Dieter Pfaff) ran. "Die Geisel" hieß die Folge, eine Geisel war die Ministerin im Dschungel, eine Geisel der Ereignisse bleibt sie auch zu Hause in der schicken Villa und in ihrem kühlen Ministerium.

Manchmal flippt sie aus, greift Kollegen tätlich an oder brüllt herum. Michelsen steht dabei in ihrem Spiel dem wunderbaren Pfaff in nichts nach. Die Dialoge, in denen er sie aufzuknacken versucht, zählen zu den starken Momenten.

Doch man muss nicht ein so erfahrener Psychotherapeut wie Bloch sein, um bald zu ahnen, dass der schönen Ministerin im Dschungel nicht nur Hitze und mangelnde Hygiene zugesetzt haben, sondern auch der Comandante, den sie an sich ranließ, um zu überleben.

Man weiß auch, dass die Ehe nicht erst seit der Rückkehr der Ministerin aus der Geiselhaft kriselt, weil der Ehemann ein Weichei ist, das sich unterbuttern lässt. Es folgen noch die Versöhnung im schnuckeligen Schwarzwaldhäuschen und der Rücktritt der Politikerin zum Wohle der Familie. Doch leider: Das alles ist derart absehbar und damit so langweilig wie eine Regierungserklärung. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2010)

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    foto: ard
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