21.10.2010

derStandard.at-Reportage: Wagenplatz Baumgasse wurde entwurzelt

Martin Obermayr, 21. Oktober 2010, 19:57
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    Ein Großaufgebot der Polizei wurde für die Räumung in die Baumgasse geschickt.

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    Mit Abschlepp-Trucks wurden ein Teil der mobilen Wohnungen vom Gelände, das der Firma Porr gehört, weggeschafft.

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    Ein Wohnwagen musste von seinem Besitzer händisch aus dem Firmengrundstück gezogen werden.

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    Die rechtliche Lage und Vorgangsweise ist, wie auf der Verordnung nachzulesen ist, eindeutig.

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    Alles in allem verlief die Aktion ohne Zwischenfälle - nach Diskussion mit dem Einsatzleiter konnten auch noch drei Fahrräder herausgeholt werden.

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    Jacob Schäfer, der in der Wagenburg in der Hafenzufahrtsstraße wohnt, hat zur Zeit auch wenig Freude mit der Stadtregierung.

Innerhalb weniger Stunden wurde der Standplatz der Wagentruppe Treibstoff im Süden Wiens durch ein Großaufgebot der Polizei geräumt – Die ehemaligen BewohnerInnen fühlen sich kurz vor Wintereinbruch gepflanzt

Fünf Minuten nach Mittag schiebt der erste Abschlepp-Truck rückwärts auf das Gelände an der Adresse Baumgasse 131, 131 A und 131 B im dritten Wiener Gemeindebezirk. Damit ist die Räumung des Grundstücks, das sich im Besitz der Baufirma Porr befindet und vor etwa drei Monaten von der Wagentruppe Treibstoff besetzt wurde, endgültig im Gange. 

Keine zehn Minuten danach werden zwei Wägen von Mitgliedern der Gruppe herausgefahren, zwei weitere folgen kurz danach, ein Wohnwagen wird händisch herausgezogen. Alle anderen mobilen Wohnungen, einige davon fahruntüchtig, werden im Laufe der nächsten zwei Stunden abgeschleppt. Die Destination der umgebauten Last-, Bau- und Lieferwägen ist der Abstellplatz der Firma Toman, die von Porr für den Abtransport beauftragt wurde. Die Kosten dafür müssen die Treibstoff-Mitglieder bezahlen.

Großaufgebot der Polizei

Während der Räumung muss die Kreuzung an der Ecke Baumgasse/Litfaßstraße, die sich ganz in der Nähe der Südosttangente befindet, von der Polizei immer wieder kurzfristig gesperrt werden, damit die riesigen Trucks auf das Gelände können. Die ganze Aktion verläuft aber ohne Zwischenfälle. Vor dem Eingangstor haben sich rund zwei Dutzend SympathisantInnen der Gruppe Treibstoff versammelt, z.B. vom Wagenplatz in der Hafenzufahrtsstraße, in der Nähe der Freudenau.

Mindestens 60 PolizistInnen sind bei der Räumung im Einsatz. Die genaue Anzahl der BeamtInnen lässt sich allerdings nicht eruieren, da auf das Gelände Zutrittsverbot herrscht. Auf Rückfrage von derStandard.at bei der Pressestelle der Polizei werden keine genauen Zahlen genannt - die Anzahl der Einsatzkräfte sei wie immer in einem solchen Fall "als ausreichend zu beziffern".

Ausnahme für Radabholung

Das Zutrittsverbot wird im Laufe der Räumung aber nicht ganz rigoros exekutiert. So gelingt es schließlich zwei Mitgliedern von Treibstoff nach einem Gespräch mit dem zuständigen Einsatzleiter doch noch, ihre drei Fahrräder abzuholen. 

Ein marginaler Erfolg, wenn man die Konsequenzen für die ehemaligen BewohnerInnen in der Baumgasse betrachtet: "Mehr als 15 Leute haben kurz vor Wintereinbruch ihr Zuhause verloren. Wir müssen erst einmal überlegen, wo wir jetzt schlafen sollen", so einer der Betroffenen. "Aber wir werden nicht aufgeben, dass Vertreter der Stadt endlich mit uns über alternative Lebensformen reden."

Hundeschlinge im Gepäck

Wie sich die Räumung, die kurz nach neun Uhr in der Früh begann, aus Sicht der Treibstoff-Mitglieder abgespielt hat, erörtert einer von ihnen: "Wir waren vorher nicht informiert worden, sondern haben nur in der Früh plötzlich eine unverständliche Megaphon-Durchsage gehört. Gleich danach wurde fest an die Wagentür geklopft. Auf dem Gelände standen zirka 100 Uniformierte. Uns wurde auch gleich gedroht, alle Hunde mit einer Schlinge einzufangen."

Die Polizei habe keine Gesprächsbereitschaft erkennen lassen, wie der Treibstoff-Vertreter weiter berichtet, sondern auf jene Verordnung verwiesen, die am Eingangstor des Geländes und an den einzelnen Wägen angebracht worden war (siehe Bild links): "Gleich danach ging die Identitätsfeststellung los und wir mussten alle unsere Ausweise herzeigen. Uns war relativ schnell klar, dass wir keinen weiteren Handlungsrahmen haben und das Gelände verlassen müssen."

Eigentümer hat das Recht zur Räumung

Von Seiten der Firma Porr wollte man auf Nachfrage von derStandard.at keine Stellungnahme zu der Vorgangsweise abgeben. Die Rechtslage spreche aber eindeutig für die Grundstücksbesitzer, wie Peter Horn, Bezirksrat der Grünen im zweiten Gemeindebezirk, vor Ort bestätigt: "Der Eigentümer kann zwar die Nutzung als Wagenplatz erlauben. Gibt es aber keine Erlaubnis, hat er das Recht, den Platz räumen zu lassen."

Auch Horns Parteikollegin, die Neu-Gemeinderätin Martina Wurzer, hat in einer eigenen Aussendung auf das Thema Wagenplatz Baumgasse hingewiesen und Konsequenzen gefordert: "Die heute erfolgte überraschende Räumung des Wagenplatzes durch die Polizei trägt nicht zur Lösung der Probleme bei und zeigt ganz deutlich auf, dass die SPÖ einen Partner braucht, der in der Lage ist, Probleme sachlich und zielführend zu lösen, ohne neue Konflikte zu produzieren."

Neun Mal Umzug

Die Mitglieder von Treibstoff, die in den vergangenen eineinhalb Jahren insgesamt neun Mal ihren Standplatz wechseln mussten, fühlen sich von der Politik besonders im Stich gelassen. Sie berichten davon, dass es vor rund drei Wochen mit Vertretern der Stadt und der Firma Porr Gespräche gegeben habe, wo eine Lösung in Aussicht gestellt worden sei. "Nur war das eben vor der Wahl und jetzt interessiert es niemand mehr", lautet das ernüchternde Fazit der Gruppe.

Ebenfalls vor Ort bei der Räumung ist Jacob Schäfer vom Wagenplatz in der Lobau, der in Kooperation mit der Stadtregierung entstanden ist. Aber auch er fühlt sich seit zwei Tagen von den Verantwortlichen hintergangen. "Am 19. Oktober um halb sieben in der Früh sind plötzlich Bulldozer zwei Meter neben meinem Fenster vorbeigefahren", erzählt der Werbefachmann. "Am Tag zuvor wurde direkt neben unserem Grundstück, für das wir 800 Euro Miete pro Monat bezahlen, alles zersägt, zerhexelt und plattgemacht."

Drei Jahre lang Baustelle

Die Enttäuschung Schäfers ist auch deshalb groß, weil die Gruppe nicht informiert worden sei, dass diese Großbaustelle auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück in den nächsten drei Jahren 24 Stunden lang in Betrieb sein wird. "Wir sind seit drei Monaten dort und haben 15.000 Euro in Sanitär- und Stromanlagen investiert und jetzt haben wir permanent Lärm, Staub und Flutlicht", so Schäfer. „Besonders makaber ist, dass eine Woche vor der Wahl von der Stadtregierung noch eine Gruppe in einem Touristenbus zu unserem Grundstück gebracht wurde, um uns als gelungenes Beispielprojekt zu präsentieren."

Aufgeben wollen Schäfer und seine MitbewohnerInnen aber nicht so schnell: "Wir bleiben vorerst einmal und werden schauen, ob der Baustellenlärm auszuhalten ist. Schließlich haben wir drei Jahre um diesen Platz verhandelt. Aber verarscht fühlen wir uns schon." (mob, derStandard.at, 21.10.2010)

Kommentar posten
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auchwassagen
12
27.10.2010, 21:47
wieder mal kurzsichtig!

liebe leute, es geht hier wahrschienlich nicht um die private firma porr, es geht aber auch nicht um genau die "besetzer" von denen die ganze zeit geredet wird, sondern um was ganz grundsätzliches: dass wieder mal nur das geld die welt regiert! wie kann es sein, dass firmen, private oder investoren (die das nötige kleingeld haben-wo auch immer das dann u.a. landet?!) wertvolle fläche (bebaut oder unbebaut) leer stehen lassen können, wo diese gut gebraucht wird-und damit einen mehrwert für eine stadt erzeugen würde?! es muss was in richtung zwischen nutzung getan werden, aber dringlichst!!!

plan Be
21
24.10.2010, 14:08
Horizonte öffnen!!!

Vielleicht sollten wir mehr unsere Horizonte öffnen!
Denn die "Andersartigkeit" hat immer Neue Perspektiven in die Gesellschaft gebracht! Ich denke eine Aufgabe "der Jugend" ist es auch neue Wege zu probieren.

ArminK
00
23.10.2010, 00:15
Ich auch haben wollen!

... aber bitte zentrumsnah ;-)

Helmut-S
04
22.10.2010, 22:20
Wagenplatz Hafenstraße

800EUR Miete für 1000 Quadratmeter, offiziell von der Stadt unterstützt.

Ist das Marktwert für Grundstückspacht?

Nachtsonne
12
25.10.2010, 11:16
Ist nicht in der "Hafenstraße"

Sondern in der Lobau neben Donaustadtkraftwerk. Schöne Industriegrundstück.

Chocoholic
00
23.10.2010, 19:34
pachte ich sofort. Sie hatten da doch so eine super Ideen,

setzen wir uns zusammen, um 800 Euro Pacht im Jahr, sofort dabei!

Bluestone
05
22.10.2010, 21:39

Mir gefällt, wie sehr immer wieder betont wird, daß die Bewohner (eher Besetzer) TEILWEISE Universitätsabschlüsse haben und TEILEWEISE einen Job haben.
Was ist mit denen, die ZUR GÄNZE nicht arbeiten?

Forumleser
00
27.10.2010, 15:36

Grün!

Chocoholic
00
23.10.2010, 19:35
Die sind dort ganz normale Wagenbesorger ;O)

salatbar
42
22.10.2010, 18:23
moderation? hallo?

wird das hier eigentlich moderiert? was ist denn los mit dem standard.at? leute werden grindigst beschimpft -gesindel, assoziale etc was einfach NICHTS in einer diskussion verloren hat und das wird einfach stehengelassen?! diese "diskussion" ist auf dem niveau einer kronenzeitung.

Chocoholic
00
23.10.2010, 19:36
Auch das ist Freiheit.... vielleicht ueberdenken Sie die Forderungen, die Sie selbst anderen dann doch nicht eingestehen,

wenn es nicht auf Ihrer Linie liegt? Vielleicht doch mehr gutbuergerlich als selbst von sich gedacht?

niewieder nett
 
21
22.10.2010, 18:14

http://www.youtube.com/watch?v=q... playnext=1

wirklich interessante doku über die leut die dort wohnen und arbeiten.

Ernst Guevara
102
22.10.2010, 16:52
nun, es ist schon zu hinterfragen, warum das recht auf einen selbstgewählten und angemessenen wohnraum vom recht auf privateigentum ausgestochen werden darf.

es mag schon sein, dass die rechtslage nun einmal so ist und die polizei dem wortlaut des gesetzes gemäß gehandelt hat. da diese gesetzeslage jedoch dazu führt, dass menschen zumal bei dieser eiseskälte auf der strasse landen, stellt sich natürlich die frage, ob die gesetzeslage noch zeitgemäß ist und vielleicht geändert gehört? mir ist schon klar, dass es für die mehrheit der österreicher eine unverschämtheit ist, wenn man das recht auf ein gutes leben einfordert und lieber nach den eigenen vorstellungen wohnen will als an das geschäftsinteresse einer baufirma zu denken. die mehrheit der ösen ist ja auch spiessig, hinterwäldlerisch und verwandelt sich leicht in einen rasenden mob, dem dann angehörige von minderheiten zum opfer fallen.

hcl
00
25.10.2010, 11:20

Sie können ihren Wohnraum in Österreich jederzeit selbst wählen: Wenn Sie jemanden finden, der Ihnen das Grundstück/Haus/Wohnung vermietet oder wenn Sie ein Grundstück/Haus/Wohnung selbst kaufen – dann kann man einen übrigens von dort auch nicht einfach entfernen. Wenn man sich natürlich nur ein Grundstück bis auf weiteres überlassen läßt, dann darf man sich nicht wundern, wenn einen der Besitzer raushaut, wenn er das Grundstück anderweitig braucht. Dafür braucht man übrigens kein Jurist zu sein.

LGM
06
22.10.2010, 18:43

das liegt vielleicht daran, dass es ein Recht auf einen selbstgewählten und angemessenen Wohnraum nicht gibt.

yuppeeeee
06
22.10.2010, 17:36
Die Leutchen können sich jederzeit einen Standplatz auf einem Campingplatz mieten, zu marktüblichen Preisen.

Wer anders leben will, kann das gerne - ebenfalls zu marktüblichen Preisen - überall wo es mietbare Grundstücke gibt, tun. ABer bitte nicht gratis, oder billiger, warum sollen andere Steuerzahler diese Menschen durchfüttern. Gibt viele die von einem anderen alternativen Leben träumen, aber nicht auf die Idee kommen, sich das von der Allgemeinheit finanzieren zu lassen.

Ernst Guevara
101
22.10.2010, 18:33
wieso "allgemeinheit" und warum "durchfüttern"?

es geht hier einzig und allein um die private firma porr, die auf die fragliche fläche spekuliert, um profit zu machen. es geht hier also um den konflikt recht auf wohnraum versus recht auf eigentum. warum sollten mich daher Ihre vakuumgefüllten sprechblasen interessieren? sind Sie pressesprecher bei porr?

leopardetterl
00
24.10.2010, 10:42
sg herr guevara

für den fall, dass sie ein grundstück besitzen, hätte ich gerne die adresse, ich gedenke da nämlich im nächsten urlaub mein zelt aufzustellen. sie brauchen das grundstück derzeit ohnehin nicht, sonst würden sie ja dort wohnen.

danke im voraus!

Chocoholic
01
23.10.2010, 20:06
Das Leben, das Sie fuehren wollen, fuehren tausende von OesterreicherInnen jaehrlich ...

so etwas nennt sich Dauercamping und man kann sich dafuer einen Platz mieten. Es gibt auch Campingplaetze, die ueber den Winter geoeffnet bleiben. Gruenland wird dafuer nicht geeignet sein. Denn Gruenland ist nun einmal deswegen kein Bauland, weil es eben keine permanente Besiedelung geben soll. Ansonsten waere es Bauland.

Dass fuer Wagenbewohner erstens eine andere Bezeichnung als die bereits schon fuer tausende andere, die diese Lebensform waehlen geben soll, ist genauso Selbstherrlich wie die Tatsache, dass dann noch nach billigem Gruenland geschrien wird, wenn die Nutzung eindeutig nicht einem Gruenland entspricht. Geben Sie es zu> Sie wollen halt nicht nur so fad Dauercamper genannt werden, wie die alte Urstrumpftante am Wolfgangsee.

marty fink
03
22.10.2010, 20:52
ein Platzerl am Land wäre erschwinglich!

LGM
012
22.10.2010, 18:46

Die Firma Porr spekuliert nicht auf die betrffende Fläche, sondern sie hat sie um teures Geld gekauft, um dort etwas zu bauen.
Es steht den Leuten jederzeit frei, ebenfalls ein entsprechendes Grundstück zu kaufen oder zu mieten und dann dort ihre Wägen abzustellen.
Aber mit so blödsinnigen Argumenten wie "es geht hier einzig und allein um die private firma porr" ist es nicht getan.

Nachtsonne
10
25.10.2010, 10:14
Porr ist ein Immobilienentwickler

Der möglichst günstig einkauft und wartet bis möglichst günstig verkaufen kann und dann baut.

Ein Citymaut für die Innenbezirke könnte solche gewerbliche Baugründe in Außenbezirken aufwerten.

LGM
00
25.10.2010, 21:31

womit die dann noch teuerer und für diese Gruppen noch unerschwinglicher werden

Nachtsonne
00
25.10.2010, 10:04
Die müssen aber eine höhere Kaution hinterlegen

um die Kosten der Räumung zu decken.

LGM
00
25.10.2010, 21:30

wer bitte? Ich verstehe die Antwort nicht

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