Google Street View

Schlusspunkt einer Erregung

21. Oktober 2010, 18:49

Gerade 2,89 Prozent der Haushalte 20 deutscher Städte verlangten von Google, ihre Hausfassaden im Onlinedienst Street View nicht zu zeigen - Von Helmut Spudich

Wäre es eine Wahl gewesen, dann hätten sie den Einzug in den Bundestag glatt verpasst: Gerade 2,89 Prozent der Haushalte 20 deutscher Städte verlangten von Google, ihre Hausfassaden im Onlinedienst Street View nicht zu zeigen. Gemessen an der vorangegangenen Erregung wirkt dies wie ein Sturm im Wasserglas.

Aber es bleiben ein paar nützliche Erkenntnisse. Erstens, dass Google und andere Konzerne gut daran täten, weniger geheimniskrämerisch an Projekte heranzugehen, die viele Menschen betreffen. Diese Haltung mag der Angst vor Konkurrenz entspringen, ist aber längst zur schlechten Sitte geworden. Andernfalls hätte sich rechtzeitig herumgesprochen, dass nur zu sehen ist, was ohnehin öffentlich sichtbar ist, und keine "Schlüssellochperspektive".

Zweitens ist es Google zumutbar, vor der Veröffentlichung der Straßenansichten nach möglichem Einspruch zu fragen und nicht erst dann, wenn die Bilder bereits online sind. Denn auch das wurde offenbar nicht ordentlich kommuniziert: dass man sein Haus jederzeit aus den Straßenansichten entfernen lassen kann. In Deutschland ließ man sich eine Ausnahme abringen - diese könnte ruhig zur Regel werden, z. B. demnächst in Österreich.

Street View wird nicht das letzte Projekt sein, das aufgrund seiner ungewohnten Neuerungen für Aufregung sorgt. Vielleicht können alle Beteiligten für das nächste Mal ein wenig Gelassenheit und Vernunft bewahren. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 22.201.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
triplet_3.1
00
22.10.2010, 19:35
Woher stammt eigentlich die Zahl 2,89?

Die Einspruchsfrist endet heute erst um 00.00 Uhr!

Darüber hinaus sind 2,89 % Bevölkerungsanteil von 20 deutschen Städten alles andere als eine zu vernachlässigende Minderheit.
Die Deutschen haben sich eine gesunde Skepsis gegenüber den Begehrlichkeiten seitens des Staates, oder Unternehmen bewahrt. Sie sind misstrauisch und das zu Recht.
In Österreich sollten die Menschen nicht immer mit vorauseilendem Gehorsam alles über sich ergehen lassen, das ihnen vom Staat oder der Industrie eingeredet wird .

CouchDB
00
22.10.2010, 19:26
Doppelmoral

genau jene die immer für verdachtslose Überwachung sind haben am lautesten über Streetview gejault, jene die den gläsernen Bürger haben wollen, das ja Anständige nichts zu verbergen haben, wollen plötzlich ihre Hausfassade nicht im Internet abgebildet haben ?
Und weil das Thema hier im Forum aufkam: JEDER Haushalt (also auch Mieter) hatte Einspruchsmöglichkeiten. Hier der Link zum Originalartikel: http://www.heise.de/newsticke... 22375.html

Karl Krammer
10
22.10.2010, 16:14
öffentliche Meinung != veröffentlichte Meinung

ohne diese "Datenschützer" (a.k.a. Berufsquerulanten) hätte das - so wie in anderen Ländern - nicht mal 3 Promille der Menschen interessiert. Es war dann noch dazu ein Sommerlochthema.

x x3
00
23.10.2010, 20:36
Ach wieder so einer, der nichts zu verbergen hat

Könntest du bitte mal mit gutem Beispiel vorangehen und
- deinen Kontostand
- deine sexuellen Vorlieben
- dein aktuelle Gehalt
- das aktuelle Datum deines letzten Vollrausches
- dein Körpergewicht
- deine Essgewohnheiten
- das Ergebnis deiner letzten Gesundenuntersuchung
- ...
hier veröffentlichen und bitte natürlich mit
Adresse und Telefonnummer.
Bitte nicht auf die Kontaktdaten deiner Eltern und Kinder vergessen.

Feles
00
22.10.2010, 13:47
wie wurde diese befragung organisiert?

was bedeutet schon "2,89 Prozent der Haushalte"?
haben überhaupt alle haushalte davon gewusst? haben alle haushalte überhaupt ohne großen aufwand die möglichkeit einspruch zu erheben?

BearT
00
22.10.2010, 15:29
Das war keine Umfrage

Die Zahl entspricht der genauen Anzahl der Einsprüche die bisher bei Google eingelangt sind, umgerechnet auf die Bevölkerung in den betroffenen Städten.

Wiggerl Wien
02
22.10.2010, 12:32
typisch Spudich

heisst das 2,89% der Haushalte oder 2,89% der Hausbesitzer; ich vermute mal zweiteres. Da aber in Dtld. mehr als 50% der Gebäude nicht in der Hand von natürlichen Personen sind sondern von juristischen, die derzeit alle keinen Widerspruch eingelegt haben, wäre der Wert bereits mit über 5% doch recht beachtlich und interessant wird das Thema erst, wenn die Leute ihr Häulse im Internet entdecken und dann widersprechen .....

Dr Schnorrle
 
22
22.10.2010, 10:43
Lächerlich

Ich halte die Diskussion für lächerlich. Ich bin Informatiker und - wie ich glaube - sehr sensibel beim Thema Datenschutz.

In österreich ist Handyortung ohne richterlichen Beschluss möglich (um nur ein Beispiel zu nennen). Und da regen sich die Leute auf, weil ihr Haus im Internet abgebildet ist?

Mich wundert allerdings schon, dass die österreichische Politik nicht so richtig auf den Zug aufgesprungen ist (wie die deutsche). Wär doch ein herrliches Ablenkungsthema.

Bertel Mann
00
22.10.2010, 12:59
Nur weil es noch ärgere Schnüffelei gibt, heisst das nicht, dass man diese hinnehmen muss

Und selbstverständlich hilft es z.B. bei Diskussionen mit US-amerikanischen Firmeneigentümern über Datenschutz (wir wollen alle persönlichen Daten....)sehr wohl, wenn man darauf hinweist, dass die DSK Google das Fotografieren untersagt hat, bis die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. "DSG 2000" sagt einem US-Amerikaner nichts - "Google Streetview ist zunächst verboten" sagt ihm etwas und zeigt ihm, dass bei uns eben andere Gesetze gelten.

Tobias P
02
22.10.2010, 08:03
"gerade Mal 2,89"

Ja was wie gerade?
Nach meinem Empfimden ist das ganz erstaunlich hoch.

Vor allem geht's da nur um die Hausfasade.
Offenbar ist das aber einem nicht unwesentlichen Teil ein derartiges Anliegen, dass sie Mühe auf sich nehmen um eine Abbildung zu verhindern.

Wär spannend das mal für alles durchzuführen das unsere Privatsphäre betrifft.
Von automatsichen Kameras auf Autobahnen bis zum automatischen mitschneiden sämtlicher Verbindungsdaten (Internet & Telefon).
Kann mir vorstellen, dass da etwas mehr als 2,89% laut geben.

Die Möglichkeit bekommen wir allerdings nicht. Trotz massivster Proteste - natürlich nicht in Ösiland - bei uns geht fast jeder Mist durch ohne nenneswerten Widerstand - nicht zuletzt dank zurückhaltender Presse.

Bertel Mann
00
22.10.2010, 13:04
DIe DSK hat Google bis zur Klärung offener Fragen das Fotografieren untersagt!

In diesem Fall hat Ösiland wesentlich effektiver agiert.

briefträger
00
22.10.2010, 06:57

Verstehe nicht warum man bei Google-Street-View soviel aufsehen macht.
Bei Facebook wäre das bezüglich Datenschutz viel angebrachter.

Feles
01
22.10.2010, 13:43
äpfel und birnen...

gegen datenmissbrauch bei facebook kann ich was tun - indem ich nicht facebook-mitglied werde. gegen das fotografieren und veröffentlichen von "meinem" haus (ich bin kein hauseigentümer) aber nicht - das ist ein großer unterschied.

potz
00
22.10.2010, 05:20

ich fands herzig, wie sich der staat ganz engagiert mit den armen menschen solidarisiert hat, die da gegen google aufgetreten sind .... und ihnen synchron dazu allesamt mit rau&cos gesetzesplaenen die letzte privatsphaeren-unterhose auszieht.

byron sully
12
22.10.2010, 02:03

ziemlich rechtspopulistisch, der kommentar. ich mein, was soll das mit den 2,89%? das war keine volksabstimmung bitte. also ist diese zahl überaus hoch und sehr viel wert.

foreigner07
00
22.10.2010, 12:06

Was genau bedeutet das Wort rechtspopulistisch für Sie? Trifft dieses adjektiv auf jeden zu, den Sie nicht mögen?

byron sully
00
22.10.2010, 12:41
ja,

war vielleicht der falsche begriff. ich wollte damit sagen, daß dieser kommentar das thema datenschutz als lächerlich abtut. wenn 2,89 der bevölkerung persönlich protest gegen was einlegt, ist das nämlich nicht wenig, sondern sehr viel. das ist so, wie wenn in österreich 200.000 menschen z.b. eine petition unterschreiben würden.

EN ISO 9000
 
23
21.10.2010, 23:24

Ziemlich jenseitiger Kommentar. Bei Datenschutz und dem Recht auf Privatsphäre hört sich jede Gelassenheit genauso auf, wie beim Überwachungsstaat.

244.000 Widersprüche gegen Street View in Deutschland sind aus zahlreichen, wegen der Textbeschränkung nicht näher ausführbaren Gründen, durchaus beträchtlich. Im verschlafenen Ö. wären es vermutlich nur 244.

Laut heutiger Aussendung der ARGE DATEN hat die Österreichische Datenschutzkommission Googles Street View zu Recht vorerst verboten.

http://www.argedaten.at/php/cms_m... s=63497usw

potz
00
22.10.2010, 05:22

na fein.

und was passiert mit ihren anderen daten? google ist da ihr kleinstes problem.

aber bitte, und immer schoen laecheln, beim kreditkarte-durchziehen.

Alexander M. Swoboda
14
21.10.2010, 22:12
bin zwar ein großer Fan von Street View

halte es aber für eine überraaschend große Zahl von Leuten, die auf eigenen Antrieb so ein Opt-out wählen - ich hätte maximal mit 0,5% gerechnet.

OGHaha
00
21.10.2010, 20:02
Gerade ganz anders wirds in Zukunft ausschauen.

Die notwendige Kameratechnik (Hutkamera) wird weiter besser, kleiner und billiger (siehe Handykameras) sodass praktisch jeder alles abfilmen kann und mit exotischen Host .to, damit von unseren Gesetzen nicht greifbar, ins Netz stellen kann.

Da googelst dann Strasse: "xxxx" und hast ständig aktuelle Aufnahmen.
Man könnte auch ein Streettubebook (sollte ich Patentieren) erfinden.
Da dürfen dann auch alle nett winken und ihre Karren präsentieren.

Da werden wir uns mit nostalgischer Wehmut an die Zeiten erinnern, als sich Google noch dieses "gschisti gschasti" antat und sich am Nasenring herumziehen ließ.

Hoi S.
 
34
21.10.2010, 19:08
Ganz soo harmlos ist das Ganze nicht ...

"Don't be evil" mag der Wahlspruch von Google sein, der WLAN-Bug (google schnitt private Daten aus offenen Netzen mit und versuchte dies zu vertuschen ...) beweist anderes. Wo es ums Geld geht - und Daten sind Geld wert - bleibt die Moral meist auf der Strecke. Richtig ist, dass Neuerungen immer für Aufregung sorgen werden. Nur hinkt speziell die Gesetzeslage hinterher, die nur bedingt mit Street view kompatibel ist und: Wenn man nicht laut schreit, kriegt man gar nix, nicht mal ein Widerspruchsrecht ...

Allmächtiger Satan
12
22.10.2010, 07:52

Wer mit offenem WLAN hantiert, der läuft quasi nackt über den Rasen des Happelstadions und hat damit kein Recht, sich zu beschweren, wenn einer hinguckt oder gar 50.000 Zuschauer ein Foto von ihm machen.

milk for breakfast
02
22.10.2010, 10:45

viele leute kennen sich nicht so gut mit technik aus.
es ist keine selbstverständlichkeit eine ahnung von w-lan &co zu haben. das anzunehmen ist nicht wirklich tiefgründig.

nur weil ich vergesse beim sex die vorhänge zuzuziehen hat noch lange keiner das recht mich dabei zu fotografieren!

Allmächtiger Satan
00
22.10.2010, 16:42

Doch, ich darf Sie fotografieren. Und Google auch. Und wenn genug Leute durch Ihren Vorhang schauen, dann darf ich die Bilder auch veröffentlichen.

Und man muss keine tiefgründige Ahnung von WLANs haben, oder benötigen Sie fundierte Mechanikerkenntnisse, um zu wissen, dass Sie ihren Wagen absperren sollten, nachdem Sie ihn geparkt haben? Mehr als, dass man ein Passwort erstellt, damit keiner drauf zugreifen kann, muss kein Mensch wissen - und Passwörter werden dem Dümmsten seit Großmutters Sparbuch unterm Weihnachtsbaum von klein auf mitgegeben.

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