Gerade 2,89 Prozent der Haushalte 20 deutscher Städte verlangten von Google, ihre Hausfassaden im Onlinedienst Street View nicht zu zeigen - Von Helmut Spudich
Wäre es eine Wahl gewesen, dann hätten sie den Einzug in den Bundestag glatt verpasst: Gerade 2,89 Prozent der Haushalte 20 deutscher Städte verlangten von Google, ihre Hausfassaden im Onlinedienst Street View nicht zu zeigen. Gemessen an der vorangegangenen Erregung wirkt dies wie ein Sturm im Wasserglas.
Aber es bleiben ein paar nützliche Erkenntnisse. Erstens, dass Google und andere Konzerne gut daran täten, weniger geheimniskrämerisch an Projekte heranzugehen, die viele Menschen betreffen. Diese Haltung mag der Angst vor Konkurrenz entspringen, ist aber längst zur schlechten Sitte geworden. Andernfalls hätte sich rechtzeitig herumgesprochen, dass nur zu sehen ist, was ohnehin öffentlich sichtbar ist, und keine "Schlüssellochperspektive".
Zweitens ist es Google zumutbar, vor der Veröffentlichung der Straßenansichten nach möglichem Einspruch zu fragen und nicht erst dann, wenn die Bilder bereits online sind. Denn auch das wurde offenbar nicht ordentlich kommuniziert: dass man sein Haus jederzeit aus den Straßenansichten entfernen lassen kann. In Deutschland ließ man sich eine Ausnahme abringen - diese könnte ruhig zur Regel werden, z. B. demnächst in Österreich.
Street View wird nicht das letzte Projekt sein, das aufgrund seiner ungewohnten Neuerungen für Aufregung sorgt. Vielleicht können alle Beteiligten für das nächste Mal ein wenig Gelassenheit und Vernunft bewahren. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 22.201.2010)