Auswärtiger Dienst

Die Lady mit dem unmöglichen Job

21. Oktober 2010, 18:48
  • Artikelbild
    foto: epa/nicolas maeterlinck

    Catherine Ashton gibt sich ganz enthusiastisch.

Ab nächstem Jahr führt Catherine Ashton den Europäischen Auswärtigen Dienst. Ob dieser ein Erfolg wird, hängt wenig von ihr ab

Brüssel - Es gibt Leute, die hängen sich schon als Volkschüler Landkarten an die Wand. Es gibt andere, die interessieren sich auch später nicht für Spiele wie "Risiko". Lady Catherine Ashton gehört offenbar zu Letzteren. "Sie setzt keine strategischen Prioritäten", sagt Janis Emmanouilidis vom European Policy Centre in Brüssel. Tatsächlich kann es die EU-Chefdiplomatin kaum jemandem recht machen. Bleibt sie da, wird ihr zu wenig Engagement nachgesagt, fährt sie weg, heißt es: Ashton ist überall und nirgends. Emmanouilidis räumt ein: "Sie hat den schwersten Job in Brüssel."

Seit Anfang Dezember 2009 ist die Britin Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik. Bis jetzt war Ashton aber quasi auf sich alleine gestellt, denn der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) mit seinen tausenden Diplomaten fängt erst ab kommendem Jahr zu arbeiten an.

Lissabon-Vertrag hat vieles offen gelassen

"Man hat zuerst die Kutsche hingestellt und dann die Pferde vorgespannt", konstatiert Giles Merritt vom Thinktank "Friends of Europe" in Brüssel. Der Lissabon-Vertrag habe im Fall des EAD vieles offen gelassen, was nun in der Realität erst ausverhandelt werden muss. Etwa das Personal. Leute, die Ashton nahestehen, sagen, dass sie trotz massiver Interventionen versuchte nach Qualifikation zu besetzen.

Für den Erfolg des EAD ist entscheidend, ob die Beamten eine eigene außenpolitische Kultur und Handlungsdynamik entwickeln können. Ein Drittel kommt aus dem Rat, ein Drittel aus der Kommission und ein Drittel aus den Mitgliedstaaten. Noch sind nicht einmal die Weisungsbefugnisse klar; Ex-Kommissionsbeamte könnten auch weiter der Kommission und nicht nur Ashton unterstehen. Beamte aus den EU-Staaten habe noch andere Loyalitäten.

"Der EAD ist ein Versuchslabor, ein hybrides System, wie es dies noch nie gab. Man testet das", sagt Emmanouilidis. Auspendeln muss sich auch erst das Verhältnis zwischen Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ashton. Auch das Europäische Parlament versucht mit dem Vertrag von Lissabon seine Machtpotenziale vermehrt zu nutzen.

Unter Analysten ist man sich einig, dass Ashton lange nicht mehr im Amt sein wird, wenn man den EAD in etwa zehn Jahren beurteilen wird können. Man dürfe ihr auch nicht Führungsschwäche vorwerfen, wo doch die EU-Staaten selbst verhindert haben, dass eine etablierte Persönlichkeit den Posten erhält. Ashton musste sich zudem - anders als EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy - an einem Vorgänger wie Javier Solana messen. Eine hohe Latte.

Zu viel Mikromanagement

Die Kritik an der freundlichen Labour-Politikerin ist dennoch hörbar: Sie verliere sich zu sehr im Detail, habe kein "große Bild" vor Augen. "Sie macht Mikromanagement", sagt ein Insider. Seit Ashton nach dem Erdbeben erst ziemlich spät nach Haiti gereist war, wird ihr auch mangelnde Präsenz vorgeworfen. Sie reise zuweilen schon am Donnerstag nach London ab und kehre erst am Montag wieder, ist in Brüssel zu hören.

Ob der EAD ein Erfolg wird, hängt aber ohnehin weniger von Ashton, als davon ab, wie ernst sich Europa selbst nimmt und einen außenpolitischen Gemeinsinn entwickelt. Offen ist etwa, ob die EU-Botschafter im Ausland die Wünsche der EU-Mitgliedstaaten koordinieren werden können und andere Staaten die EU-Botschafter den bilateralen Botschaftern vorziehen werden. "Eurokraten sind nicht automatisch gute Botschafter", sagt Merritt, der das Sicherheitsdenken in der Kommission bemängelt.

Entscheidend wird auch sein, ob die Europäer aus der Wirtschaftskrise die richtigen politischen Schlüsse ziehen. "Wenn wir unsere Hausaufgaben im Bereich einer europäischen Wirtschaftsregierung nicht schaffen, kann der EAD auch nicht erfolgreich sein", so Emmanouilidis. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 22.10.2010)

 

Kommentar posten
24 Postings
torch
 
00
31.10.2010, 10:49

Österreich hat eine Hahn, andere Länder Henderln, also "alles Wienerwald" in Brüssel ?

Kid "Kongo" Powers
00
23.11.2010, 12:52

HelmutSchmidt:" Richtig, weil das Europäische Parlament bisher zahnlos agiert, kaum Rechte hat und die Kommission nicht in die Schranken weist. Ich würde mir dringend einmal einen Putsch der Parlamentarier wünschen, damit sie das Prinzip der Demokratie in der EU wieder zum Leben erwecken. Aber vielleicht muss man dafür andere Leute nach Brüssel und Straßburg schicken"

Na Herr Wetschnig, was sagen sie zu zu Helmut Schmidt*s Meinung?? Alles Larifari, oder? Er soll sich in seine braune Erde legen, oder so ähnlich.

d87
10
26.10.2010, 22:21
15 Postings zu diesem Artikel.

Allein daran kann man schon die Riesen-Bedeutung dieses Amtes ermessen...

Wolfgang Keim
00
22.10.2010, 15:37
wenig Presse - eine Taktik der EU?

was für eine Scherheitspolitik macht den die Frau Ashton? Es scheint doch nur eine Seite ihrer Tätigkeit geschildert zu sein. Man kann kaum mehr in ihrem Blatt erfahren! Man kann isch doch kaum außenpolotisch vorstellen ohne innere Reformen.

Ritter von Duchov
116
22.10.2010, 13:52
sie gibt der krise ein gesicht!

El Sosserino
10
31.10.2010, 14:06
plakative Tristesse

traumhafte Meldung!! You made my day!!

MagnaMater
00
8.11.2010, 12:06

ebenso, ich hörte es zwar zuletzt von volker pispers über merkel, aber hier stimmt das bei dem foto nochmal... wunderlol

Mario Rutar
02
22.10.2010, 13:39

Der obige, ashton'sche Gesichtsausdruck ist als "enthusiastisch". Ich möchte nicht wissen, wie "verhärmter", "unbefriedigter" oder "frustrierter" Gesichtsausdruck aussehen mag...

Cutting Edge
17
22.10.2010, 00:25
^^

Der Blick und die Bildunterschrift...
Frage an alle: Wann seit ihr das letzte Mal plötzlich vom Sessel gefallen und euch gekringelt vor Lachen?
Es hat mir den Tag verschönert, dass die E-Redaktion des Standards guten Humor besitzt! :)

aenema_lateralis
 
02
22.10.2010, 07:29
hm

ja, fand ich auch witzig!

trotzdem: http://www.seitseid.de/

grazistanders
10
4.11.2010, 12:48
Dem Trotz muss ich feststellen

dass keiner seit/seid verwechselt hat..... Wofür postest du denn so was. Lass die Leute doch schreiben wie Sie wollen solange man es irgendwie richtig interpretieren kann.
Bei so nem Kinkerlitzchen zu sagen "Ich wäre besser" ist ja wohl sehr lächerlich.

aenema_lateralis
 
00
4.11.2010, 19:20
dann schlag ich vor...

..sie lesen den text von cutting edge gleich nochmal>)
es geht weniger um den "ha-ha-ich-bin-gscheiter-effekt", vielmehr darum, dass solche fehler ziemlich unschoen aussehen und auch ebenso ankommen. ich meine es nur gut. ehrlich.

MagnaMater
00
8.11.2010, 12:11

seitenweise seidenweisse standorte an der standard-standarte...
des haast do 'saz' ös, oda?

onkel frank
00
22.10.2010, 12:13
Danke!

Einfach super.

unschuldsvermutung2
93
21.10.2010, 23:43
Hallo Leute: Europa braucht keine gemeinsame Außenpolitik,....

.... die von Brüssel gesteuert ist. Wozu der Krampf? Wenn "Außereuropäer" von "Europa" was wollen, wollen die mit Merkel, Sarkozy, etc reden. Wer wirklich braucht Ashton, außer die Höflichkeit will es?

Voronwe
22
22.10.2010, 14:53

Zur "Wir wollen alle am liebsten souveräne Gemeinden mit eigener Verfassung, Währung und Kraftwerk, sowie eigene Zölle einheben"-Ecke bitte hier rechts abbiegen ins Krone-Forum...

speakers corner
03
21.10.2010, 22:38
Die Bildunterschrift-Lol!!!

Enrico Dal Vero
33
21.10.2010, 21:31
Falscher Satz: Die unmögliche Lady und ein Job.

/me
00
22.10.2010, 09:23

Wollt ich auch grad posten ;)

iohui
013
21.10.2010, 19:51
die bildunterschrift "Catherine Ashton gibt sich ganz enthusiastisch."

ist ja ein echter hammer. ich hab beim lesen fast meinen bildschirm angespuckt.
ehrlich, ich wünsch dieser frau von herzen dass sie sich nicht so schrecklich fühlt wie sie dreinschaut.

Azamat Bogatov
23
21.10.2010, 19:19

nigel farage mag ein populist sein...aber er kennt seine landsfrau ganz gut...

http://www.youtube.com/watch?v=0vBqyG6qYXE

d87
00
26.10.2010, 22:25
Oh Mann, ist das gut!

Der dicke Jokkl
20
22.10.2010, 02:26

dem typen muss man aber nicht wirklich zuhören, geschweige denn ernst nehmen. Der redet ja sogar immernoch von "enemies of the west". Hinkt ein paar jahrzente hinterher!

Toma Valjevac
12
22.10.2010, 15:56
Der "Typ" hat 100 % Recht in allen Sachen die er anspricht

EU ist kein Demokratischer Club und wird es auch nie sein. Denken Sie das kleine Nationen das gleiche Recht in der EU haben wie die Großen ?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.