Spritkonzern will mehr Einfluss in Türkei

21. Oktober 2010, 17:22
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70, 80 oder 100 Prozent: Wie groß der OMV-Anteil am türkischen Tankstellenbetreiber Petrol Ofisi letztlich werden wird, bleibt Spekulation

Istanbul/Wien - Einen Tag nach Bekanntgabe neuerlicher Detailverhandlungen zwischen OMV und dem türkischen Partner Dogan über eine Aufstockung der Anteile an Petrol Ofisi lichtet sich der Schleier nur langsam. Die OMV jedenfalls möchte ihren Einfluss in der Türkei vergrößern und ihre Beteiligung am größten Tankstellenbetreiber des Landes von derzeit 41,6 Prozent "auf bis zu 100 Prozent" aufstocken.

"Die Türkei ist einer der weltweit attraktivsten Energiemärkte", hatte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer Anfang des Monats beim symbolischen Spatenstich für das Gaskraftwerk in Terme nahe der Schwarzmeerstadt Samsun angemerkt. "Wir setzen hier auf Wachstum bei Öl, Benzin und Gas auf Jahre hinaus." Deshalb gebe es auch die Beteiligung an Petrol Ofisi. Die Investitionen der OMV in der Türkei belaufen sich inzwischen auf zwei Mrd. Euro.

Der Verkauf weiterer Anteile von Petrol Ofisi überrascht Marktbeobachter in der Türkei nicht. Der Einstieg der OMV 2006 habe diese Entwicklung vorgezeichnet, heißt es. Gleichzeitig wird über die Motive des Konzernherrn Aydin Dogan spekuliert. Der 74-Jährige sei des Drucks durch die Regierung Erdogan müde, wolle sich von Anteilen trennen und brauche Geld zur Begleichung der Steuerstrafe von gut zwei Mrd. Euro, die immer noch über der regierungskritischen Mediengruppe des Konzerns schwebt.

Wegen Unsicherheiten rund um die Steuerschuld von Partner Dogan hatte die OMV im November des Vorjahres Gespräche über eine Anteilsaufstockung auf Eis gelegt. Der Dogan-Konzern war vorigen Sommer auch bei der Vertragsvergabe für den Bau einer Ölraffinerie in Ceyhan am Mittelmeer abgeblitzt. Nach dem Besuch des russischen Premiers Wladimir Putin im August 2009 ging der Zuschlag an ein Konsortium von Rosneft und der Calik-Gruppe, die der türkischen Regierung nahesteht.

Margen, Produktion gesunken

Eine andere Interpretation gibt es auch: Dogan wolle beim Raffinerieprojekt in Ceyhan gemeinsam mit OMV noch einen Fuß in die Tür bekommen, denn die Vertragsvergabe an Rosneft/Calik sei juristisch anfechtbar. Gemeinsam mit einem noch stärker in der Türkei engagierten österreichischen Konzern rechne sich Dogan bessere Chancen aus. Der von Dogan gehaltene Anteil an Petrol Ofisi wird auf rund eine Mrd. Euro geschätzt.

Während die OMV die Unsicherheiten in der Türkei schwinden sieht, bleiben die Risiken im Raffineriegeschäft hoch. Die Raffineriemargen sind im 3. Quartal auf 1,84 (Vorquartal: 3,39) Dollar je Fass (159 Liter) eingebrochen.

Auch bei der Produktion blieb die OMV im 3. Quartal mit 316.000 Fass öläquivalent pro Tag hinter den Erwartungen. Der Konzern rechnet zudem mit Sonderaufwendungen von netto 250 Mio. Euro, der Großteil für Abschreibungen u. a. in Kasachstan. (Markus Bernath, Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2010)

 

 

  • Petrol Ofisi, das Tankstellenunternehmen mit dem Wolf im Logo, gehört bereits jetzt zu knapp 42 Prozent der OMV.
    foto: standard

    Petrol Ofisi, das Tankstellenunternehmen mit dem Wolf im Logo, gehört bereits jetzt zu knapp 42 Prozent der OMV.

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