A-Tec wird Zitterpartie für ungläubige Gläubiger

21. Oktober 2010, 18:22
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Hohe Bürgschaften der A-Tec und Schulden der größten Tochter Austrian Energy gefährden die Sanierung

Wien - Die Insolvenz des Mischkonzerns A-Tec, die drittgrößte Pleite nach Konsum und Maculan, wird eine Zitterpartie. Denn zu den Verbindlichkeiten in Höhe von rund 370 Millionen Euro, kommen 307 Mio. Euro an Haftungen, also Zahlungsgarantien, Patronatserklärungen und Wechselbürgschaften. Sie hat die Holding-Mutter A-Tec für ihre vier Töchter gegenüber Kreditinstituten abgegeben.

Die Banken können diese 307 Mio. Euro im Insolvenzverfahren anmelden und Sicherstellungsanträge stellen. "Dann wird es viel teurer und es ist sehr fraglich, ob die 30-prozentige, gesetzliche Mindestquote in so kurzer Zeit zu stemmen ist" , sagt ein Gläubigervertreter zum Standard.

Die dicksten Fische der 307 Mio. Euro an Haftungsverbindlichkeiten sind ATB (48 Mio. Euro), BNP Paribas (23,7), Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (52) und 68 für das Sorgenkind Austrian Energy & Environment. Die Anlagenbausparte AE&E hat die Krise ausgelöst, australische Kraftwerksprojekte kollabierten.

Samt Haftungen belaufen sich die Passiva laut Aufstellung der von A-Tec beauftragten Anwälte der Kanzlei Abel & Abel auf 677 Mio. Euro. Die Fortführung des Konzerns hänge primär davon ab, ob ein Financier für die Quote gefunden wird, sagt Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vom KSV.

Wiewohl in die A-Tec-Pleite nur als Kreditgeber involviert, spielen die Banken eine Schlüsselrolle. Gewähren sie, die am Donnerstagnachmittag tagten, keinen Schuldennachlass, könnte der ganze Konzern wanken. Vorerst sind die vier operativen Töchter AE&E, ATB Antriebstechnik, Werkzeugmaschinen Emco und Montanwerke Brixlegg von der Pleite nicht betroffen.

Kein nennenswerter Beitrag zur Sanierung

Die A-Tec-Insolvenz sei unvermeidlich geworden, heißt es in Bankenkreisen, weil A-Tec-Chef Mirko Kovats, dessen M.U.S.T-Privatstiftung das Anlagen- und Maschinenbaukonglomerat kontrolliert, nicht bereit gewesen sei, einen nennenswerten Beitrag zur Sanierung zu leisten.

So sieht das auch Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger, der Kovats ankreidet, unverhältnismäßig viel in seine Privatstiftung geschaufelt zu haben. Allein für das Krisenjahr 2009 sei dem Dreier-Vorstand neben Fixbezügen von einer Million Euro eine Erfolgsprämie von 1,6 Mio. Euro ausbezahlt worden. Seitens Kovats und A-Tec war dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Löwenanteil der 302 Mio. Euro an Passiva entfällt auf drei Anleihen, 35 Mio. sind Verbindlichkeiten gegenüber Teilkonzernen, knapp acht Millionen von der Raiffeisen-Landesbank Burgenland, der Rest von Lieferanten.

Existenzbedrohlich stellt sich laut dem auf Basis der Neunmonatsbilanz erstellten "Insolvenzstatus" die Lage der A-Tec dar: Das Anlagevermögen schrumpfte aufgrund von Firmenwertberichtigungen von 700 auf 123,4 Mio. Euro, das Umlaufvermögen halbierte sich auf 103 Mio. Bleiben unterm Strich 229,6 Mio. Euro Gesamtvermögen. Vor drei Wochen, als auf die Refinanzierung der 92-Millionen-Euro-Anleihe noch zu hoffen war, bezifferte A-Tec selbiges mit 913 Mio. Euro.

Der rapide Wertverlust der A-Tec-Töchter von 684 auf 119 Mio. Euro macht die Gläubiger ungläubig: Denn sie waren in der Bilanz 2009 um 160 Mio. Euro aufgewertet worden. Aus dem Primemarket der Wiener Börse ist die A-Tec-Aktie hinausgeflogen, ab heute, Freitag, notiert das Papier im Standard Market Continuous. (ung, vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2010)

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