Apple will mit dem Mac aus der Nische heraus

21. Oktober 2010, 15:11
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Marktforscher: Konzept "Mac meets iPad" wird Mac-Betriebssystem erfolgreicher machen

Bei mobilen Geräten gibt Apple seit drei Jahren den Ton an. Die mit Abstand meisten Notebooks und Schreibtisch-Computer aber laufen weiter mit Windows. Jetzt wollen die Kalifornier den iPad-Boom nutzen, um den Mac aus der Nische zu bringen.

"Back to the Mac"

Nach dem Wirbel um iPhone und iPad rückt Apple die angestammte Mac-Plattform ins Zentrum: Unter dem Motto kündigte Vorstandschef Steve Jobs eine neue Version des Betriebssystems an, die das Konzept des Tablet-Computers iPad übernimmt: "Der Mac trifft das iPad."

"Der Mac wird damit sehr interessant für Leute, die sich gerade ein iPad zugelegt habe", sagte Branchenexpertin Carolina Milanesi vom Marktforschungsinstitut Gartner der Nachrichtenagentur dpa. "Das Konzept "Mac meets iPad" wird das Mac-Betriebssystem erfolgreicher machen. Ich denke, das eigentliche Ziel von Apple besteht darin, die mobilen Geräte zu nutzen, um die Tür zum Mac aufzustoßen."

Lange Zeit dümpelte der Mac bei einem Marktanteil um fünf Prozent herum. Inzwischen sind es in den USA nach jüngsten Erhebungen mehr als zehn Prozent, in Deutschland 7,5 Prozent - gemessen am Aufruf von Webseiten. Besonders eindrucksvoll sei die Entwicklung bei den Erstnutzern eines Macs, sagte Milanesi.

13,7 Mio. Macs

In einem einführenden Vortrag zur "Lage des Macs" sagte Apple- Manager Tim Cook am Mittwochabend, die Zahl von 13,7 Mio. Macs, die bis Ende September im Geschäftsjahr 2010 verkauft worden seien, sei dreimal so hoch wie vor fünf Jahren. Der Mac sei lebendiger denn je.

Wie das Rendezvous von Mac und iPad aussehen soll, demonstriert das neue MacBook Air, das ebenfalls am Mittwochabend vorgestellt wurde. In seinem typischen Stil mit Bluejeans und schwarzem Pullover, präsentierte Jobs die neuen Modelle mit Bildschirmgrößen von 11 und 13 Zoll als "die Zukunft der Notebooks". Dabei sei am wichtigsten, was das neue MacBook Air nicht habe, nämlich eine herkömmliche Festplatte mit ihren beweglichen und deswegen störanfälligen Teilen. Stattdessen werden die Daten wie beim iPad auf einem Flash-Speicher geschrieben, also auf Chips, die kleiner, schneller und robuster sind.

CDs oder DVDs

Auch ein optisches Laufwerk für CDs oder DVDs gibt es nicht beim MacBook Air - die digitalen Inhalte sollen künftig vor allem aus dem Internet kommen. Und das sind in erster Linie die Apps: Programme und Medienangebote, deren Preis so überschaubar ist, dass die Verbraucher nicht erst lange überlegen, sondern kaufen - zum Nutzen auch der ansonsten von Apple unabhängigen Entwickler, die mit 70 Prozent an den Einnahmen beteiligt werden.

Die Apps tummeln sich künftig nicht nur auf iPad, iPhone und iPod touch, sondern auch auf dem Mac-Computer. Schon in den nächsten drei Monaten wird der App Store in das bestehende Mac-Betriebssystem Mac OS X "Snow Leopard" eingebunden. Und dessen Nachfolger mit der Bezeichnung "Lion" soll dann von vornherein auf die Nutzung von Apps eingestellt sein.

"Lion"

Jobs wies bei seinem ersten Ausblick auf den "Lion" darauf hin, dass das Betriebssystem iOS für iPhone, iPad und iPod Touch auf der Grundlage von Mac OS X entwickelt worden sei. Und jetzt sei das Mac-System dabei, von iOS zu lernen.

Allerdings hat der App Store mit seiner alleinigen Kontrolle durch Apple auch Kritiker auf den Plan gerufen. Selbst in der Mac-Community löste die Präsentation von Mac OS X "Lion" kaum Begeisterung aus. "Ich habe die Befürchtung, dass der Mac App Store zu einer schleichenden Entmündigung des Anwenders führen wird", schrieb ein Mac- und iPhone-Entwickler im Online-Portal macnotes.de. "Apple kontrolliert zukünftig noch stärker, welche Anwendungen wir auf unseren Rechnern installieren."

Facetime

Die Verschmelzung von mobiler und stationärer Nutzung demonstriert Apple mit der im Juni zusammen mit dem neuen iPhone eingeführten Technik für die Videotelefonie: Das Programm Facetime wurde jetzt in einer ersten Testversion auch für den Mac bereitgestellt und verbindet iPhone-Nutzer unterwegs mit Mac-Nutzern daheim.

Wenn der Preis für den traditionell relativ teuren Mac zurückgehe, werde auch der Marktanteil weiter zunehmen, erwartet Gartner- Analystin Milanesi. Bisher allerdings verzichtet Apple auf eine aggressivere Preispolitik. Beim neuen MacBook Air kostet das Basismodell 999 Dollar - und trotz des unterschiedlichen Wechselkurses auch 999 Euro. (Von Peter Zschunke/dpa)

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