CEE-Staaten teils Lichtjahre zurück

21. Oktober 2010, 11:58
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Erste-Group-Experte Mostböck sieht in der Schuldenreduktion einen zähen Prozess, der Abbau werde nur langsam erfolgen

Wien - Bis auf Ungarn weisen die Staaten in Mittel- und Osteuropa (CEE) eine relativ geringe Staatsverschuldung auf, die unter der Maastricht-Grenze von 60 Prozent liegt. Dennoch erwartet Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, dass die Staatsverschuldung auch in den nächsten Jahren das Hauptthema auf den Finanzmärkten sein werde. Eine Reduktion der Schulden dürfte nur langsam erfolgen, erklärte er.

Die These, dass Österreich und Osteuropa Pleite seien, habe sich als "vollkommen haltlos erwiesen", betonte Mostböck. Man müsse aber künftig in der Region stärker differenzieren. Generell gelte es aber, dass die CEE-Staaten von gewissen westeuropäischen Staaten noch immer Lichtjahre entfernt seien, betonte er. Die Staatsverschuldung Ungarns, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Rumäniens und Kroatiens mit rund 52 Millionen Einwohner mache zusammen etwa 220 Mrd. Euro aus und betrage damit rund 80 Mrd. Euro weniger als jene Griechenlands, das knapp über 11 Millionen Einwohner habe, betonte der Chefanalyst.

In Ungarn und Rumänien sei die wirtschaftliche Lage aber wesentlich schwieriger als in anderen Ländern. Ungarns Staatsverschuldung werde heuer auf knapp 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit auf den Schnitt der Eurozone steigen. 2005 war Ungarn noch mit 61,7 Prozent verschuldet. Heuer rechnet die Erste Group mit einem Budgetdefizit von 4 Prozent, dass sich trotz Einführung einer Bankenabgabe und von Krisensteuern auch 2011 nur marginal auf 3,9 Prozent verringern dürfte.

Schuldenanstieg in Rumänien

In Rumänien hingegen wird sich die Staatsverschuldung laut Erste Group von 15,8 Prozent (2005) auf heuer geschätzte 30,5 Prozent des BIP fast verdoppeln. Dort rechnen Erste-Analysten heuer mit einem Budgetdefizit von 8,8 Prozent des BIP, das 2011 noch immer hohe 7,4 Prozent betragen dürfte.

Aber auch andere CEE-Staaten weisen zwar eine relativ niedrige Staatsverschuldung, aber hohe Dynamik in den vergangenen Jahren auf. So stiegen die Staatsschulden Sloweniens gegenüber 2005 um 14,6 Prozentpunkte auf 41,6 Prozent des BIP. Slowenien sei ein kleiner Markt mit rund 2 Millionen Einwohner, da würde die Entwicklung deutlicher schneller in beide Richtungen gehen als etwa in Polen mit rund 38 Millionen Einwohner, so Mostböck. Dort ist die Staatsverschuldung vergleichsweise gering angestiegen - von rund 47 Prozent (2005) auf heuer geschätzte knapp 54 Prozent. Gegen den Trend schaffte Bulgarien aber eine Verringerung der Staatsschulden von rund 29 Prozent auf heuer 17,4 Prozent.

Die Staatsverschuldung spiegele sich auch in den lokalen Aktienindizes wider. Länder mit vergleichsweise niedrigen Staatsverschuldungen und Defiziten hätten heuer besser performt, als jene mit hohen Verschuldungsraten, betonte der Chefanalyst. "Blickt man auf die Rendite-Entwicklungen (year-to-date) und die Aktienmarkt-Performances in 2010, so ist der Zusammenhang zwischen erhöhter Staatsverschuldung und der Performance lokaler Benchmark-Indizes sehr deutlich", heißt es seitens der Erste Group.

Die volkswirtschaftlichen Kennziffern der CEE-Staaten hält Mostböck für nicht gefälscht wie im Falle Griechenlands. Die Staaten würden sich hüten, falsche Zahlen zu liefern. Irgendwann komme das heraus und dann stünden sie vor großen Probleme. "Wir werden nicht mehr auf die Wachstumsraten kommen, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben", betonte der Chefanalyst. Dennoch unterstrich er, dass die CEE-Staaten nach wie vor bestimmte Wettbewerbsvorteil wie etwa geringere Lohnkosten hätten, die in der Krise weiter gefallen seien. Die Kosten würden lediglich ein Drittel jener Deutschlands betragen. (APA)

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    CEE-Staaten weisen zwar eine relativ niedrige Staatsverschuldung, aber hohe Dynamik in den vergangenen Jahren auf.

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