Filmindustrie fordert Internetblockaden gegen Filesharer

21. Oktober 2010, 10:16
158 Postings

Klare Absage durch Österreichische Provider: Copyright-Inhaber wie Wegelagerer

"Wir machen uns sicher nicht zu Erfüllungsgehilfen für Wegelagerer-Praktiken, mit denen abermals versucht werden soll, längst überholte Geschäftsmodelle zu retten", reagiert der Verband der heimischen Internet-Provider ISPA auf die am Mittwoch bei österreichischen Providern eingegangene Aufforderung der Filmindustrie, bestimmte Websites zu blockieren. Konkret sollen den Wünschen der Firmen Satel und Wega sowie die Constantin Film Verleih GmbH nach 1500 IP-Adressen, die Internetdomain kino.to und neun weitere Domains komplett gesperrt werden.

"Für das Sperren von Websites fehlt jegliche Rechtsgrundlage"

Doch die ISPA sieht sich dafür keine rechtliche Grundlage. Accessprovider, die ihren Kunden den Zugang zum Internet zur Verfügung stellen, seien gesetzlich nicht ermächtigt, geschweige denn verpflichtet, über ihre Leitungen transportierte Informationen zu kontrollieren. Sie nehmen daher auch keine Auswahl oder den Ausschluss von bestimmten Inhalten vor, so der Konsens der Anbieter. "Wir werden uns nicht auf Zuruf der einknickenden Urheberrechtsindustrie auf illegales Terrain bewegen", erklärt ISPA Generalsekretär Andreas Wildberger. Denn es fehlt jegliche Rechtsgrundlage, wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen Websites zu blockieren.

"Es ist ja wohl einmalig, dass sich die Rechteinhaber nicht mal mehr die Mühe machen, mit konkreten Downloads zu argumentieren sondern einfach damit, dass etwas der Fall sein könnte", kommentiert Wildberger das fragliche Begehren, "Es könnte auch jemand, der auf der Autobahn fährt, in seinem Kofferraum schwarz kopierte Videos transportieren. Die ASFINAG macht den Transport erst möglich. Erhält die ASFINAG deswegen auch eine Unterlassensaufforderung?"

Urheberrecht soll "internetfit" gemacht werden

Auch dieser Versuch der Urheberrechtsindustrie, die Internetprovider zur Durchsetzung ihrer Interessen heranzuziehen, zeige laut ISPA, wie notwendig eine Reform des Urheberrechts sei. "Die Rechteinhaber sollen besser über innovative Geschäftsmodelle nachdenken und sich wie wir dafür einsetzen, das Urheberrecht "internetfit" zu machen, anstatt über fragwürdige Möglichkeiten nachzudenken, an Geld zu kommen (Stichwort Ausdehnung der Leerkassettenvergütung auf Festplatten) und zu verlangen, "böse Sites" zu sperren.", fordert Wildberger.
Die bei zahlreichen Internet Service Providern eingegangenen Schreiben verdeutliche ein weiteres Mal, wie dringend das Urheberrecht den technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die das Internet mit sich bringt, angepasst werden müsse. (red)

Der WebStandard auf Facebook

Links

ISPA

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ISPA: Für das Sperren von Websites fehlt jegliche Rechtsgrundlage

Share if you care.