Verkanntes Problem

Schmerz muss als eigene Krankheit anerkannt werden

21. Oktober 2010, 08:49
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    foto: sonja schreiber/www.pixelio.de

    Rückenschmerzen kommen der Gesellschaft teuer zu stehen. 

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Zwei Drittel aller Schmerzen gehen auf die Kappe von Problemen im Bewegungsapparat - Innovative Behandlungsmethoden zeigen Erfolge

Wien - Kreuzschmerzen und andere chronische Schmerzen betreffen einen großen Teil der Gesellschaft. Sie verschlechtern Lebensqualität und Einsatzfähigkeit der Betroffenen und rufen damit immense Kosten hervor. Erkannt wird das Problem jedoch noch kaum, was die volkswirtschaftliche Belastung zusätzlich erhöht. Das betonen Experten anlässlich der europäischen und nationalen Schmerzwochen am heutigen Mittwoch.

Verkanntes Gesundheitsproblem

"Chronische Schmerzen sind heute ein zentrales Gesundheitsproblem. Sie sind eigenständige Erkrankungen, werden bisher jedoch meist nur als Symptome anderer Krankheiten gesehen. Deshalb sind auch seine ökonomischen Folgen noch kaum bewusst", erklärt Hans Georg Kress, Präsident der Europäischen Schmerzgesellschaft EFIC.

Jeder vierte Europäer leidet heute an Schmerzen, jeder zwanzigste an starken. "Betroffen sind vor allem Muskel, Gelenke, Nacken und Rücken. Besonders im mittleren und hohem Alter behindert der Schmerz tägliche Aktivitäten wie etwa Arbeit und Freizeit", so der Wiener Anästhesist. Problematisch sind besonders die Schmerzen, die nach ihrem akuten Auftreten nicht wieder abklingen. Zwei Drittel dieser davon gehen auf die Kappe von Problemen des Bewegungsapparates, allen voran des Kreuzschmerzes, wie englische Untersuchungen zeigen.

Immense verdeckte Kosten

Nicht nur für die Patienten, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft stellen Schmerzen eine ungeheure Belastung dar. Die Behandlungskosten allein für Rückenschmerzen liegen im dreistelligen Millionenbereich, die indirekten Kosten sind jedoch um ein Vielfaches höher. Dazu gehören nicht nur Fehlzeiten und Produktivitätsausfall, sondern auch etwa ineffektive Behandlungen, falsche Selbstmedikation, Nebenwirkungen, Krankenpflege und sinkende Lebensqualität.

Englischen Zahlen zufolge liegen die indirekten Kosten für Rückenschmerzen noch vor jenen für Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland schätzt man die Gesamtkosten auf 50 Mrd. Euro pro Jahr - was über zwei Prozent des BIP ausmacht. US-Daten aus dem Jahr 2000 zeigen, dass ein Patient mit Rückenschmerzen rund dreimal mehr kostet als Menschen ohne Rückenschmerzen - jährlich rund 17.000 Dollar.

Neue Ansätze erforderlich

Die Last durch Kosten und Beeinträchtigungen könnte deutlich verringert werden, wenn die Politik das Problem als solches erkennt und langfristig denkt, so das Credo der Experten. Zu den nötigen Verbesserungen zählt Kress etwa interdisziplinäre Ansätze. "Etwa Psychologen sind in der Schmerztherapie noch kaum eingebunden", so der Mediziner. Zudem haben Innovationen am Schmerzsektor einen schweren Stand. "Die Gesundheitspolitik hält sie oft bewusst zurück, da man hier den geringsten Widerstand vermutet."

Derartige vielversprechende Innovationen in der Schmerzmedizin gibt es für Kress mehrere. "Dazu gehört etwa das Analgetikum Tapentadol, der zugleich Agonist und selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer ist, oder diverse Behandlungen der Durchbruchschmerzen wie etwa Nasensprays und Bucaltabletten mit Fentanyl. Vielerorts halten auch Reinsubstanzen aus der Cannabis-Pflanze den Einzug", so der Experte.

Neue Optionen bieten zudem die stochastische Resonanztherapie oder die transkranielle Magnetstimulation, und auch die Komplementärmedizin kann zahlreiche Erfolge vorweisen. Die Evidenzbasierung steht hier allerdings in vielen Bereichen noch aus. (pte)

A Voice
00
28.10.2010, 11:00
???

Also Schmerz als eigenständige Krankheit.
Geht's noch? Wie ist das mit der vielgerühmten Ursachenbekämpfung?
Das hieße doch den eh schon bestehenden Blödsinn zu institutionalisieren und noch schwieriger behebbar zu machen. In stochastische Resonanztherapie (sic!) rennt dann noch zusätzlich Kohle.

Sternschnuppe23
00
29.10.2010, 17:02
Schmerz muss nicht immer eine Ursache haben

Ich habe schon sehr lange andauerende Rückenschmerzen, die sich bislang durch keine Therapie - physich, psychisch, psychosomotatisch, alternativ - haben behandeln lassen.

Dabei geht es lt. einer aktuellen Studie jeden vierten EU-Bürger so, dass er/sie mit chronischen Schmerzen zu kämpfen hat.

Das Prinzip der Ursachenbekämpfung gilt ja nach wie vor. Nur manchmal stößt man halt damit auf ein Deadend oder die Ursache ist nicht behandelbar...

Schmerz wird bis dato einfach verniedlicht. Menschen ohne chronische Schmerzen können sich - woher auch - ja gar nicht vorstellen wie belastend ein chronischer Schmerz ist.

Aber ich bin immer offen für neue Therapien, also her damit!

Morpheus DerStandard
02
21.10.2010, 21:07

Schon ein Hohn wenn man in eine Krankenversicherung einbezahlt die einem keine erfolgversprechende Therapie für sein Leiden bezahlt, nicht wahr?

Clemens Schwarz
00
27.10.2010, 19:23
ist ja nicht immer die krankenkasse

stellen sie sich vor, man würde schmerz als signal verstehen, dass etwas nicht stimmt. das wäre innovativ. alles beim alten zu lassen und tabletten schlucken ist nicht innovativ, sondern eine fortsetzung des alten.

die tabletteniondustrie verdient gut damit. mit dem wandel der wahrnehmung - symtom ist gut, weil es mir sagt, ich sollte etwas verändern, hätten vorallem die ein problem, die jetzt mit - symptom ist schlecht - damit gut verdienen.

Morpheus DerStandard
00
27.10.2010, 19:43

Ich bin ganz auf ihrer Linie :)

zhang sanfeng
00
22.10.2010, 11:44

wer den schmerz hat, braucht für den hohn nicht zu sorgen

Frau Singer
01
21.10.2010, 20:59
"Zwei Drittel aller Schmerzen gehen auf die Kappe von Problemen im Bewegungsapparat "

Es gibt doch auch angeblich mindestens ebensoviele Fällte von Erkrankungen des Verdauungsapparates - Stichwort: Reizdarm. Warum wird das nicht mal erwähnt im Artikel, führt ja mindestens zu ähnlichen Schmerzen und Beeinträchtigungen im Berufs- und Alltag, insgesamt der Lebensqualität. Behandlungserfolge scheinen auf dem Gebiet auch bloß Glücksache zu sein.

Barbarin
00
27.10.2010, 14:26
Reizdarm...Zustimmung....sehr weit verbreitet, aber tw. tot-geschwiegen!

Renzo Pasolini
01
21.10.2010, 16:35
Oje, oje!

Die Kranken sind meistens nur bei den Gebietskrankenkassen versichert. Und die zahlen diese wunderbaren neuen Therapien leider nicht!

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