Stadt klagt Pächter der Copa Cagrana

20. Oktober 2010, 19:38
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Umweltstadträtin Ulli Sima hat eine Räumungsklage gegen den Hauptpächter der Copa Cagrana eingebracht - Dieser will das Feld nicht kampflos räumen

Wien - An der Copa Cagrana kann man seinem Körper im Sommer nicht nur mittels diverser Alko-Mixgetränke Leid zufügen, im Ausgehdorf am Entlastungsgerinne riskiert man inzwischen auch äußerliche Verletzungen.

Die für die Donauinsel zuständige Magistratsabteilung 45 stellte nach mehreren Begehungen eine Reihe von massiven Sicherheitsmängeln fest - von morschen Terrassen und Geländern über nicht tragfähige Dächer bis zu abenteuerlich verlegten Elektroinstallationen. Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) zog nun die Notbremse und brachte Räumungsklage gegen den Hauptpächter ein. "Die Stadt hat wirklich lange zugeschaut" , sagt Sima zum Standard, "fast zu lange." Chef der geklagten Boardwalk Entwicklungs Gesellschaft, die die Gastroflächen weiterverpachtet, ist Norbert Weber. Ihm gehört auch das vor sich hin rostende Ausflugsschiff Johann Strauss am Donaukanal.

110.000 Euro Schulden

Zuletzt versuchte Weber mittels neuer Gastronomen mehr Publikum an die Copa Cagrana zu locken. Und trennte sich von acht der insgesamt 17 Pächter. Sein eigener Vertrag für die Copa Cagrana besteht seit gut 20 Jahren.

Er stellte immer wieder Modernisierungspläne vor, das Architekturbüro Guttmann erarbeitete vor zwei Jahren in Webers Auftrag einen Entwurf für die Neugestaltung. Dieser sah einzelne schlichte Pavillons und viele kleine Sonnenterrassen vor. Die alten Gebäude sollten gänzlich abgerissen werden. "Einige Millionen" sollte das Projekt laut Weber kosten. Geld, dass er offenbar nicht hat. Denn er schuldet der Stadt laut Sima derzeit rund 110.000 Euro an Pacht.

"Das ist doch alles nicht wahr" , sagt Weber, "Sima ist eine aufgebrachte Person, die Aversionen gegen meine Firma hat." Von der Räumungsklage, die die Stadt beim Bezirksgericht Donaustadt eingebracht hat, will er nichts wissen. "Da muss ich mich erst informieren." An einen freiwilligen Rückzug denkt er nicht. "Ich sehe dafür keinen Grund, denn ein paar kleinere Mängel wird es immer geben."

Die Klage der roten Umweltstadträtin sieht Weber im direkten Zusammenhang mit einer Veranstaltung der FPÖ, die kürzlich an der Copa Cagrana stattfand. "Das hat der SPÖ gar nicht gepasst. Man hat sogar Magistratsbeamte losgeschickt, um Ankündigungsplakate zu entfernen" , sagt er. Und: "Schauen wir einmal, wie lange Frau Sima überhaupt noch Umweltstadträtin ist." Die Fronten im Streit um den Stadtstrand sind also einigermaßen verhärtet - für den Donauinsel- und Donauufer-Besucher bedeutet dies, dass sich die Ausgehmeile bis zum nächsten Sommer nicht groß verändern wird. Das Gerichtsverfahren könnte nämlich bis zu zwei Jahre dauern. Die Sicherheitsmängel muss der Pächter aber inzwischen beheben.

Nicht betroffen von der Klage sind das mexikanische und das griechische Lokal auf der Copa Cagrana - sowie die wesentlich gepflegtere Sunken City am Donauinselufer gegenüber. "Dort läuft es wesentlich besser" , sagt Sima. Ihr schwebt ein ähnliches Konzept für die Copa Cagrana vor - ohne Hauptpächter. (Martina Stemmer/DER STANDARD, Printausgabe, 21. Oktober 2010)

  • Die Gastromeile bei der Reichsbrücke vergammelt zusehends. Jetzt haben die Behörden auch noch massive Sicherheitsmängel fest-gestellt.
    foto: der standard/rohrhofer

    Die Gastromeile bei der Reichsbrücke vergammelt zusehends. Jetzt haben die Behörden auch noch massive Sicherheitsmängel fest-gestellt.

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