Mit Todesschwadronen gegen Kartelle

20. Oktober 2010, 19:19
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    foto: reuters/tomas bravo

    Ein Polizist an einem Tatort in Monterrey, wo Bewaffnete versuchten, einen Regierungsbeamten zu entführen. Solchen Übergriffen begegnen Politiker in Mexiko laut Hinweisen mit Waffengewalt.

Politiker und Unternehmer stellen der Mafia eigene Todesschwadronen entgegen - Senat vermutet, dass ein Großteil der 28.000 im Drogenkrieg Getöteten diesen zum Opfer fiel

Im Kampf gegen die Drogenmafia werden in Mexiko offenbar paramilitärische Todesschwadronen eingesetzt. Wie die Zeitung El Universal berichtete, hat der Senat wegen immer deutlicher werdender Hinweise den Geheimdienst zu einer Stellungnahme zu dem Thema aufgefordert, hat jedoch bisher keine Antwort erhalten. Der Senat vermutet, dass ein Großteil der 28.000 Toten und eine hohe Zahl Verschwundener im Drogenkrieg auf das Konto der Todesschwadronen gehen könnte.

"Diese Gruppen agieren in der Grauzone und mit Billigung des Staates", sagte der Initiator der Petition, der linke Politiker und Ex-Gouverneur Ricardo Monreal. Nach Ansicht der Senatoren gehören hunderte bei Säuberungsaktionen entlassene ehemalige Soldaten und Polizisten diesen Killerkommandos an, die sich sowohl von Politikern als auch von Unternehmern anheuern lassen.

Erste Verdachtsmomente kamen vor einem Jahr auf. Damals verkündete Mauricio Fernández, Bürgermeister der nordmexikanischen Gemeinde San Pedro Garza Garcia - der reichsten Mexikos - bei seinem Amtsantritt den Tod eines gefürchteten Erpressers und Drogenbosses. Es war ein Scoop, der von den örtlichen Unternehmern mit großer Erleichterung aufgenommen wurde - die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte ihn aber erst mehrere Stunden später. Fernández versprach damals, eine speziellen Stoßtruppe zu bilden, um besonders gefährliche Verbrecher zu verfolgen.

Der Einsatz von Sonderkommandos ist laut Monreal eine Realität in Mexiko. "Die meisten Gouverneure haben solche Todesschwadronen. Und die Unternehmer greifen wegen der steigenden Zahl von Entführungen, Erpressungen und Morden ebenfalls auf sie zurück." Monreal zufolge sind die Gruppen besonders aktiv in den Bundesstaaten Jalisco, Nuevo Leon, Coahuila und Tamaulipas.

2000 Beweise gesammelt

Menschenrechtsorganisationen dokumentieren die Umtriebe paramilitärischer Gruppen seit Jahren. In den Bundesstaaten Sinaloa und Baja California hat Bürgerrechtler Miguel Angel Garcia in mehr als 2000 Fällen Beweise dafür gesammelt, dass die mexikanischen Todesschwadronen ähnlich der kolumbianischen Vorbilder mit staatlichen Hoheitszeichen und staatlicher Ausrüstung agieren. Bislang sei jedoch kein Gericht den Hinweisen der Organisationen gefolgt, was Garcia auf staatliche Komplizenschaft und Korruption in der Justiz zurückführt. "Wir wissen nicht, wer hinter diesen Todesschwadronen steckt, und niemand hat Interesse, dies zu ermitteln", sagt die Vorsitzende der Bürgerfront von Sinaloa, Mercedes Murillo.

Die mexikanische Justiz landete unlängst beim internationalen Rechtsstaatsvergleich der Organisation World Justice Project auf dem vorletzten Platz. Demnach enden im Schnitt nur sechs Prozent der Straftaten mit einer Verurteilung. Morde im Drogenkrieg werden praktisch niemals aufgeklärt. Meist schreiben die Ermittler die Taten zwar einem bestimmten Kartell zu, doch in der Regel bleiben Täter und Tathintergründe im Dunkeln.

Kolumnist Roberto Zamarripa warnt in der Zeitung Reforma: "In Kolumbien entstanden die Todesschwadronen als Selbstverteidigungsgruppen gegen die Guerilla. Nachdem sie ein bestimmtes Gebiet gesäubert hatten und kontrollierten, begannen sie, ins Drogengeschäft einzusteigen und endeten damit, Politik zu machen."

Marihuana-Rekordfund

Dienstagnacht wurde bekannt, dass die am Montag in Nordmexiko beschlagnahmte Drogenmenge noch um 29 Tonnen größer ist als ursprünglich angenommen: 134 Tonnen Marihuana wurden nach Angaben des Polizeichefs von Tijuana, Gustavo Huerta, sichergestellt - das ist Landesrekord. Huerta bekommt eine neue Kollegin: Kriminalistikstudentin Marisol Valles García wird in der nordmexikanischen Stadt Guadalupe Polizeichefin. Nach Medienberichten war die 20-Jährige als einzige bereit, den vakanten Posten in der von Drogenkartellen bedrohten Stadt zu übernehmen. (Sandra Weiss aus Puebla/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2010)

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
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mistvieh666
 
00
23.10.2010, 22:34

todesschwadrone sind privat und nicht staatlich.
was hat das mit menschenrechten zu tun?
menschenrechte sind schutzrechte des menschen gegen den staat.
es gibt ein allgemeines recht auf leben, freiheit, eigentum, sicherheit. aber dieses recht kann man sowohl gegen als auch fuer die todesschwadrone auslegen.
jedenfalls: ich mein die frage im ernst, ich versteh es nicht: was hat das mit menschenrechten zu tun?

Ich bin klug
00
26.10.2010, 18:29
Weil das Recht auf leben unveräußerlich ist, also auch von privaten Mördern einzuhalten ist

und weil der Staat- siehe Unveräußerlichkeit- generelle Schutz und Fürsorgepflichten hat.

willi weimaraner
00
27.10.2010, 22:13
Ausnahmezustand.

Tja, es gibt eben Länder und Situationen, da geht das Recht der Bevölkerung auf Leben vor dem Recht auf Leben für Verbrecher. Das kann man nicht legalistisch betrachten, da geht es für ganze Staaten ums Überleben.

ohnebrettvormkopf
00
23.10.2010, 07:05

Ein mexikanischer Freund formulierte passend: Das sollen sie mal mit dem ganzen Koks probieren- diese Aktion ist wie einer Katze ein Haar auszureißen...

wwelv folig
20
22.10.2010, 23:38
"Mit Todesschwadronen gegen Kartelle"

Und hat es das Pentagon oder Weiße Haus erwischt? Hat es eine Bank erwischt?

Nein?

Gegen welche lächerlichen kartelle wird das dann eingesetzt?

Snieftaps
04
21.10.2010, 15:57
Wenn das die einzig wirksame Methode ist, solls mir recht sein.

Aber was wird aus den Schwadronen, wenn die Kartelle besiegt sind? Geben die dann alle ihre Waffen ab und werden Eisverkaeufer?
Ich hoffe, Mexiko hat sich den Plan gut durchgedacht. Sonst werden sie es bereuen, diese Geister gerufen zu haben.

Cara Ben Nemsi
 
00
21.10.2010, 20:42
Naja das ist ja das Problem,

dass man jetzt schon die Todesschwadronen nicht von uniformierten Polizisten unterscheiden kann. Auch gibt es in Mexico 3 Körperschaften, die uniformierte Polizei sind (ohne die Verkehrspolizei). Wenn diese Teams Privatarmeen des Gouverneurs sind, können sie leicht in die "normale" Polizei versetzt werden. Da blickt keiner durch. Am wenigstens der "kleine Mann auf der Straße" der bei jeder Polizeikontrolle Angst haben muss, Opfer einer "Strafaktion" zu werden oder zumindest sein Bargeld zu verlieren. Auch weiß man nicht welchen Familien der Gouverneur für seinen Wahlsieg noch Gefallen schuldet. Diese "Bandenkriege" finden quer durch die Reihen von Polizei und Militär statt. Insofern ist an ein "Besiegen" nicht zu denken.

Winston S.
512
21.10.2010, 13:38

Die Lösung: Legalisierung aller Drogen.

Heiliger Stuhlgang
00
27.10.2010, 14:03

... da sollte vielleicht zuerst noch zwischen Cannabis, Heroin, Kokain, etc. unterschieden werden...

Faun
11
22.10.2010, 14:25

Dann kann doch Amerika nur mehr halb so viele Waffen verkaufen, und überhaupt; was würde bloß die TeaParty dazu sagen

styx12
64
21.10.2010, 15:27

Aber nur, wenn sich dann die Suchttherapie jeder selber zahlen muss! - ohne Ausnahme, auch Sozialfälle, weil warum soll ich mit meinen Krankenkassenbeiträgen dafür aufkommen, wenn sich Leute massenweise zudröhnen wollen?

mistvieh666
 
00
23.10.2010, 22:44

wennst es den leuten nicht gibst, werden sie sichs nehmen. man kann sie jetzt wie in den usa alle einsperren (ueber 2 mio, 1/4 aller gefaengnisinsassen weltweit), kostet aber auch geld. und bevor man sie einsperrt werden sie entweder ihre kinder suechtig machen oder ihr auto aufbrechen oder sie erschiessen.
wenn sie sowas aendern haben sie nicht eine verbesserte version von heute sondern einfach ganz was anderes.

Surge
 
00
27.10.2010, 18:49
In den USA..

..wird man auch für viel lächerliche Dinge eingesperrt.

xv22
01
21.10.2010, 16:23

Weil Steuereinnahmen aus Drogenverkäufen ebenfalls für die Allgemeinheit verwendet werden würden.

Groucho Marxist
05
21.10.2010, 15:57

Die Suchtkranken zahlen sie jetzt schon mit ihren Beiträgen. Mit großem Abstand am teuersten (weit über 95% der Gesamtkosten) gehen im übrigen für die Folgen von Nikotinabusus und Alkoholmissbrauch drauf. Die illegalen Substanzen fallen von den Folgekosten vergleichsweise kaum ins Gewicht.

Vorteil der Legalisierung: Die neidigen, frustrierten und bornierten Menschen müssen um ihre Beiträge nicht mehr fürchten, weil den Kosten durch Legalisierung weit höhere Steuereinnahmen entgegenstehen.

Für Drogen deren Suchtpotenzial weit unter dem von Alkohol liegt, z.B. Cannabis, ist ein kontrollierter freier Markt wohl das effizienteste.

Harte Drogen am besten im Krankenhaus an Süchtige abgeben, um den illegalen Markt zu vernichten.

mistvieh666
 
20
23.10.2010, 22:57

suchtgiftkranke kosten nicht nur behandlung sondern vor allem notstand und arbeitslose. alkoholsuechtige sind doch in der regel aelter und haben schon gearbeitet.
damit will ich nicht sagen, dass alkohol so toll ist, sondern ich will es so relativieren:
jemand der alkoholsuechtig ist demoliert sein leben und das seines ehepartners von 65-80.
ein heroinsuechtiger demoliert aber leben in der bluetephase, nicht im herbst.
ich trink gern was und wir haben in der familie einen alkoholkranken, es ist - scheisse. wahrscheinlich hasse ich (wirklich, das tue ich) deswegen disziplinlose menschen.
im uebrigen:
der marihuana markt ist in oesterreich zwar illegal, aber so ganz ernst nehmen die polizisten das nicht.

W_O_L_F_G_A_N_G
11
21.10.2010, 13:10

Weil hier so eifrig von "Endlösungen" die Rede ist:

Es gibt vielleicht eine solche, sogar eine unblutige:

"Sanfte Drogen" legalisieren, eine saftige Steuer draufschlagen und strikte staatliche Kontrolle, also gleiche Handhabe wie beim Schnaps.

Der Steuer kann kaum jemand im großen Stil entgehen, da über Satellitenfotos jedes Anbaugebiet ausfindig gemacht werden kann.

Davor würden die Drogenbosse wahrscheinlich mehr zittern als vor paramilitärischen Einheiten, die ohnehin eher eine Gefahr für kleinere Fische sind.

meineMeinung
021
21.10.2010, 11:48

Ich will endlich fair trade drogen!

tramezzino
00
21.10.2010, 16:22

zotter, riegersburg.

nukularteilchen
00
21.10.2010, 13:45

Selber anbauen, dann brauchens ned Ihr Geld der Mafia zu geben für ihr Grasler. Aufs Legalisieren zu warten ist so unwarscheinlich wie ehrliche, aufrechte Politiker jehmals in der Regierung zu sehn.

misanthropie
11
21.10.2010, 11:07
noch um 29 Tonnen größer ist als ursprünglich angenommen: 134 Tonnen Marihuana

und wieviele tausende hektoliter alkohol gab es?
hat wohl keinen interessiert,
sind wohl alle von der alko-mafia durchsetzter, als durch die cannabis-mafia..

Sun Zi
01
21.10.2010, 09:27
Naja zu einer "Radikalisierung" der Lage..

..können diese Schwadrone wohl auch nicht mehr beitragen, dort ist schon alles im Popsch.

raoul dufy
02
21.10.2010, 09:07
Buch zum Thema

Siehe auch Don Winslows Thriller Tage der Toten, das spiegelt die Realität wohl sehr gut wieder...

http://www.amazon.de/Tage-Tote... 525&sr=8-1

Cepheus
01
21.10.2010, 08:42
Failed state

mäx chen
00
21.10.2010, 09:47

aber so was von. Und die Mafia sitzt längst in der Regierung.

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