Mirko Kovats' Misch­konzern A-Tec insolvent

Unternehmenschef versucht zu retten, was zu retten ist

Die A-Tec des "Sanierers" Mirko Kovats schlittert in die Insolvenz. Allein die nun betroffene Holding hat Verbindlichkeiten von 350 Millionen Euro. Anlegerschützer Rasinger fordert Kovats' Abgang.

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Wien - Vom Sanierer zum Pleitier: Mirko Kovats, der aus angeschlagenen Betrieben wie Emco, ATBund Austrian Energy die A-Tec Industries mit rund 12.000 Mitarbeitern weltweit formte, steht vor einem Scherbenhaufen. Die börsennotierte Konzern-Holding musste am Dienstag Insolvenz anmelden, nachdem die Banken wegen Problemen bei australischen Kraftwerksbauten eine Kreditlinie von knapp 800 Mio. Euro nicht verlängert hatten und in Folge auch die Emission einer dringend benötigten Anleihe geplatzt war.

Nun versucht Kovats mit einem Aderlass der Gläubiger im Rahmen eines Sanierungsverfahrens zu retten, was zu retten ist. Der Konzernchef gab sich Dienstagabend vor der Presse überzeugt, dass die Fortführung ohne Abverkauf von Sparten gelingen und er am Ruder bleiben werde. Die Insolvenz bleibe auf die Holding mit Verbindlichkeiten von 350 Mio. Euro und ebenso hohen Bürgschaften beschränkt. Ob das Unterfangen aufgeht, ist fraglich, jedenfalls gibt es bereits Zweifel."Eine Lösung kann es nur ohne Herrn Kovats geben" , meint jedenfalls Anlegervertreter Wilhelm Rasinger zum Standard.

Auch Analysten geben zu bedenken, dass die akuten Probleme im Kraftwerksbau des Teilkonzerns Austrian Energy & Environment (AE&E) andere Bereiche erfassen könnten. Insgesamt weist die Gruppe 2,2 Mrd. Euro an Schulden aus. Kovats betont, dass es keine wechselseitigen Probleme gebe und die Rettung mit der Sanierung der AE&Egelingen müsse. Sie hat in "Down Under" bis zu 130 Mio. Euro in den Sand gesetzt, nachdem ein Auftrag von einer staatlichen chinesischen Stahlgesellschaft storniert worden war und sich ein zweitesProjekt infolge höherer Sicherheitsauflagen massiv verteuert hatte.

Von den Gläubigern werden in erster Linie die Anleiheninhaber der A-Tec betroffen sein, weil die Papiere von der insolventen Holding ausgegeben wurden. Rein rechtlich muss die Gesellschaft nach der neuen Insolvenzordnung mindestens eine Quote von 30 in zwei Jahren erbringen. Zudem hofft Kovats auf Beiträge der Banken. Zu den Financiers sollen fast alle großen österreichischen Banken, insbesondere die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, zählen. Auch die Deutsche Bank gilt als wichtiger Partner.

Die Kovats-Gruppe gilt seit Jahren als schwach finanziert und lebte von hohen Firmenwerten, wie Rasinger erläutert. Kovats habe die zwei Großbaustellen - den Motorenhersteller ATB und die AE & E - nie wirklich in den Griff bekommen. Bei der Energiesparte hätten die im Anlagenbau üblichen hohen Anzahlungen und die gute Auftragslage vor der Krise die Mängel überdeckt. Besser sieht die Lage bei den im Kupferbereich tätigen Montanwerken Brixlegg sowie bei den Werkzeugmaschinen (u.a. Emco) aus.

Kovats, der sich zuletzt auch als Buchautor versuchte (Die Sowjets hatten Recht), hat bereits Erfahrung mit Pleiten, strauchelte er doch schon vor Jahrzehnten mit dem Betrieb von Diskotheken. Umstritten war dann auch die rasante Expansion. Auf heftige Kritik gestoßen war bereits beim Börsengang im November 2006, dass A-Tec mit Kovats' Privatstiftung M.U.S.T Geschäfte machen musste. A-Tec zahlte damals für 75 Prozent an Emco 70 Mio. Euro an die Stiftung. Ob der Zwei-Drittel-Eigner jetzt Geld nachschießen wird, ließ Kovats am Dienstag offen. Jedenfalls wird es bei AE&E mit 5000 Mitarbeitern - je 300 in Graz und Wien - zu Einschnitten kommen. Die Gläubiger sollen bis Jahresende über das Schicksal der A-Tec entscheiden. (as/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.10.2010)

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