Neue "Induktionsphase" mit Mentor für Junglehrer - Ausbildugnsmodell für Pädagogen in drei Phasen
Wien - Bei der Bildungsreform gibt es Übereinstimmung für die neue Lehrerausbildung. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) demonstrierten am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz Einigkeit für die Weichenstellung in Richtung einer gemeinsamen Ausbildung aller Pädagogen. Im März reichte eine Expertenkommission den Endbericht zur "LehrerInnenbildung neu" mit ihren Empfehlungen ein. Diese wurden in den letzten Monaten in mehr als 50 Gesprächsrunden diskutiert, alle Beteiligten und Interessengruppen sollen eingebunden gewesen sein.
Was nun steht, ist die Idee eines Ausbildungsmodells in drei Phasen, das alle Lehrer, Kindergarten- und Sozialpädagogen umfasst.
Aktuell gibt es in Österreich für die verschiedenen Bildungsstätten unterschiedliche Ausbildungen. Das soll sich nun ändern: Die Grundstufe umfasst in der Regel ein Bachelorstudium, das die fachdidaktische und pädagogische Vorbildung gewährleistet. Danach sollen alle Pädagogen in einer Induktionsphase auf den Berufseinstieg vorbereitet werden. Den angehenden Lehrern wird dabei ein erfahrener Kollege als Mentor zur Seite gestellt, das soll die Teamorientierung stärken.
In der dritten Phase stehen lebenslanges Lernen und Weiterbildung im Zentrum. Für bestimmte Funktionen und Aufgaben sind Spezialisierungen über Masterprogramme vorgesehen, die berufsbegleitend absolviert werden.
Um die Eignung und Neigung der angehenden Pädagoginnen und Pädagogen zu überprüfen, sollen diese zukünftig eine entsprechende Prüfung sowie ein Aufnahmeverfahren durchlaufen. Schmied betonte, dass es sich dabei um ein breites, mehrstufiges Verfahren handeln werde, nicht um eine punktuelle Prüfung.
Im November und Dezember werden "Stakeholderkonferenzen" in Linz, Graz, Innsbruck und Wien abgehalten, im Zuge deren die Details der neuen Ausbildung diskutiert werden. Schulpartner, Behörden und Bildungssprecher sind eingeladen, das Zusammenspiel zwischen den Pädagogischen Hochschulen und den Universitäten festzulegen. Die neue Lehrerbildung könnte noch in dieser Legislaturperiode starten.
Wie von der Expertengruppe empfohlen, sollen die Einstiegsgehälter der Lehrer angehoben werden, "auch, um den Beruf für Männer attraktiv zu machen", sagte Schmied. Für diese Reformen braucht es allerdings Geld, worum beide Ressorts in diesen Tagen bei den Budgetgesprächen kämpfen. "Wir verhandeln noch", sagte die Unterrichtsministerin, "ich bin noch nicht zufrieden."
"Opernhafte Zuspitzung"
Am Dienstag gab es zudem ein erneutes Treffen der Arbeitsgruppe Bildung, der beide Ministerinnen und Vertreter der Landeshauptleute angehören. Bei der Diskussion, ob die Schulkompetenzen zur Gänze zum Bund oder zu den Ländern wandern sollen, will Schmied "weg von der opernhaften Zuspitzung". Das sei kein persönliches Match zwischen ihr und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), sondern eine grundlegende Systemfrage. (Julia Herrnböc, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.10.2010)