Unifinanzierung

Pseudo-Bekenntnis

Lisa Aigner, 20. Oktober 2010 15:59

Die Reformforderungen der Regierung an die Unis sind feig und unehrlich

"Ich bin überzeugt, für die Universitäten müssen wir zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen", sagte Finanzminister Josef Pröll im Nationalrat. Tausende Studierende sind - wie bereits schon vor einem Jahr - auf die Straße gegangen, um gegen die Budgetkürzungen an den Unis zu demonstrieren. Die Rektoren fordern mit großer Vehemenz seit Wochen mehr Geld für den Hochschulsektor und selbst die Wirtschaftsforscher, die ansonsten meistens Einsparungen befürworten, stellen sich auf ihre Seite. Man ist verleitet zu glauben, dass sie alle nun ihr Ziel erreicht haben. 

Bei näherer Betrachtung wird aber klar: Prölls Aussage ist nur ein Pseudo-Bekenntnis. Denn anstatt den Unis mehr Geld zu geben, stellt er Bedingungen. Er fordert Zugangsregeln und dass die Rektoren mehr Transparenz „bei den Finanzströmen" schaffen. Josef Cap von der SPÖ bläst in dasselbe Horn: „Was wird eigentlich mit dem Geld gemacht, wo gibt es Effizienzreserven, Doppelgleisigkeiten? Da können die Rektoren durchaus noch etwas einbringen", meint er im Standard-Interview

Die Regierung ist nicht bereit, mehr zu investieren

Die Strategie der Regierung ist leicht zu durchschauen: Wenn sie sich jetzt hinter Reform-Forderungen versteckt, macht sie sich unantastbar für Kritik. Nach dem Motto: „Wir würden das Geld ja zur Verfügung stellen, aber die Universitäten haben die nötigen Reformen dafür nicht umgesetzt". Das ist nicht nur feig, sondern auch unehrlich. In Wirklichkeit scheinen ÖVP und SPÖ nicht dazu bereit zu sein, das Budget noch einmal zu Gunsten des Hochschulsektors zu verändern.

„Ich hoffe noch", sagte der Rektor der Uni Wien bei der Vollversammlung im Hinblick auf die ausreichende Finanzierung der Universitäten. Diese Hoffnung scheint nach der Ankündigung Prölls unberechtigt. (Lisa Aigner, derStandard.at, 20.10.2010)

Kommentar posten
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Lernens Geschichte sprach Kreisky
21.10.2010 20:22
Wo ist der Bundeskanzler?

Die Zukunft der Bildung in Österreich ist eine so wichtige Sache, daß sich auf jeden Fall der Bundeskanzler zu Wort melden muß - mehr noch - er muß den Koalitionspartner vor die Wahl stellen: entweder es wird eine zukunftsorientierte Budgetierung der Universitäten gemacht oder die Koalition steht auf dem Spiel.

Haben wir eigentlich einen Bundeskanzler? Der Tschapp kann es ja wohl nicht sein, oder??

MundMs
21.10.2010 19:33
es gibt bereits Zugangsbeschränkungen

nämlich die Matura, oder die Studienberechtigungsprüfung. Ohne diese kann man nicht studieren, es gibt also für jedes Studium bereits Zugangsregelen, dass heißt, dieser Teil der Abmachung wäre von den Universitäten erfüllt und war auch immer erfüllt.

Die Forderung von Cap hingegen ist einfach lächerlich. Am besten man beginnt wieder die Unis aus der Autonomie zu entlassen, denn in diesem Gesetzesbeschluss liegt die Doppelgleisigkeit (wurde aber nie von der Uni gefordert): Der Staat gibt der Uni Geld, die wiederum Verwaltung aufwenden muss um dieses für das Studium einzusetzen, sodass die Uni gegenüber den Studierenden verpflichtet ist, das Geld über dessen Menge sie keinen Einfluss hat, über Lehre bereit zu stellen.

Also wo ist das Geld?

rätätä, rätätä ...
21.10.2010 18:59

Kann dieser widerliche Tschapp nicht endlich in Pension gehen? Bei den Roten gehen sie doch sonst alle so gern in Früh-Pensi. Ich will dieses ekelhafte G'schau von dem Typen und sein elendes Gesudere nicht mehr ertragen müssen. Und ich glaube, einer Menge anderer Leute geht's genau so.

Idefix der zweite
 
04.01.2011 20:30

Ich schliesse mich an. Mach ma eine Online-Petition?

zahnloser Tiger
21.10.2010 16:41
HERR PRÖLL

Es wird wirklich langsam Zeit,
für ein wenig Ehrlichkeit.

Die Unis soll'n in ihre Kassen,
Sie schleunigst Einsicht nehmen lassen.

Doch Sie verweigern weiter taktisch
die Einsicht ins Parteien-Bakschisch.

sowas nennt man auch "verlogen"
hat man sie denn nicht erzogen?

bratak
21.10.2010 15:04
Gegenvorschlag

Studiengebühren, ja, einführen, aber im Gegenzug:

- Alle Lehrer zum Bund
- Alle Parteispenden werden offengelegt
- Rechnungshof darf alle Gemeinden, nicht nur die über 20k Einwohner, prüfen
- Sanktionsmöglichkeiten gegen Bundesländer, die den Stabilitätspakt brechen.

ehrlich, dafür zahl ich gern 363€ im Semester :)

Queen of Sheba
 
21.10.2010 14:40
Welches Unternehmen, das eine Leistung pauschal zugeschlagen bekommen hat, kann plötzlich einen höheren Preis verlangen ?

Und die Leistungsvereinbarungen sind nun einmal Aufträge der Republik an die Universitäten.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
21.10.2010 18:00

Das Wort "Zuschlag" in diesem Zusammenhang zeigt, dass sie entweder das Universitätsrecht oder das Vergaberecht (oder beides) nicht verstehen.

Queen of Sheba
 
22.10.2010 08:12
Weil ich kein "Elegantestes Conversations-Lexicon" bin !

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
22.10.2010 12:17

Wie wahr, wie wahr....

Plus Lucis
21.10.2010 15:42

In einer Leistungsvereinbarung mit einem Privatunternehmen würde aber niemals drinstehen:

Im Gegenzug verpflichtet sich das Unternehmen, jeden der zur Tür reinkommt, gratis zu bedienen.

Unis sind auch in anderer Hinsicht keine Privatbetriebe.

Queen of Sheba
 
21.10.2010 17:01
Was heißt "gratis zu bedienen" - DAFÜR gibt es ja das Geld.

Und so unvorhersehbar haben sich die Studierendenzahlen ja nicht entwickelt.

A. M. Steinhauer
 
21.10.2010 11:54
Ich möcht mal etwas loswerden...

...oft hab ich das Gefühl, mehr Nutzen aus den Forenkommentaren zu ziehen als aus sehr oberflächlich gehaltenen Artikeln wie diesen hier. Ein Kompliment an viele User dieser Seite!
Zum Thema: Zugangsbeschränkungen für die Unis gibt es ohnehin (z.B.: Matura) Pröll verspricht jetzt zusätzliche Mittel für die Universitäten, wenn man im Gegenzug über Zugangsbeschränkungen nachdenkt. Ich bin dafür, das Niveau der Matura (wieder?) massiv anzuheben, um Zugangshürden wie KO-Prüfungen etc. nicht nötig zu haben. Ich bin mir sicher, das würde eine Entlastung für Hochschulen bedeuten. Und trotzdem: Mehr Budget für Unis!

Audrey09
21.10.2010 14:19

Bin ich ganz Ihrer Meinung. Bildungssanierung muss ganz unten anfangen. Also scho bei den Volksschulen. Wenn geschafft werden kann, dass es eine gute, niveauvolle Ausbildung gibt, kann es gar keinen so enormen Anstrum mehr an die Unis geben. Denn es kann auch nicht die Lösung sein, freien Hochschulzugang für alle gewähren - nicht jeder hat die Fähigkeit zu studieren. Und muss sie ja auch nicht haben. Was machen wir mit jeder Menge Akademikern, die eine schlechte Ausbildung haben? Und ja, natürlich es muss einfach mehr Geld in die Bildung fließen. Da haben schon die vorhergehenden Regierungen einfach versagt.

WLG
21.10.2010 15:28

Freier Zugang bedeutet nicht, dass jeder studiert oder studieren soll. Es bedeutet, dass es niemandem von vornherein verwehrt wird.

silverfinger
21.10.2010 17:05

ja das ist ja das problem - es kann eh jeder studieren der will - nur man muss es sich auch leisten können

- man muss nebenbei arbeiten (meistens ohne fixum und zu unüblichen Zeiten)
- heutzutage sollte man ins Ausland während der studienzeit
- man sollte im sommer, der erst ab der 2. juliwoche anfängt und bis ende september geht praktika machen
- ständig wird man als Schmarotzer beschimpft, weil man eh nix macht

WLG
21.10.2010 20:18

Momentan kann eben nicht jeder studieren, der will. Genau deswegen braucht man Studienbeihilfe, Förderungen, etc. und ausreichend Studienplätze.

All das bedeutet aber eben nicht, dass jeder studieren soll. Es gibt trotzdem noch genug andere Berufswege. Für Leute, die sich nicht für ein Studium interessieren und für solche, die es nicht schaffen.

silverfinger
22.10.2010 00:59

denke eigentlich schon dass die matura bei einem nicht so herausforderndem studium wie bwl oder jus (eigene leidige Erfahrung) als anforderung reichen sollte, nicht?

was soll denn zB einer nach der gymnasium oberstufe machen ausser studieren??? Eisverkäufer im Schwimmbad? was soll es denn da für andere Berufswege geben ausser eine tertiäre Ausbildung - die eben leider leider in Österreich unterfinanziert ist!

WLG
22.10.2010 01:34

richtig, aber es gibt nicht nur AHS. Ich würde mir aber auch wünschen, dass mit dem AHS-Abschluss mehr anzufangen wäre.

Got Your Noes!
24.10.2010 17:10

und ich mir erst. nicht einmal für die stelle die ich als ferialpratikant bei der TA bekleidet habe wäre ich jetzt qualifiziert genug, nach dem abschluss(!!)

4simo
 
21.10.2010 12:51
warum nicht?

nur dann muss acuh wieder etwas anderes passieren: schaffung ausreichend lehrstellen.
die eifnachsten jobs bekommt man nur noch, wenn man matura + fh hat

wenn die matura wieder schwerer wird, udn asl grundbedingung fürs studium gilt, muss für jene, die einfach praktischer veranlagt sind ausreichend ausreichend gute ausbildungsplätze geschaffen werden, die auch denen einen guten job möglich macht.
und da sind die betriebe gefragt

pepitschek1
21.10.2010 10:54
eine katastrophe...

eine wirkliche katastrophe.

Koralmtunnel baun...
Bawag-prozess verhaun...

unis nicht einmal dahingehend finanzieren, wie es die Rektoren (nicht etwa die "chaoten", die student_innen) fordern...

2% des BIP JETZT!!!
Da reden wir nicht von zugangsbeschränkungen, oder studiengebühren, da reden wir erst von 2% des BIP. Dann können wir erst erfahren, ob zb und sg noch überhaupt vonnöten sind.

Grammelschmalzbrot
21.10.2010 09:07
Er fordert Zugangsregeln und dass die Rektoren mehr Transparenz „bei den Finanzströmen" schaffen.

Er sollte nichts fordern, was er bei der Parteienfinanzierung nicht selber vorlebt!

;-)

Queen of Sheba
 
21.10.2010 14:48
Schauen Sie einmal etwa im Personalverzeichnis der TU Wien, wie lange Sie blättern müssen, bis Sie auf Personal für den eigentlichen Zweck kommen : Forschung und Lehre.

Flann O'Brien
21.10.2010 08:53

Es gingen diesmal nicht nur Tausende Studenten auf die Straße, sondern auch Rektoren, Professoren und der Mittelbau, was als Schulterschluss schon bemerkenswert ist.
Im Übrigen sind die Unis seit Jahren damit beschäftigt, die diversesten "Reformen" zu implementieren, was unglaublich viel Zeit, Geld und Energie kostet, die anderswo, nämlich in Lehre und Forschung, wesentlich sinnvoller eingesetzt wären.

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