Ernährungsgewohnheiten im Kindesalter noch nicht ausgeprägt
Köln - Das Anschauen von Fernseh-Werbespots fördert laut US-Studien Übergewicht. Jedes Jahr sieht ein Kind rund 30.000 solcher Werbebotschaften, gut die Hälfte davon vermarkten Süßwaren, Limonaden und Knabberartikel. Besonders Kinder unter sechs Jahren sind diesbezüglich gefährdet. Bei ihnen sind die Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben noch nicht so stark ausgeprägt, weshalb sie beeinflussbar sind.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) beobachtet derzeit eine Tendenz, dass die Firmen und Hersteller immer jüngere Altersgruppen ansprechen. Dies scheint erfolgreich zu sein, denn die Verankerung bestimmter Marken und Produkte schon bei 2- bis 5-Jährigen kann Ess- und Trinkgewohnheiten langfristig prägen. Eine gesundheitsfördernde Ernährung wird damit nicht vermittelt. Aus diesem Grund setzt sich Berthold Koletzko, Leiter der Ernährungskommission der DGKJ, für eine Werbebeschränkung ein: "Medienerziehung allein reicht für einen kritischen Umgang mit Werbung nicht aus. Kinder entwickeln nur langsam und allmählich bis zu einem Alter von etwa elf Jahren die Reife, sich mit einer Werbebotschaft auseinanderzusetzen. Unter acht Jahren können sie den 'überredenden' Charakter von Werbung meist nicht erfassen, unter vier Jahren können sie kaum zwischen Programm und Reklame unterscheiden."
Der Verband fordert eine baldige Umsetzung des bereits seit 2008 im nationalen Aktionsplan "In Form" formulierten Zieles der deutschen Bundesregierung, auf Werbung, die sich an Kinder unter zwölf Jahren richtet, zu verzichten. In Schweden und Norwegen ist an Kinder unter zwölf Jahren gerichtete Werbung bereits generell untersagt. (sid)