Mutmaßlicher Erpresser tappte in Kreditkartenfalle

20. Oktober 2010, 17:24
58 Postings

27-Jähriger erpresste "Manner" und "Wojnar"

Innsbruck/Wien - Seit Mitte September hatte ein 27-Jähriger offenbar versucht, die bekannten Lebensmittelproduzenten Manner und Wojnar zu erpressen. Dazu soll der Mann Produkte der beiden Unternehmen "ungenießbar" gemacht haben. Gefahr für Konsumenten habe nie bestanden. Das teilte das Landeskriminalamt (LKA) Wien am Mittwoch mit. So sollen manipulierte Manner-Produkte in Lans und Volders aufgetaucht sein.

Schlechte Wojnar-Produkte seien in Innsbruck und Neustift entdeckt worden. Die Produkte seien aber "optisch als manipuliert erkennbar" gewesen. Auch "gerochen" habe man die Veränderung. Bereits tags zuvor, also am Dienstag, war der Verdächtige, ein Deutscher polnischer Abstammung, nach einer spektakulären Verfolgungsjagd in Tirol geschnappt worden. Die Tiroler Fahnder selbst bezeichneten die Großfahndung als eine "Riesengeschichte". Gegen Mittag wurde ein dunkler BMW mit deutschem Kennzeichen vor dem Roppener Tunnel aus dem Verkehr gezogen.

Internationale Server

"Über ein kompliziertes Verschlüsselungsprogramm soll der Erpresser bereits am 21. September Mails an die Firma Manner geschickt haben, erklärte Oberst Mimra vom Wiener LKA am Mittwoch. Um die Herkunft der Mails zu verschleiern, soll der Mann die Mails über einen Server in Mittelamerika verschickt haben. Darin behauptete der Mann, dass er Produkte manipuliert und in mehreren Geschäften in Tirol abgelegt habe.

Anfangs dürften die Erpresser-Mails Erfolg gehabt haben: So soll die Familie einen höheren Geldbetrag auf ein anonymes Konto überwiesen haben. Dies bestätigte das Wiener LKA allerdings nicht. Es sollen aber Kreditkarten für den Erpresser zur Verfügung gestellt worden sein. Mit diesen sind dem Vernehmen nach mehrere tausend Euro abgehoben worden. Über die Behebungen erstellte man laut Tiroler Ermittlern ein Bewegungsprofil mit möglichen Automaten, an denen der Verdächtige abheben könnte.

Das betraf sowohl Automaten in der Landeshauptstadt als auch in Tiroler Tälern. "Diese haben die Eigenschaft, dass sie gut zu überwachen sind", meinte Walter Pupp vom LKA Tirol. 30 Geldautomaten kamen in die engere Wahl - 90 Beamte legten sich am Dienstag auf die Lauer. In Zirl wurden sie fündig und identifizierten den 27-jährigen Deutschen als möglichen Verdächtigen.

Bei einer Kontrolle flüchtete er mit seinem Pkw, wurde aber im Zuge einer Alarmfahndung vor dem Roppener Tunnel geschnappt. Bei der Festnahme leistete er keinen Widerstand. Die Manner-Erpressung soll der Täter mit einer Forderung über 100.000 Euro verbunden haben, sagten die Ermittler. Später gab es auch Mails an Wojnar. Auch hier gab der Verdächtige an, die Lebensmittel unbrauchbar gemacht zu haben. Diesmal forderte er 75.000 Euro.

Dies seien aber ausgesprochen geringe Beträge, erklärten die Ermittler. So hatte etwa der in Deutschland berühmt gewordene Erpresser "Dagobert" 700.000 Euro gefordert. Er hatte ab Juni 1992 Deutschland mit mehreren Bombenanschlägen auf Filialen des Kaufhausriesen Karstadt in Atem gehalten. Er war 1994 geschnappt worden. (ver/DER STANDARD, Printausgabe, 21. Oktober 2010)

 

  • Ein 27-Jähriger hat offenbar seit Mitte September versucht, die bekannten Lebensmittelproduzenten "Manner" und "Wojnar" zu erpressen.
    foto: manner

    Ein 27-Jähriger hat offenbar seit Mitte September versucht, die bekannten Lebensmittelproduzenten "Manner" und "Wojnar" zu erpressen.

Share if you care.