Nachlese

Audimax der Hauptuni Wien eine Nacht lang besetzt

20. Oktober 2010, 07:53
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    foto: standard/cremer

    Volles Haus im Audimax. Das neue Studienjahr beginnt offenbar so wie das vergangene.

Studierende verbrachten die Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Audimax - Uni Wien erstattete Anzeige

Wien - Nach dem Sternmarsch von tausenden Studenten und Lehrenden der Wiener Uni hat sich am Dienstagabend eine Gruppe von Studenten im Audimax im Hauptgebäude der Universität Wien versammelt, um die #unibrennt-Bewegung zu reanimieren - ob daraus wieder eine länger andauernde Besetzung wird, war am Abend noch unklar. Zu derStandard.at sagte einer der Studierenden, die am frühen Abend das Audimax besetzt haben: "Wir wissen noch nicht wie das hier endet, aber es ist klar dass wir nicht einfach so abziehen werden, das wäre kontraproduktiv".

In einem Statement aus dem bereits eingerichteten Pressebüro der BesetzerInnen hieß es, man wolle auf die Forderungen der Besetzungen des letzten Jahres anschließen: "Weder die Forderung der Ausfinanzierung noch nach Demokratisierung der Universitäten wurde erfüllt. Die Hochschuldialogbereitschaft ist vorbei." Die Studieren wollen sich mit "dicken Decken und Thermoskannen" heute um 8:30 Uhr auf der Unirampe zu weiteren Aktionen treffen: "Die Unis wurden ausgebrannt und die Uni brennt wieder."

Uni Wien will erstattete Anzeige

Die Universität Wien zeigte sich in einer ersten Reaktion, die auf der Homepage veröffentlicht wurde, wenig begeistert von der Besetzung: "In den Abendstunden haben sich Personen widerrechtlich Zugang zum versperrten Audimax verschafft", heißt es. Eine entsprechende Anzeige sei bei den Sicherheitsbehörden bereits eingebracht worden. "Aktionen wie diese" würden den gemeinsam formulierten Zielen und den bevorstehenden Verhandlungen schaden. "Störungen, die den Lehrveranstaltungsbetrieb gefährden, schaden den Interessen der Studierenden. Es wird nicht möglich sein, Ersatzräume für Lehrveranstaltungen zu finanzieren."

"Alternative Vollversammlungen"

Am Dienstagabend hatten mehrere hundert Studenten "alternative Vollversammlungen" an der Uni Wien abgehalten. Zunächst wurde im Hörsaal 7 darüber debattiert, ob daraus eine Besetzung werden soll bzw. welcher Hörsaal sich eignen würde. Schließlich strömten immer mehr Studenten in Richtung Audimax. Es gab auch einen Livestream aus dem besetzten Hörsaal.

Zunächst war unklar, ob dort lediglich eine Party und Diskussionen stattfinden sollten oder ob es zu einer Besetzung kommen werde. Um 21.00 Uhr wurden aus Sicherheitsgründen alle Eingänge zum Hauptgebäude von Sicherheitskräften der Universität gesperrt. Vorerst wollten die "Audimaxisten" im mit einem "Welcome back"-Schriftzug verzierten Plenum beraten, wie weiter vorgegangen werden sollte.

Aufgebrochene Türen?

APA-Informationen nach hieß es zunächst, die Tür des Audimax wurde aufgebrochen, auf Facebook- und Twitter-Accounts der "unibrennt-Bewegung" wird diese Darstellung aber zurückgewiesen: "Es wurde nichts aufgebrochen", heißt es dort.

Die HochschülerInnenschaft (ÖH) und ein Sprecher der ehemaligen Hörsaalbesetzer von "#unibrennt" haben betont, dass die Türe des Audimax nicht aufgebrochen wurde. "Einer unbekannte Person, wahrscheinlich ein Mitarbeiter der Uni Wien, hat die mittlere Türe des Audimax aufgeschlossen", so die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS). Erst danach sei eine Türe zur Galerie von Protestierenden "ausgehängt" worden.

In Graz wird abgewartet

Seitens der Studierenden der Uni Graz waren keine neuerlichen Hörsaalbesetzungen geplant. Der ÖH-Vorsitzende Cengiz Kulac kündigte Dienstagnacht an, es werde am Mittwoch um 18.00 Uhr ein Plenum geben, für das man noch einen Hörsaal suche. Ob es zu Besetzungen an der Uni Graz kommt, könnte dort Thema werden: "Ich kann auch mit Besetzungen leben", so Kulac im Gespräch mit dem Standard, "aber man muss sich fragen, ob dieser Weg bei uns momentan der richtige ist. Wir haben in Graz das Rektorat voll auf unserer Seite, allein bei der Demo sind drei Vizerektoren vorne mitgegangen". Da gebe es an der Uni Wien ein anderes Klima zwischen Rektorat und Studierenden.

Im Herbst 2009 sprach man in Graz statt von Besetzung von der so genannten "Befreiung" des Hörsaal A (der in Kürze in Willi-Gaisch-Hörsaal nach dem im Dezember verstorbenen Widerstandskämpfer umbenannt wird). Doch diese sei in einer anderen Situation passiert, bermerkt Kulac: "Es ist auch darum gegangenen, dass wir einen Ort für öffentliche Protestveranstaltungen gebraucht haben, den könnten wir jetzt in Absprache mit dem Rektorat wahrscheinlich auch so haben." Abgesehen davon überlegt Kulac, ob eine Besetzung derzeit nicht sogar "ein zu braver Weg ist. Ich glaube, wir sollten uns jetzt nicht in die Hörsäle zurückziehen, sondern unseren Protest weiter massiv nach außen tragen". (rwh, cms, az, lis, derStandard.at, 20.10.2010)

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salzamt1
00
21.10.2010, 12:23
schon auffallend

die ganze Zeit lese ich von "Studierendendemos"- diesmal ist es eine gesamtuniversitäre Sache. Es haben ja unter Anderem auch die Rektoren dazu aufgerufen. Welches Bild soll mit dieser Verzerrung gezeichnet werden?

Cognos
03
20.10.2010, 15:25
Bildungseinrichtungen werden nunmal von Steuergeldern finanziert.

Bildung dient also öffentlichem Interesse.
Die österreichische Öffentlichkeit braucht letztendlich Ärzte, Ingenieure, Mediziner, Juristen, Sprachexperten,...
Darüber sollen sich alle Studenten bewusst werden. Keineswegs befürworte ich es, dass die Universität als Plattform für individuelle Befindlichkeiten egal welcher Bewegungen (Burschenschaften, LesBiTrans,...) herhalten soll. Das muss Privatvergnügen bleiben. Das scheint noch nicht von allen realisiert geworden zu sein. Vielleicht ist sie genau deshalb so teuer?

salzamt1
00
21.10.2010, 12:45
Diskurse sind nun mal Teil der Wissenschaft

schon mal was von "Queer Theory", Gender Studies oder feministischen Strömungen in allen Wissenschaftsdisziplinen gehört? Ebenso beschäftigen sich Sozialwissenschaften (hoffentlich) auch mit Burschenschaften- und der Frage, ob das nun Rechtsextreme sind! Zustimmen kann ich dir, wenn du forderst, die Unis sollen den Burschis keine Plattform bieten. Dasselbe soll meiner Meinung nach auch für den Cartellverband gelten. Ich erinnere mich mit Schaudern an die Veranstaltung über "Wirtschaftsethik" des CV an der Salzburger Geswi im vergangenen Semester. Wobei ich mich frage, was schauriger war- die Gestalten in Couleur oder das was da verzapft wurde...

Cognos
00
22.10.2010, 13:02

Genauso wie die Burschis dort nichts verloren haben, haben auch die FeministInnen, LesBiTrans, Linke nichts verloren. Egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht: Es zählen auf der Universität Resultate. Und das sind wissenschaftliche Publikationen, auf die referenziert werden kann. Punkt.

PS: Es MUSS natürlich die Freiheit geben, dass Burschis im privat finanzierten Vereinslokal, LesBiTrans in der privat finanzierten Rosa-Villa, FeministInnen egal wo sich versammeln dürfen und Redefreiheit für alle (!) besteht!

salzamt1
00
21.10.2010, 12:57
hab ich nicht gesagt

was ich kritisiert habe, was die Tatsache, daß Burschis Hörsäle für ihre Veranstaltungen zur Verfügung gestellt bekommen- oder die Hofburg für den WKR- Ball. Und ich bin der Meinung, dass Ähnliches für den CV gelten soll- und habe ein Beispiel gegeben. Was- selbstverständlich- möglich sein muss ist die wissenschaftliche Untersuchung solcher "Organisationen". Das sind zwei Paar Schuhe, nicht Äpfel mit Zwetschgen mischen!

Asparuch Edler von Leschnikoff
00
21.10.2010, 12:51

Ah ja. Was dir passt, ist also eh super, was Dir nicht passt, gehört verboten. Na genau.

salzamt1
10
21.10.2010, 13:53
hab ich gar nicht behauptet! (s. o.)

was ich kritisiert habe, was die Tatsache, daß Burschis Hörsäle für ihre Veranstaltungen zur Verfügung gestellt bekommen- oder die Hofburg für den WKR- Ball. Und ich bin der Meinung, dass Ähnliches für den CV gelten soll- und habe ein Beispiel gegeben. Was- selbstverständlich- möglich sein muss ist die wissenschaftliche Untersuchung solcher "Organisationen". Das sind zwei Paar Schuhe, nicht Äpfel mit Zwetschgen mischen!

miette
11
20.10.2010, 16:05
es ist also ein privatvergnügen

für mehr toleranz zu kämpfen (LesBiTrans), gegen Nazi-gedankengut oder auch zu hinterfragen, wie Wissenschaft überhaupt betrieben wird, mit welchen Ideologien?
Das sehe ich nicht so. Genau diese Debatten gehören auf eine Uni.
Und gegen Burschenschafter zu kämpfen lohnt auch, aber nicht weil ich finde, dass dies deren Privatvergnügen sein sollte.

Cognos
00
21.10.2010, 09:33

Genau das sehe ich völlig anders. Uni soll Fachwissen vermitteln. Vokabel, Grammatik, Algorithmen, Datenstrukturen,... Diese Vermittlung kostet Geld. Und dafür kommen Steuerzahler auch gerne auf! Diskurse darüber, ob Homosexualität natürlich/unnatürlich, die katholische Kirche gut/böse, Burschenschafter anständig/Nazis usw. usw. sind, ist meiner Meinung nach reines Privatvergnügen.

Dafür sollte man mit dem Geld aus eigener Tasche Räume anmieten, Server aufstellen, Treffen veranstalten. Und jeder Missbrauch öffentlicher Mittel dafür wird drakonisch bestraft :-).

miette
00
12.1.2011, 11:05
und was genau ist fachwissen?

wenn ich in wissenschaftsgeschichte lerne, dass wissenschaftliches wissen sehr viel mit zeitumständen zu tun hat, dann läuft das am ende genau darauf hinaus, sich eben mit all dem, was gerade passiert, auseinanderzusetzen und das faktenwissen (das ist ja auch ein schräges wort, denn was genau sind fakten, wo hören sie auf? wo sind es keine mehr) durch verschieden filter und vor hintergründen zu betrachten. dann merkt mensch, dass es keine neutrales wissen gibt. und dass es sehr wohl aufgabe ist, kritisch zu denken, in jegliche richtung. und auch, sich zu engagieren.

miette
00
12.1.2011, 11:50
p.s.:

und wissenschaftsgeschichte ist ein fach an der uni, nur zur anmerkung, gell.

Sepp Kultura
 
10
21.10.2010, 14:27

sie bringens auf den punkt!

überdies wäre ich dafür, eltern für die oberstufe ordentlich blechen zu lassen. denn mal ehrlich: wer braucht schon eine matura? wer es zu mehr bringen will, als zu einem hauptschulabschluss, soll gefälligst dafür zahlen. ist ja gar nicht einzusehen, dass WIR alle dafür aufkommen müssen.

prost!

</ironie>

Cognos
00
22.10.2010, 12:41

<ironie>
Sepp Kultura hat völlig Unrecht!
</ironie>

Im Ernst:
Solange die Kompetenzen der Schulen auf Bundesebene angesiedelt sind, wird niemand zahlen müssen. Ist übrigens ein völlig anderes Thema :-).

salzamt1
10
21.10.2010, 12:51
da hast du aber noch nie eine Uni von innen gesehen

Die Vermittlung von bloßem Fakten- und Fachwissen ist ganz sicher nicht Hauptaufgabe der Universitäten, eine Uni ist keine Schule mit Nürnberger Trichter! Dass es ohne das Faktische nicht geht, schon klar, allerdings ist die Aufgabe der Uni der wissenschaftliche Umgang damit, also etwa das Erkennen von Zusammenhängen, Strukturen etc sowie das kritische Hinterfragen der Ergebnisse. Wenn du, um bei deinem Beispiel zu bleiben, eine Fremdsprache studierst, wirst du deine Vokabel zuhause selber lernen dürfen. Auf der Uni diskutierst du kultur-, literatur- und sprachwissenschaftliche Fragen, einzig im Sprachkurs geht es ein wenig schulisch zu, aber Vokabeltraining wirst du dort auch keins bekommen.

Cognos
00
22.10.2010, 12:50
Wissenschaft und Forschung sollen einen Beitrag leisten.

Auf der Uni KANN man diese Fragen diskutieren. Dafür gibt es auch Proseminare bzw. Seminare mit klaren Lernzielen. Aber am Ende des Tages muss sich die AbsolventIn die Frage stellen, welchen Beitrag sie durch diese hohe Investition in ihre Ausbildung für die Gemeinschaft leistet. Sonst ist so ein Studium, wo sie "sprachwissenschaftliche" Fragen wälzt, reine Selbstbefriedigung (kann auch bereichernd sein), jedoch mit keinerlei Nutzen für die Gesellschaft verbunden. Da wäre es besser gewesen, sie hätte mindestens 3 Kinder bekommen :-)

Sepp Kultura
 
01
21.10.2010, 14:30

richtig. gestern erst wieder gehört. denn das bloße handwerk kann man auch zuhause lernen, dafür braucht man keine uni.

viele menschen haben leider (noch) sehr eindimensionale vorstellungen von wissenschaft und forschung.

Cognos
00
22.10.2010, 12:55

Und viele Menschen haben leider überhaupt keine Vorstellung darüber, was eine "Dimension" überhaupt ist (vor allem Geisteswissenschaftler tun sich damit schwer), zweitens betrachten sie Wissenschaft und Forschung als reinen Selbstzweck. Wissenschaft und Forschung soll dazu dienen, um Ressourcen zu erkennen und diese in Ergebnisse zu transformieren, sodass wir unsere Bedürfnisse nachhaltig befriedigen und unseren Wohlstand sichern können.

eibaffa
01
20.10.2010, 12:16
der Streit ums Budget

Jeder muss sich bewusst machen, dass wir uns früher oder später wieder die köpfe gegenseitig einschlagen werden. Der Grund: GELD

schrecklich...

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
02
20.10.2010, 11:17
FAIL. Besetzungen bringen nichts!

das haben wir letztes jahr schon gesehen.

es wäre wichtiger, wenn leute, die sich an etwas beteiligen wollen, dies über die öh funktionäre machen würden und nicht einzelaktionen starten.

besetzung = krieg.
ein krieg hat noch nie positive ergebnisse gebracht.

Sepp Kultura
 
10
21.10.2010, 14:33

was sie meinen, ist wohl besatzung ;) und nicht mal das wäre krieg.

Matrix_Engine
 
00
21.10.2010, 12:47
Über die ÖH-Funktionäre?

Die die immer nur Versprechen abgeben und sich dann doch nur mit der Karl auf Fotos ablichten lassen?
Also wenn die ÖH eh alles erledigen kännte, dann gäbe es auch keine Protest und solche Aktionen. Dann wäre alles in Ordnung und niemand hätte einen Ärgen der an die Luft muss. Schau dir mal das Video an http://www.youtube.com/watch?v=6JMLeml0QPY

es tut weh wenn amn es sieht, aber es gubt auch Mut das nicht alles verloren ist.

miette
10
20.10.2010, 16:06
besetzung ist nicht krieg

sondern widerstand.

Melone
01
20.10.2010, 13:50
die öh hat keine rechtliche grundlache aufgrund der sie auf das rektorat oder gar die regierung druck ausüben kann.

you fail

ilse schmidt
52
20.10.2010, 10:23

Interessante Entwicklung hier im Standard-Forum. rot is jetzt grün. Ok.

Pit Zabecker
01
20.10.2010, 12:01

Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt!

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