Josef Cap

"Rektoren müssen für Transparenz sorgen"

19. Oktober 2010, 17:32

SPÖ-Klubchef Josef Cap meint, man kann auch zu Hause studieren, wenn die Hörsäle zu voll sind - Den Rektoren legt er Sparen und mehr Transparenz ans Herz

Standard: Wenn Sie noch Student wären, hätten Sie jetzt an den Demos und Protesten teilgenommen?

Cap: Ich kann voll verstehen, dass es jetzt diese Kritik und diese Proteste gibt. Voll verstehen. Ich füge nur in Klammer hinzu: Es hat von 2000 bis 2006 fast eine Strategie des Aushungerns der Universitäten von der damaligen Regierung gegeben. Und in den ersten Jahren, als die Studiengebühren eingehoben worden sind, kamen die gar nicht den Universitäten zugute, sondern wurden zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet. Das soll man nie vergessen, das ist ganz wichtig, dass man sich das immer wieder in Erinnerung ruft.

Standard: Damals wurde auch demonstriert, wie dieser Tage.

Cap: Ja, ist in Ordnung. Sag ich ja. Ich kann das nachvollziehen. Und es ist auch richtig: Wer will, dass wir konkurrenzfähig sind, auf den internationalen Arbeitsmärkten, in der Forschung, der muss für ein effizientes, nachhaltiges und wirksames Bildungssystem sein. Da spielen die Universitäten eine wichtige Rolle.

Standard: Aber genau diese Universitäten gehen jetzt auf die Straße. Rektoren, Professoren und Studenten beklagen, dass es zu wenig Geld gibt und die Unis ausgehungert werden.

Cap: Die Unis werden nicht ausgehungert, die Signale aus der Regierung sind andere. Der Bildungsbereich hat einen ganz besonderen Stellenwert, der soll von Sparmaßnahmen eigentlich ausgeschlossen sein. Aber über gewisse Entwicklungen kann man durchaus reden. Das eine ist: Es wird immer über diese überfüllten Hörsäle gesprochen. An ausländischen Hochschulen, vor allem im angelsächsischen Raum, gibt es etwas, was es in Österreich so noch nicht gibt, nämlich E-Learning und Blended Learning. Da wird ein Mix aus Präsenz und E-Learning angeboten. Das ist doch eine Überlegung, oder? Man kann Einführungsvorlesungen auch über Livestream anbieten. Ich will nicht sagen dass das ein kompletter Ersatz ist, aber es ist eine Möglichkeit. Zweitens muss man dieses Studien-Checker-System ausbauen. Es muss mehr Information geben, und die rechtzeitig. Noch entscheiden sich ja 60 Prozent der Studienanfänger für nur zehn Prozent der Studienrichtungen. Wenn ich schon Studieneingangs- und Orientierungsphasen und diese vielfach kritisierten Zugangsbeschränkungen habe, dann sollen diese nicht dazu führen, dass die Leute vom Studium abgehalten werden, sondern dass sie das Richtige studieren. Es geht um die Treffsicherheit bei der Auswahl des Studiums.

Standard: Mit Zugangsbeschränkungen könnten Sie aber jedenfalls leben?

Cap: Nein, nein, Zugangsbeschränkungen sind für uns nach wie vor ein ganz kritisches Thema, weil wir für offene Universitäten sind. Wir meinen eher die Studienorientierung, die Eingangs- und Orientierungsphasen, das ist wichtig. Zugangsbeschränkungen sind nur eine zeitlich befristete Notlösung. Allein die Diskussion über Zugangsbeschränkungen hat dazu geführt, dass sich in bestimmten Studienrichtungen weniger Leute anmelden. Das zeigt, dass sich viele Studenten am Anfang nicht sicher sind, was sie eigentlich studieren wollen. Diese Unsicherheitsphase muss man mit noch mehr Informationsangeboten in den Griff bekommen.

Standard: Die entscheidende Frage im Augenblick ist aber eine andere. Sie lautet: Bekommen die Unis mehr Geld oder nicht?

Cap: Ja ja. Es gibt volles Verständnis bei uns, und am Ende des Tages wird der gesamte Bildungsbereich über finanzielle Zuwachsraten verfügen. Über das brauchen wir nicht zu diskutieren, sonst werden wir in ein paar Jahren nicht mehr konkurrenzfähig sein. Aber die Rektoren müssen auch etwas beitragen, sie müssen für mehr Transparenz sorgen: Was wird eigentlich mit dem Geld gemacht, wo gibt es Effizienzreserven, Doppelgleisigkeiten? Da können die Rektoren durchaus noch etwas einbringen.

Standard: Was wären denn Ihre Vorschläge?

Cap: Na, ich bin kein Rektor, das muss schon von den Rektoren ausgehen. Der freie Zugang zu den Universitäten muss aber jedenfalls weiterhin garantiert sein. Aber es gibt Organisations- und Kommunikationsverbesserungen, um der Engpässe Herr zu werden.

Standard: Und Studiengebühren nur über Ihre Leiche?

Cap: Das Wort Leiche würde ich nicht ins Treffen führen. Aber Studiengebühren sind Barrieren, und die wollen wir nicht. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2010)

JOSEF CAP (58) ist seit 2001 Klubobmann der SPÖ. Er studierte Politikwissenschaften und war selbst Studentenvertreter beim VSStÖ.

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der falkner
02
20.10.2010, 15:20
In ausländischen Parteien, ....

... vor allem im angelsächsischen Raum, gibt es etwas, was es in Österreich so noch nicht gibt, nämlich fachlich kompetente Politiker.

ich empfehle herrn cap eine google-suche:
e-learning site:ac.at
unter 57.000 matches wird auch er etwas finden.

j.ohn
01
20.10.2010, 13:04

Ein zynischer, saturierter Politik-Schauspieler - aber ein perfektes Symbol für die vollkommene inhaltliche Leere der sogenannten Sozialdemokratie.
Dem ist die Bildungspolitik doch gleich sch....egal wie alles andere was nicht unmittelbar der Machterhaltung dient.

der Soudis
01
20.10.2010, 10:49

Was bekommt der Cap dafür dass er der ÖVP nach dem Mund redet? Wenn die SP sich wirklich dafür einsetzen würde was für die Unis zu tun dann würden sie nicht so herumeiern, da hat im Hintergrund wahrscheinlich schon wieder ein grauslicher Kuhhandel stattgefunden.
Ein paar mehr neue Mittelschulen, dafür werden die Unis privatisiert.

Linus
01
19.10.2010, 22:39
Bitte fragt Personen, die etwas von Universitätsentwicklung verstehen und keinen Altsozi der die letzten 30 Jahre gerade einmal an der Uni Wien vorbeikommt, wenn er sich ins Parlament bewegt.

Das Hauptproblem dieser Diskussion ist das komplette ignorieren der Zeichen der Zeit. Ich würde den Herrn Parlamentariern einmal eine Exkursion nach Asien anraten, um einen Einblick in die dortigen Anstrengungen im wissenschaftlichen Sektor zu bekommen. Wenn die reichen Europäischen Staaten zu denen Österreich ganz sicher zählt nicht massiv gegensteuern und ihr F&E Budget zumindest verfünffachen, werden in wenigen Jahren den abgewanderten Industriewerkbänken die Laborbänke folgen und dann bleibt uns in Österreich nur noch das Berufsfeld der Alpenprostitution übrig. Nur aber auch nur wenn man letzteres anstrebt reicht auch der e-learning Kurs und den kann man dann auch getrost beim Humbolt ablegen.

col.moriol
 
01
20.10.2010, 12:35
vor dreissig jahren war der mit dem studium noch ned fertig...

nachzulesen auf seiner biographieseite im parlament.
wenn der haberer studiengebühren bezahlen hätte müssen so wie unsere generation es muss (dank so gestalten wie cap) hätt ers ned fertigdermacht, oder, falls doch, einen privatkonkurs angebaut.

xruxl
02
19.10.2010, 20:39

Also bitte, zumindest an der TU sind Folien fast aller Vorlesungen eh schon im Internet verfügbar. Solch ein E-Learning wie an der WU, wo man für manche Prüfungen nur ein paar Mal die Kreuzerlfragen im Internet durchklicken muss, ist meiner Meinung nach auch nicht einer Uni entsprechend. Und es gibt genug Studenten, die ohnehin nicht in die Vorlesungen gehen und zuhause lernen. Aber E-Learning kann keine praktischen Übungen ersetzen und die sind nun mal personalintensiv und dafür braucht man mehr Geld. Aber stimmt, die SPÖ braucht das Geld um ihre Hauptwählergruppe = Pensionisten zufrieden zu stellen.

dsgf dfgdfgh
00
20.10.2010, 00:01
ich glaub sie waren noch

nie an der WU.

Galgenvogel
02
19.10.2010, 19:45

"Cap: Die Unis werden nicht ausgehungert, die Signale aus der Regierung sind andere. Der Bildungsbereich hat einen ganz besonderen Stellenwert, der soll von Sparmaßnahmen eigentlich ausgeschlossen sein. "

ist der Typ ein Analphabet oder liest er einfach keine Zeitung? Leider is diese Lügnerei nicht strafbar...

vertex
03
19.10.2010, 19:41
Vesager Cap

´´Ja ja´´ in der Politik heisst NEIN NEIN in der Realitaet. Ich sehe auch ein enormes Sparpotenzial im Parlament...

Kretho
01
19.10.2010, 21:52

"ja ja" bedeutet normalerweise : "leck mich"

da merkt man wie sehr ihm die unis am herzen liegen

an kog
05
19.10.2010, 19:31

Zynismus pur, wollte ich zuerst schreiben.

Aber dann ist mir aufgefallen, dass der Vorschlag ausbaubar unt total Super ist.

Die Abgeordneten zum Nationalrat können auch zuhause arbeiten. Das Abstimmungsergebnis steht eh im Vorhinein fest (ist eh nur ein Gesetze durchwink Verein und sonst gar nichts - auch wenn gerade der Herr Cap immer das Gegenteil behauptet).

DIE brauchen tatsächlich schon jetzt und ganz ohne E-Abstimmung kein Haus mehr!

hcl
02
19.10.2010, 19:38

Ja ich glaube auch, daß Josef Cap Das Studieren mit seiner Arbeit verwechselt hat.

franklin delano romanowski
02
19.10.2010, 19:31
[]

geschafft! den bildungsexperten mit humboldt. wir gratulieren zum aufstieg, herr cap. mit gehaltserhöhung!

-_-
01
19.10.2010, 19:22
der Capl ist auch sowas

von Rücktrittsreif

De schdadisdig is a hund
09
19.10.2010, 19:23
Der fleischgewordene Sündenfall der Sozialdemokratie

pepitschek1
00
19.10.2010, 23:53
eine typische

sp-systemprostitution, die da betrieben wird.

seelen- und idealverkauf.

Hauptsache dagegen
00
19.10.2010, 19:05

Das E-Learning an der Haupt-Uni ist ein Witz.

De schdadisdig is a hund
10
19.10.2010, 19:25
Es muss leider wieder einmal sein :

Es gibt keine Hauptuni, nur das hauptgebäude der Universität Wien

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
02
19.10.2010, 18:50

Brilliant! Wir brauchen statt der ganzen Unis nur ein AIOELABL (Austrian Institute of E-Learning and Blended Learning; gesprochen: Eije-Laberl) - Problem gelöst, Nobelpreis für Cap.

De schdadisdig is a hund
01
19.10.2010, 18:39
Sprachs, und fiel im selben Moment um

Threonin
01
19.10.2010, 18:36

Ohne mehr Geld wird es bald kein adäquates Equipmetn auf den Unis mehr geben. Und wenn es solches gibt, dann sicherlich nicht, weil die Bildung und die Forschung einen so hohen Stellenwert in der Regierung haben, sondern weil die Professoren genug Drittmittel aufstellen, die für die Lehre verwendet werden obwohl sie dafür eigentlich nicht vorgesehen sind.

Cayenne69
01
19.10.2010, 18:33

Den Cap sollte man auf den Mond schießen. Wie kann es bitte sein, dass in einem Industrieland es nicht möglich ist so ein "Problem" zu lösen ?

Dieses Land wird von schwachsinnigen regiert...

Josef Bayrhammer
01
19.10.2010, 20:18
Selber schuld

Ein Land hat immer die Abgeordneten und die Regierung, die es verdient.
Wenn die Mehrheit unfähige reformunwillige Parteien wählt, dürfen wir uns nachher nicht ärgern.
Und wenn wir jene wählen, die uns ständig vermitteln, dass sich der Staat um alles kümmert und wir selbst keine Eigenverantwortung haben bzw. keine Eigeninitiative benötigen, lassen wir uns von diesem Schönreden benebeln.
Beispiele gefällig:
- Hacklerregelung (unfair und das Pensionssystem gefährdend)
- Verfassungsgesetz zum Beibehalten ungleichen Pensionsalter Männer und Frauen entgegen Vorgaben der EU
- Bevorzugung der ÖBB gegenüber Privatbahnen
- Agrarzuschüsse ohne Progressionsstufen
- Ständige Blockade im Schulsystem
- fehlendes Integrationskonzept
In Summe: Inkompetent

Cayenne69
00
20.10.2010, 00:26

Kann Ihnen leider nur zustimmen

W. Müller
 
01
19.10.2010, 20:31
".. hat immer die Abgeordneten .."

Geh! Wen wollns' denn wählen?

Wir haben keine AUSWAHL. Die Farbe der Marionetten spielt eine untergeordnete Rolle.

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