Bandion-Ortner

"Fehler können passieren"

19. Oktober 2010, 13:57

Frühere Bawag Richterin und Justizministerin: "Jeder Richter will, dass seine Urteile halten"

Wien - In einer ersten Reaktion auf die kritische Stellungnahme der Generalprokuratur zu den erstinstanzlichen Bawag-Urteilen hat sich Justizministerin Claudia Bandion-Ortner ungerührt gezeigt. "Ich sehe dem gelassen entgegen, der OGH muss das entscheiden", sagte die damalige Vorsitzende des Schöffensenats im Mittagsjournal des ORF-Radio. Bei einem derart großen Verfahren könne man nicht erwarten, dass alle Teile des Urteils halten, meinte die Ministerin. "Wenn Teile aufgehoben werden, dann ist es eben so".

"Jeder Richter will, dass seine Urteile halten", gestand sie ein. Immerhin seien auch "sehr wichtige Teile" des Urteils von der Generalprokuratur nicht beanstandet worden, verteidigte sie die Urteile. "Man kann nicht erwarten, dass in so einem riesigen Verfahren keine Fehler passieren", so die Ministerin. "Wichtig ist, dass in wesentlichen Teilen das Urteil hält".

Bandion-Ortne hält es allerdings für möglich, "dass das Bawag-Urteil in Teilen aufgehoben wird"."Es liegt in der Natur der Sache, dass es in einem Großverfahren verschiedene Rechtsansichten gibt", bemerkte Bandion-Ortner. Die Generalprokuratur habe jedenfalls "wesentliche Teile des Urteils bestätigt, vor allem was die Hauptangeklagten Elsner, Zwettler und Nakowitz betrifft". Die Ministerin betonte, dass die Stellungnahme der Prokuratur keine Bindungswirkung hat und der Oberste Gerichtshof (OGH) "grundsätzlich unabhängig" über die Rechtsmittel entscheide. Selbst wenn die Höchstrichter der Generalprokuratur folgen sollten, wäre das für die Ministerin "kein Justizskandal".

Pröll steht hinter Bandion-Ortner

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) erklärten nach dem Ministerrat, dass die neue Entwicklung im Bawag-Prozess kein Thema in der Regierungssitzung gewesen sei. Angesprochen darauf, dass Bandion-Ortner Richterin des nun zu platzen drohenden Prozesses gewesen war, sagte Pröll, er sehe keinen Grund, die Ressortchefin in Frage zu stellen.

Nichtigkeitsbeschwerden von Elsner

Laut der Stellungnahme der Generalprokuratur kommt den Nichtigkeitsbeschwerden von Helmut Elsner, Johann Zwettler und Peter Nakowitz "teilweise Berechtigung" zu. Daher wird die Aufhebung des Strafausspruchs empfohlen. Der Prozess müsste zumindest in großen Teilen wiederholt werden. Besonders mangelhaft sind nach Ansicht der Generalprokuratur die von der ersten Instanz getroffenen Feststellungen in Bezug auf den Investmentbanker Wolfgang Flöttl, die Ex-Bawag Vorstände Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker, Christian Büttner, den Ex-Bawag-Aufsichtsratspräsidenten Günter Weninger und den Wirtschaftsprüfer Robert Reiter. Deren Urteile wären nach Ansicht der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung aufzuheben, gegen die Betroffenen müsste zur Gänze neu verhandelt werden. Der OGH ist an die Rechtsansicht der Prokuratur nicht gebunden. Meistens wird jedoch der Empfehlung gefolgt, so Rechtsexperten.

Das Bawag-Urteil im bisher größten Wirtschaftsprozess der Nachkriegsgeschichte war am 117. Verhandlungstag von einem vierköpfigen Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Claudia Bandion-Ortner gefällt worden. Das Urteil war am 4. Juli 2008 ausgesprochen und am 31. Dezember 2008 von Bandion-Ortner ausgefertigt und unterzeichnet worden. Am 15. Jänner 2009 wurde Bandion-Ortner als Justizministerin der Bundesregierung angelobt. Der damalige Bawag-Staatsanwalt Georg Krakow wurde zu ihrem Kabinettschef.

Elsner sitzt seit seiner Überstellung von Frankreich nach Österreich am 13. Februar 2007 in U-Haft. Seine Mitangeklagten befinden sich alle auf freiem Fuß. Alle Urteile sind nicht rechtskräftig, es gilt die Unschuldsvermutung. (APA)

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knievel
00
23.12.2010, 13:49

"Man kann nicht erwarten, dass in so einem riesigen Verfahren keine Fehler passieren."

von ihr offenbar nicht.
die frau ist ja derzeit wohl das allerletzte das die innenpolitik zu bieten hat...

Gusti Rentner
 
00
20.10.2010, 18:08
Difficile est scribere sine defectu...

Es ist schwierig, ohne Fehler zu schreiben, speziell ein Urteil, wenn die Zeit insbesondere deshalb drängt, weil die Ernennung zur Junstizministerin schon ins Haus steht, während "frau" (und diverse "Helferlein ?"), noch daran kiefelt/n, die Beantwortung der Frage: "Wo ist das Geld?" genial zu vermeiden...

3210
01
20.10.2010, 17:29
"Entschuldigung," ...

... sagte Dr. Bandion-Ortner, "Fehler können passieren" und amputierte dem Patienten das andere Bein.

Wenig später kamen KHG (Kein Hat je was Gewusst) und und der Krankenhausdirektor Schüssel in den OP.

KHG:"He, kann ich das eine Bein verkaufen, Herr Direktor? Ich garantiere Ihnen ein Null-Budget, wenn ich die Augen von gestern auch noch haben kann!?"

Schüssel:"Aber nur wenn Du ganz sauber bleibst dabei, lieber Karl Heinz. Und, Du, Frau Doktor zieh Dich um, Du machst jetzt die Gesundheitsministerin. So merkt noch wer was. - Und mach den Saustall weg bevor Du gehst."

Hansi Huber
00
20.10.2010, 11:25
Nachfolger

KHG als Justizminister.

Hagra
02
20.10.2010, 11:21
Irren ist menschlich,

doch wer den Radiergummi vor dem Bleistift verbraucht, übertreibt!

Azamat Bogatov
10
20.10.2010, 11:09
Liebe Suderanten,

Ich möchte gerne wissen, wieviele euch damals applaudiert haben, als Elsner verurteilt worden ist.

Er hat nunmal die Bilanz gefälscht, daran ändern auch Verfahrensfehler nichts. Und sich daraufhin auch noch einen Millionenbonus ausgezahlt.

Woimmer sich eine Gelegenheit auftut sich über die Schreckensherrschaft in Österreich zu echauffieren, seid Ihr zur Stelle.

Eure Tagesmeinung scheint sich nach der Schlagzeile der U-Bahnzeitung zu richten.

der tueftler
00
20.10.2010, 13:55
leider haben sie wohl recht

elsner ist rechtskräftig verurteilt (nylonsackerl). seine haft ist daher zu einem großen teil keine untersuchungshaft sondern strafhaft wegen dieses urteils. das sagt fr. elsner natürlich nicht. überhaupt wäre fatal, wenn in zukunft gerichte nach der meinung des volkes urteilen (taxifahrer), da könnten noch viel schlimmere fehlurteile herauskommen.
die hiesige meinung über das (offenbar nicht so ganz perfekte) urteil entspringt einer unzufriedenheit mit fr. bandion in ihrer rolle als ministerin. das finde ich ok, nur soll man das auch so sagen. das urteil mag "handwerklich" ungenau sein, unschuldig ist hr. elsner deswegen ganz sicher nicht. dass obergerichte korrigierend eingreifen ist gut und wichtig! skandale sehe ich anderswo.

joseba beloki
00
20.10.2010, 11:08

wozu die aufregung? sind doch eh bedeutende teile des urteils nicht falsch!
so nach dem motto: "gut, der patient ist tot, aber die paar fehler am herzen können schon passieren und den brustkorb haben wir danach korrekt zugenäht."

ImmerSachlich
00
20.10.2010, 11:08
"Fehler können passieren"

Wenn man ihr vor Prozessbeginn oder kurz vor dem Urteil oder vielleicht sogar vor einer Woche die Frage gestellt hätte, ob in so einem großen Prozess auch Fehler passieren können, was hätte sie wohl geantwortet?

nevermindme
00
20.10.2010, 10:59
wo menschen arbeiten ..

da passieren nunmal auch fehler .. offensichtlich nur nicht denen, die hier posten! muss schön sein ..

dass fehler konsequenzen haben (müssen) ist eine andere sache

Hoerbis
00
20.10.2010, 10:59
Schon vor Tagen im schonungslosesten Blog angekündigt!

http://ungefragt.com/?p=218
Lange Zeit war in diesem Blog "tote Hose" aber jetzt schreibt er (oder sie?) wieder. Und das ist gut so!

In dem Artikel wirft der Autor schon kurz nach dem bekannt werden von B-O's Wunsch ihren Herrn Krakow in der Generalprokuratur unterzubringen die Frage auf ob sich diese das so ohne weiters gefallen lassen wird.
Bin schon gespannt auf die Reaktion von "ungefragt" auf diese neue Wendung!

liberte
00
20.10.2010, 10:57
Fehlurteile zu erkennen ist ein Glück

für den Rechtsstaat - nicht so bei der werten Frau Justizminister - sie nimmt es als Kritik an Ihrer Person ?
Das ist schon sehr problematisch , nicht die Verurteilten wurden geprellt , nein , sie meint doch tatsächlich Ihr Image könnte leiden .....

jimmydean
00
20.10.2010, 10:45
das finde ich aber sehr beruhigend

dass auch an unseren gerichten fehler passieren können... kann man dann auch davon ausgehen, dass so hin und wieder auch mal ein korrektes urteil gefällt wird ?

Jakob der Schwitzer
00
20.10.2010, 10:44
diese Meldung ist bezeichnend

für die Misstände in der Justiz bei uns

wenn jeder Richter über Leben, Freiheit, Zukunft so entscheidet würde mich nicht wundern wenn 80 Prozent Fehlurteile sind

Christian Werner1
 
03
20.10.2010, 10:26
Zum Kotzen – Was sind das bloß für Menschen?

Da rechtfertigt sich die Justizministerin, die dieses Amt – was für ein Wahnsinn! – wegen ihres Urteils erhalten hat, dass die groben Mängel in ihrer Arbeit sozusagen immanent sein müssen, da es sich ja um „ein riesiges Verfahren“ handle. In Zukunft werden etwa auch große Bauten einfach einstürzen oder Menschen nach dem Verzehr von Speisen aus den Fabriken von Nahrungsmittelmultis vergiftet werden können. Einfach so, „weil man bei so riesigen Projekten nicht annehmen darf, dass keine Fehler passieren“.
Der Rechtsstaat verkommt zum Kollateralschaden der Politik. Diese Frau ist eine Zumutung für den Wähler, genauso wie jene, die sie ins Amt gehievt haben.

Plabutsch
02
20.10.2010, 10:24
"Fehler können passieren"

Es ist sagenhaft, wie großzügig die ÖVP eigene Fehler sieht. Da kann auch schon gern einmal ein kleines unbedeutendes Verfassungsgesetzerl bewusst missachtet werden.

Aber wehe, ein Asylant oder Migrant macht einen kleinen Fehler und versäumt mangels Information zB. eine Frist um nur einen Tag. Dann muss beinhart "Recht Recht bleiben" und ratzfatz wird - manchmal existenzvernichtend - geamtshandelt und abgeschoben.

ta tü
00
20.10.2010, 10:42

klar, auch wahlkartenbetrug ist ja etwas, wofür die övp-kollegen vertrauen aussprechen. auch ohne schüssel widerlich.

minimal setup
00
20.10.2010, 10:14
Natürlich können Fehler passieren...

nur jeder andere Mensch muss dann halt eventuell auch die Konsequenzen tragen, die daraus entstehen. Wie sieht das mit den "Konsequenzen" bei Ihnen aus, Frau Justizminister???

Raimund1973
 
00
20.10.2010, 10:11
"Man kann nicht erwarten, dass in so einem riesigen Verfahren keine Fehler passieren"

Richtig, selbst in kleineren Verfahren passieren Fehler....zB.im Familienrecht wo Diskriminierung, Unrecht und parteiisches Fehlverhalten jedoch nicht als Fehler erkannt werden. www.vaterverbot.at

ta tü
00
20.10.2010, 10:02

also wenn ich bandion ortner wäre... ich würde mich ob all dieser negativen reaktionen dermaßen schämen... da gehört schon eine härte dazu, so unberührt im amt zu bleiben.

Walter Kaiser
00
20.10.2010, 10:39
Unberührt? :-))

Oder doch eher ungerührt?

ta tü
00
20.10.2010, 10:43

:-)) nach dem motto "das berührt mich nicht"...

Prostetnik Vogon Jeltz
02
20.10.2010, 09:54
"Fehler können passieren"

...und die passieren auch.

- bei der Wahl eines Koalitiospartners...

- bei der Besetzuung von Ministerposten...

- beim Umgang mit Menschen in unserem Land...

- bei der Budgeterstellung...

- bei der Verteilung des Vermögens in unserer Gesellschaft...

"Aber MACHT JA NIX, die Depperten wählen uns ja immer wieder und wieder und wieder, hahaha..."

Verzweifelnd
01
20.10.2010, 09:52

"Fehler können passieren"

Eh, nur werden sie normalerweise nicht Minister.

Steinbock1959
00
20.10.2010, 09:45

Der passieren doch nur mehr lauter "Fehler".

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