Ein Hauch Audimaxismus

19. Oktober 2010, 15:41
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Je 1.000 Teilnehmer an TU Wien und Med Uni Wien - Die Vollversammlung der Uni Wien musste teilweise per Videoübertragung verfolgt werden

Wien - Die Vollversammlung an der Uni Wien spiegelte vor allem die Studiensituation an der Universität wider: Die TeilnehmerInnen sitzen auf den Treppen oder müssen stehen. Der Hörsaal 10 im Juridicum war zum Bersten voll. Mehrere 1.000 StudentInnen haben im und vor dem Juridicum an der Vollversammlung teilgenommen,

In seinem Impulsreferat schlug Karl Aiginger vom Wirtschaftforschungsinstitut mehr „Zukunfsinvesitionen" vor. Er forderte, die „Investionen der Vergangenheit" wie beispielsweise das Militär, zu senken, um mehr Geld für Bildungsinstutionen und Forschung ausgeben zu können.

Transparente und Luftballone

Kurzfristig war dem Hörsaal noch ein Touch der Audimax-Besetzung vom vergangenen Herbst verliehen worden: Auf Transparenten an den Wänden standen Sprüche wie „Freie Bildung für eine mündige Gesellelschaft" oder „Wenn ich groß bin werde ich Humankapital".

Nach dem Impulreferat von Aiginger machten die Betriebsräte und der Universtätsrat ein weiteres mal auf die prekäre Situation aufmerksam. Rektor Georg Winckler lud den Bundeskanzler, seinen Vize und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, in einen Hörsaal zu kommen und sich anzuschauen, dass „die Unis aus den Nähten platzen".

"Wir alle sind Uni"

Bei der anschließenden Diskussion meldeten sich vor allem Studierende der Protestbewegung vom Herbst. Kritisiert wurde vor allem das Rektorat, dass sich damals nicht daran beteiligt hatte. "Kommen Sie zumindest mit auf die heutige Demonstration", forderte eine Studentin den Rektor auf. Ein Vertreter der Chemie-Fakultät, äußerte die Hoffnung, dass der gemeinsame Protest in diesem Herbst erfolgreich sein würde. "Wir alle sind Uni", sagte er.

"TU-Wien in ein Hotel umbauen"

Ganze Uni-Gebäude zusperren und das Hauptgebäude der Technischen Universität (TU) Wien in ein Hotel umbauen - das sind laut Rektor Peter Skalicky Szenarien aufgrund der budgetären Probleme der Unis. Skalicky präsentierte seine Vision bei der Vollversammlung der TU Wien, zu der Studenten sowie Vertreter von Professoren, Mittelbau, Betriebsrat, Universitätsrat und Senat - insgesamt über 1.000 Personen - in seltener Eintracht ins Audimax gekommen waren.

Skalicky erklärte, dass die angekündigte Budgetdeckelung für die Unis ab 2013 vor allem Einrichtungen wie Technische Universitäten mit einem hohen Bedarf an teurer Infrastruktur treffe. Ohne laufende Investitionen in diese Infrastruktur verliere man aber mittelfristig unweigerlich den Anschluss auf internationaler Ebene. "Uns laufen die Kosten davon", so der Rektor. Der TU-Rektor rechnete vor, dass sich bei gedeckeltem Budget an seiner Uni innerhalb von wenigen Jahren ein solches Defizit in der Höhe von 30 Millionen Euro auftun werde.

1.000 Teilnehmer auch in Med Uni

Auch an der Medizin-Uni Wien (MUW) nahmen am Vormittag mehr als 1.000 Studenten und Uni-Lehrer an der Versammlung teil. Als Verstärkung war der Chef des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), Josef Penninger, anwesend, der für eine nachhaltige Förderung der medizinischen universitären Forschung durch Politik und Wirtschaft plädierte.

Im Anschluss an die Veranstaltungen an den einzelnen Unis sind die Protestierenden aufgerufen, an einem Sternmarsch zum Ballhausplatz teilzunehmen. Dort fand um 18.00 Uhr eine Abschlusskundgebung statt (derStandard.at-Reportage von der Demonstration).

In Innsbruck nahmen nach ersten Schätzungen der Polizei nahmen an den Protestaktionen rund 1.300 Personen teil. Medizin-Uni Rektor Herbert Lochs warnte vor den geplanten Einschnitten: "Wenn diese kommen, müssen 2013 mindestens 100 Mitarbeiter entlassen werden". Die teilweise stilecht mit weißen Arztkitteln bekleideten Teilnehmer forderten mehr Geld für Bildung und Wissenschaft. Auf Transparenten war unter anderem "Bildung - Investition mit der höchsten Rendite", "Keine Spitzenmedizin ohne Unis", und "Politwende statt Uni-Ende" zu lesen.

Karl versteht "Ängste der Rektoren"

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) versteht in einer Reaktion die "Ängste der Rektoren", sagte sie am Dienstag in Bezug auf den Protesttag an den Universitäten. "Sie machen sich Sorgen, wie es ab dem Jahr 2013 weitergeht", so Karl.

Ab 2013 bräuchten die Unis allein für die Sicherung des fortlaufenden Betriebs 250 Mio. Euro, betonte Karl. Diese müssten sich sowohl aus öffentlichen als auch privaten Mitteln wie Studiengebühren oder Drittmitteln aus der Wirtschaft zusammensetzen.

Zusagen über wachsende Mittel könne sie den Rektoren derzeit keine machen, so Karl. Sie werde für zusätzliche Mittel für die Unis kämpfen. (lis, derStandard.at, 19.10.2010/APA)

  • Zahlreiche Studenten verfolgen von außen per Videoübertragung die Vollversammlung mit.
    foto: der standard/cremer

    Zahlreiche Studenten verfolgen von außen per Videoübertragung die Vollversammlung mit.

  • Alle Plätze im Hörsaal sind besetzt.
    foto: der standard/cremer

    Alle Plätze im Hörsaal sind besetzt.

  • Die Vollversammlung der Uni Wien fand am Juridicum statt.

    Die Vollversammlung der Uni Wien fand am Juridicum statt.

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    "Spart nicht an den Ärztinnen und Ärzten von morgen", warnen Studenten bei der Vollversammlung der MedUni Wien.

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    Der erste Protestzug des heutigen Tages fand in Innsbruck statt.

  • An der Vollversammlung an der TU Wien nahmen Studierende, Rektoren, sowie wissenschaftliche Mitarbeiter teil.
    foto: standard/cremer

    An der Vollversammlung an der TU Wien nahmen Studierende, Rektoren, sowie wissenschaftliche Mitarbeiter teil.

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