"Für Jugendliche besonders grausam"

18. Oktober 2010, 18:49
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Auf die zum Teil verzweifelte Lage unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge weist NGO-Experte Heinz Fronek hin - Immer wieder kämen Jugendliche allein in Schubhaft

STANDARD: Ministerin Fekter hat angekündigt, Abschiebefälle mit Familienbezug nochmals zu überprüfen. Wird das die Lage von Kindern in Asyl- und Fremdenrechtsverfahren entscheidend verbessern?

Fronek: Es ist ein wichtiger Schritt - aber es reicht auf keinen Fall, weil es nur einen Teil der betroffenen Kinder angeht.

STANDARD: Wo herrscht sonst noch Änderungbedarf?

Fronek: Etwa bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Deren Asylgründe müssen ernster genommen werden. Derzeit wird Minderjährigen im Vergleich zu Erwachsenen signifikant seltener Asyl gewährt.

STANDARD: Heißt das, dass Minderjährige ohne Familie auch ganz allein aus Österreich abgeschoben werden - und dass sie davor in Schubhaft sitzen?

Fronek: Ja, laut Innenministeriumsstatistik kommen jährlich um die 180 unter 18-Jährige in Schubhaft. Real sind es aber weit mehr, denn viele dieser Inhaftierungen sind kürzer als zwei Tage - und Festnahmen bis zu 48 Stunden gelten nicht als Schubhaft.

STANDARD: Fekter meint, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge würden besonders schonend behandelt. Stimmt das?

Fronek: Es gibt eigene WGs und eigene Betreuung. Skandalös jedoch ist, dass die Jugendlichen im Fremdenrechtsverfahren, also etwa wenn es um ihre Abschiebung geht, schon ab 16 als erwachsen gelten. Das widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention.

STANDARD: Was wäre die allerwichtigste Veränderung?

Fronek:: Das De-facto-Arbeitsverbot müsste beseitigt werden. Absolviert ein Jugendlicher während des Asylverfahrens die Schule, so kann er oder sie mit keiner Lehre anfangen, denn diese gilt als Job. So hängen sie oft jahrelang ziellos herum, das ist für Jugendliche besonders grausam. (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 19.10.2010)

  • HEINZ FRONEK (45) ist Psychologe und bei der NGO "Asylkoordination" für die Belange unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zuständig.
    foto: asylkoordination

    HEINZ FRONEK (45) ist Psychologe und bei der NGO "Asylkoordination" für die Belange unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zuständig.

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