Kärntner Klubs dominieren die Liga

18. Oktober 2010, 13:15
26 Postings

Zwei Klubs aus dem Land der vom Himmel gefallenen Sonne, in dem der aktuellen Eishockeytabelle manchmal mehr Relevanz zugebilligt wird als so manchem Teil der Bundesverfassung, führen auch nach zwölf Runden die EBEL an

Klagenfurt und Villach marschieren an der Tabellenspitze der EBEL im Gleichschritt: An den beiden vergangenen Wochenenden haben die beiden Kärntner Klubs das Maximum von 16 Punkten geholt. Nun blickt das ganze Bundesland schon gespannt auf den 29.Oktober, den Tag des nächsten Derbys.

Klagenfurter Konstanz

Zwölf Runden sind im Grunddurchgang der EBEL bisher gespielt, seit sechs Spieltagen führt der Rekordmeister aus Klagenfurt die Liga an. Ohne wirklich zu glänzen holte der KAC auch an diesem Wochenende zwei Siege und verbesserte damit seine eindrucksvolle Bilanz weiter: Erst einmal, am 19.September in Linz, konnten die Rotjacken in der regulären Spielzeit bezwungen werden.

Hauptgrund für das bisher überzeugende Outcome in Rot-Weiß ist neben der von Präsident Nedwed georteten Eingespieltheit sicherlich die Ausgeglichenheit in der Zusammensetzung der Angriffsformationen. Selbst der nominell vierte Block mit Herburger und den Geier-Zwillingen liefert starke Leistungen ab: Obwohl ihnen erst fünf Scorerpunkte gelangen, stehen alle drei Spieler mit einer positiven Plus/Minus-Bilanz da, erfüllen also die an eine vierte Linie gestellten Anforderungen zur Gänze.

Die gelungene Verteilung der Last auf viele Schultern dokumentiert auch die Scorerliste der EBEL, in der mit dem ältesten Spieler der Liga, Mike Craig, erst auf Platz 13 der erste Klagenfurter aufscheint. Exakt die Hälfte seiner 14 Punkte hat der 39jährige im nach wie vor unterdurchschnittlichen Klagenfurter Powerplay gesammelt. Auffällig auch, dass der KAC vor allem in der Schlussphase der Spiele zulegen kann: Drei Viertel der dritten Spielabschnitte konnten die „Rotjacken" bisher für sich entscheiden.

Offensivpower in der Draustadt

36.156 Meter Luftlinie weiter westlich läuft es beim Lokalrivalen fast noch besser: Sechs Siege in Folge hat der VSV zu Buche stehen, knapp 5,2 Tore hat man dabei im Schnitt pro Spiel erzielt - 1,8 mehr als der Ligaschnitt in diesem Spieljahr. Verantwortlich für den Höhenflug der „Villacher Adler" sind bisher die Heimstärke mit sechs Siegen in ebenso vielen Spielen (im Vorjahr nur Platz sieben ligaweit) und die gelungene Transferpolitik. Durch die Bank alle Neuzugänge überzeugten bisher: So ist etwa Derek Damon der einzige Spieler der Liga, der in jeder Partie scorte (Anm.: längster Scoring Streak im Vorjahr: Greg Day von den 99ers mit 14 Spielen). Kevin Mitchell, anfänglich mit kleinen Eingewöhnungsproblemen konfrontiert, stand bei zwei Dritteln der Villacher Game winning goals am Eis. Die ligaweite Plus/Minus-Wertung führen gemeinsam mit Peter Ratchuk (KAC) gleich vier Blau-Weiße an.

Die 50 Prozent-Mannschaft aus Jesenice

Auf Platz drei in der Tabelle folgt der Titelverteidiger aus Salzburg, der nach einem kleinen Zwischentief Anfang Oktober wieder auf die Siegerstraße zurückgefunden und an diesem Wochenende Graz und Jesenice nach Belieben dominiert hat. Die Slowenen liegen trotz der 1:8-Klatsche beim Meister weiter in der oberen Tabellenhälfte, werden aus dieser jedoch bald abrutschen, sollte sich das Defensivspiel nicht deutlich verbessern. Nach den Ausfällen von Pretnar und Nolan - Letzterer wird kommende Woche zurückerwartet - lief zuletzt sogar Flügelstürmer Marc Cavosie in der Abwehr auf. Hinter dieser Defence im Antlitz eines „Fleckerlteppichs" kommt auch Goalie Jaako Suomalainen nicht und nicht in Form, die nötige Pause verhinderte zuletzt die Grippekrankheit von Backup Mitch O'Keefe. Getragen wird das Spiel der Slowenen derzeit vom überragenden zweiten Block: Jeglič-Tičar-Sabolič halten schon bei 50 Scorerpunkten! Mit dem schwachen Goaltending und den Verletzungssorgen in der Abwehr, die indirekt verantworten, dass nur ein offensiv ausgerichteter Angriffsblock gebildet werden kann, scheint es aktuell sehr fraglich, ob die Slowenen die „50 Prozent-Hürde" (sechs Siege in zwölf Spielen, an jedem bisherigen Wochenende ein Sieg und eine Niederlage) überspringen können.

Linz rehabilitiert sich

Vizemeister Linz kann nach zwei Siegen am vergangenen Wochenende erstmals durchatmen, dank der Erfolge in Székesfehérvár und gegen Graz ist man die rote Laterne los und orientiert sich nach der Rückkehr von Brad Purdie nun wieder nach oben. Torhüter Lorenz Hirn hat sein katastrophales Saisondebüt als Starting goalie (0:9 in Zagreb) eindrucksvoll weggesteckt und kam an diesem Wochenende auf sehr starke 94,12% Saves. Durch die Verletzung von Martin Mairitsch rutschte Markus Schlacher in den ersten Block und erzielte gegen Graz gleich das Siegestor. Der 23jährige spielt seine vierte Saison in Linz und hat in dieser Zeit eine dem NHL-Österreicher Andreas Nödl ähnliche Entwicklung eingeschlagen: Vom geborenen Torschützen in den Nachwuchsjahren wurde er zum hart arbeitenden Winger einer Checking line.

  • Mike Craig, der älteste Spieler der Liga, führt die interne Scorerwertung des kollektiv starken EBEL-Leaders aus Klagenfurt an.
    foto: johann pittner

    Mike Craig, der älteste Spieler der Liga, führt die interne Scorerwertung des kollektiv starken EBEL-Leaders aus Klagenfurt an.

Share if you care.