Medizin-Unis kündigen Abbau von 450 Stellen an

18. Oktober 2010, 13:09
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Rektor der Uni Innsbruck: "Wir werden Bereiche zusperren müssen" - Nacht- und Wochenenddienste werden nicht mehr im selben Ausmaß möglich sein

Wien - Die drei Medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck kündigen bis 2013 den Abbau von mindestens 450 Stellen, wenn die Regierung ihren angekündigten Budgetkurs nicht ändert. Derzeit sehen die Budgetpläne vor, dass die Unis ab 2013 bestenfalls mit einem gleichbleibenden Budget rechnen können. Eine Nicht-Nachbesetzung von Stellen werde dafür nicht reichen, so der Rektor der Medizin-Uni Innsbruck, Herbert Lochs bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien. "Wir werden Bereiche zusperren müssen."

"Die angedrohten Kürzungen sind mit einem Szenario verbunden, das wir uns nicht vorstellen können", so Medizin-Uni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz. Als Kaufleute müssten sich die Rektoren aber danach richten. Da rund 80 Prozent des Globalbudgets der Unis Personalkosten sind, könnten Maßnahmen auch nur hier getroffen werden. Mit dem Abbau von 450 Stellen, der bereits im kommenden Jahr beginnen müsste, könnten die 2013 anstehenden Gehaltssteigerungen, Biennalsprünge, Mieterhöhungen und die Teuerung der Sachmittel aufgefangen werden, so Schütz. Komme es auch 2014 zu keiner Steigerung des Budgets, wiederholt sich das Spiel.

Schwierigkeiten bei der Einhaltung des Arbeitsgesetzes

Gleichzeitig müsse aber die Grundlagenforschung und hier vor allem die klinische Forschung praktisch sistiert werden, weil die verbleibenden Ärzte stärker in der Krankenversorgung tätig sein müssten. Außerdem werde es "wesentliche Schwierigkeiten bei der Einhaltung des Krankenanstaltenarbeitszeitgesetzes geben", kündigte Schütz an. "Nacht- und Wochenenddienste werden nicht im derzeitigen Ausmaß möglich sein." Hier müssten dann die jeweiligen Krankenanstaltenträger einspringen. Neue Projekte wären keine mehr möglich, betonte Schütz. So drohe etwa das geplante Comprehensive Cancer Center "zusammenzubrechen".

Patienten müsste nach Leipzig oder Berlin fahren

Für Lochs bedeutet ein Beharren auf dem bisherigen Budgetkurs. "dass wir uns überlegen müssen, welche Gebiete bieten wir nur noch in Innsbruck, welche nur noch in Wien und welche nur noch in Graz an": "Wir müssen Forschungsgebiete einstellen." Für die Patienten bedeute das, dass man unter Umständen etwa für minimalintensive Herzoperationen nach Leipzig oder Berlin fahren müsse. Auch die Schlaganfallzentren könnten betroffen sein.

Für Privatwirtschaft ist man "nicht attraktiv"

Die von der Politik an die Unis gerichtete Forderung nach stärkerer Einwerbung von Drittmitteln kann Lochs nicht nachvollziehen. Die Privatwirtschaft schaue sehr genau auf die Ausstattung der Unis: "Ist man nicht attraktiv, gibt es auch keine Mittel der Industrie."

Ärztekammer-Chef Walter Dorner warnte vor "katastrophalen Auswirkungen auf die Bevölkerung". "Einem Bettler noch das letzte Stück Brot wegzunehmen, ist so ziemlich das ungerechteste", so Dorner mit Verweis auf die schon derzeit angespannte Budgetlage der Unis in Richtung der Regierung. Es gebe schon jetzt Fächer wie die Anästhesie, die Innere Medizin und die Chirurgie, in denen es "Mangelerscheinungen" gebe. Talentierte Wissenschafter und Ärzte würden bei der derzeitigen Situation nun zusätzlich ins Ausland abwandern. (APA)

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    Die Rektoren verstehen die Forderung der Politik nach stärkerer Einwerbung von Privatmitteln nicht. "Ist man nicht attraktiv, gibt es auch keine Mittel der Industrie", sagt einer von ihnen.

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