Benzin wird knapp - Zugs- und Flugverkehr massiv gestört
Paris - In Frankreich gehen die Proteste gegen die umstrittene Pensionsreform zwei Tage vor der erwarteten Abstimmung im Senat unvermindert weiter. Viele Menschen zogen auf die Straße, zudem gab es zahlreiche Streiks. Insbesondere im Schienen- und Flugverkehr mussten Reisende am Dienstag wieder mit Ausfällen und Verspätungen rechnen. Die Proteste verursachten "ernsthafte Schwierigkeiten", erklärte die Luftfahrtbehörde auf ihrer Website. Weil das Benzin knapp wird, bildeten sich auch am Dienstag an den Tankstellen wieder Schlangen. Der Sprecher der Sozialisten, Benoit Hamon, nannte die Protestaktionen eine "Kraftprobe".
In der Stadt Le Mans brannte am frühen Vormittag eine Schule ab, die zuvor bereits blockiert worden war. Der Bürgermeister vermutete Brandstiftung. In Nanterre bei Paris kam es am Vormittag erneut zu Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften.
Drittel der Flüge gestrichen
Landesweit soll rund ein Drittel aller Flüge gestrichen werden, auf dem Pariser Großflughafen Orly sogar 50 Prozent. Der Flughafen von Bordeaux war am Morgen nach Gewerkschaftsangaben von mehr als 100 Demonstranten blockiert worden. Nach Medienberichten sollen mehr als 2.500 Tankstellen bereits kein Benzin mehr haben. Websites informieren die Autofahrer, wo sie noch tanken können. In Toulouse und Marseille stapelt sich der Müll in den Straßen, weil sich auf die Müllfahrer am Streik beteiligen.
Öl-Frachter auf dem Rhein gestoppt
Demonstranten
haben offenbar Öl-Frachtkähne auf dem Rhein in der Nähe von Straßburg
gestoppt. Die Streikenden hätten die Schiffe daran gehindert,
dringend benötigte Ölprodukte aus benachbarten Ländern nach
Frankreich zu importieren, sagten Rohstoffhändler am Dienstag.
Wegen der Proteste der Arbeiter im Hafen Fos-Lavera bei
Marseille mussten Öl-Raffinerien in Deutschland und der Schweiz
bereits ihre Produktion anhalten oder senken. Die Streiks lösten
zudem einen Anstieg der Frachtraten um zehn Prozent aus.
An tausenden Tankstellen in Frankreich ging bereits das
Benzin aus. Allein der Ölkonzern Total registrierte
Engpässe an etwa einem Viertel seiner 4000 Servicestationen in
Frankreich. Flughafen-Mitarbeiter, Zugführer, Lehrer und
Postboten schlossen sich den seit Tagen anhaltenden Protesten
von Raffinerie-Arbeitern an.
Die Streiks und Blockaden richten sich gegen das Vorhaben der Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy, das Pensionsalter von 60 auf 62 Jahre anzuheben. Die entscheidende Abstimmung über die Reform soll am Mittwoch im Senat stattfinden. Die Gewerkschaften wollen die Regierung dazu bringen, das Gesetz doch noch fallenzulassen. Sarkozy bezeichnete die Reform als den einzigen Weg, um Frankreichs Pensionssystem zu retten. (APA)