Hommage an einen Sonnenkönig

17. Oktober 2010, 18:21
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Die Simpl-Musikrevue "Lasst Kreisky und sein Team arbeiten!" im Palais Nowak

Wien - Noch ein paar Tage, bis 1. November, läuft auf der Schalla-burg die durchaus unterhaltsame Ausstellung Die 60er. Beatles, Pille und Revolte. Das direkte Follow-up über die 70er-Jahre ist im Palais Nowak beim Gasometer zu sehen: Am Freitag hatte in der Dependance des Kabaretts Simpl die musikalische Revue Lasst Kreisky und sein Team arbeiten! von Fritz Schindlecker und Albert Schmidleitner vielbeklatschte Premiere.

Der ehemalige SPÖ-Slogan legt die Vermutung nahe, dass die Politik im Vordergrund stehen würde. Die erste Szene bestätigt dies auch: Zwei Mädchen rufen von einer Telefonzelle aus ("Fasse Dich kurz!") am Ballhausplatz an - und zur großen Verwunderung der beiden hebt wirklich der Kanzler, der für alle zu sprechen sein will, ab. Ein homosexueller Priester hingegen scheitert etwas später: Er hat sich verwählt - "wie 27 Prozent bei der letzten Wahl", wie er entschuldigend meint.

Der eine oder andere Sketch ist zwar ganz nett, eine bissige Satire über einst gelingt dem Team aber nicht. Und nur selten vermögen die 70er-Jahre als Spiegel für die aktuelle Situation dienen. Nebenbei wird etwa daran erinnert, dass schon Kreisky die Gesamtschule einführen wollte. Und man stellt mit Erschrecken fest, dass es ziemlich lange dauerte, bis in Kärnten die zweisprachigen Ortstafeln Realität werden können.

Schlagwortartig ruft Regisseurin Viktoria Schubert mit Wochenschau -Beiträgen vieles in Erinnerung: Arenabesetzung, Fristenlösung, Schülerfreifahrt, Palmers-Entführung, Zwentendorf, Gratisschulbuch usw. Sonderbarerweise verirrt sich auch der Zauberwürfel von Rubik (die Markteinführung war erst 1980) in die Show, während Niki Lauda oder der Einsturz der Reichsbrücke keine Erwähnung finden. Tiefpunkt sind die Interviews von Max Eissler zu Themen wie Hot Pants und autofreier Tag.

Für die Generation 40+ ist die erneut liebevoll ausgestattete Revue (das zehnköpfige Ensemble schlüpft in hunderte Rollen) dennoch höchst vergnüglich. Denn das Rückgrat bilden die Hits von damals, zum Großteil mit neuen, recht witzigen Texten versehen: Kudra Owens imponiert als Donna Summer, die eine Hymne auf Bruno, den Sonnenkönig, singt (Hot Stuff). ABBAs Waterloo wird natürlich zu "Cordóba", Ein Bett im Kornfeld zu "Die bunten Vögel von Erhard Busek", YMCA zum "Junge, man bleibt nicht ewig Trotzkist: Komm zum CV!" und Highway To Hell zu "Ja zur Südautobahn".

Den fulminanten Epilog steuert der Musiker Peter Paul Skrepek in seiner Paraderolle als Helmut Zilk bei, der Dispens vom Purgatorium bekommen habe. Sich kurz fassen kann er zwar nicht. Äußerst kurzweilig ist er aber doch. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 18.10. 2010)

  • Fulminant: Peter Paul Skrepek als Helmut Zilk.
    foto: jan frankl

    Fulminant: Peter Paul Skrepek als Helmut Zilk.

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