Ginga: "They Should Have Told Us"

  • Ginga: "They Should Have Told Us" (Monkey Music/Hoanzl 2010)
    foto: monkey music/hoanzl

    Ginga: "They Should Have Told Us" (Monkey Music/Hoanzl 2010)

Verhatscht war gestern: Die Wiener Gitarrenpopband setzt neue Maßstäbe

Ginga aus Wien meinen es ernst. Man merkt schon beim ersten Song, "This Is Happening", dass Alex Konrad, Emanuel Donner, Klemens Wihlidal und Matthias Loitsch keine Zeit mehr zu verlieren haben. Kein Wunder, sind doch ohnehin schon zwei Jahre vergangen, seit ihre erste Langspielplatte "They Should Have Told Us" erschienen ist. Das mediale Echo war seinerzeit so gering, ihre Auftritte heuer, unter anderem beim Popfest am Wiener Karlsplatz, dafür so umjubelt, dass Ginga ihr Debüt kurzerhand noch einmal aufgenommen haben. Diesmal in Belgien.

Ergebnis der Überarbeitung ist ein wunderbar melodisches, im Vergleich zum Original um einige Ecken und Kanten bereinigtes Stück Gitarrenpop, das in manchen Augenblicken - wenig überraschend - an Arcade Fire und auch Franz Ferdinand erinnert, insgesamt aber zu vielschichtig, zu variantenreich daherkommt, um in altbekannte Schubladen gesteckt zu werden. Dazu ist der internationale Anspruch, den Ginga die gesamte Länge des Albums über in Erinnerung rufen, viel zu klar.


Stimme samt Streicher

Wie schon bei "This Is Happening", einem der Highlights des Albums und darüber hinaus, arbeiten sich Ginga nur scheinbar mühelos an einem ganzen Panoptikum an Möglichkeiten und Methoden ab, ihren Songs den Weg in die Herzen des Publikums zu bahnen. Streicher kommen zum Einsatz, Alex Konrads Stimme, überhaupt eine der wandelbarsten der zeitgenössischen Popmusik, mal pathetisch, mal präzise, immer aber fesselnd. In "Cinamon", eine Ballade erster Güte, reizt er sie voll aus.

Man merkt aber auch die Routine, die sich Ginga in den sieben Jahren ihres Zusammenspielens erarbeitet haben, besonders dann, wenn man die 2008er mit der 2010er-Version vergleicht. Besonders bei eher schnelleren Stücken wie "Fashion", wo sich die professionelle Überarbeitung auf jeden Fall ausgezahlt hat, was etwa den Klang betrifft - ansonsten waren die Songs, die Ginga auf dem Erstling versammelt haben, auch 2008 schon sehr ausgereift.

Fazit: "They Should Have Told Us", erschienen bei Hoanzl, ist das am wenigsten verhatschte Popalbum einer österreichischen Band seit Jahren. Ginga meinen es eben ernst. (flon)


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