Ginga: "They Should Have Told Us"

17. Oktober 2010, 17:34
  • Ginga: "They Should Have Told Us" (Monkey Music/Hoanzl 2010)
    foto: monkey music/hoanzl

    Ginga: "They Should Have Told Us" (Monkey Music/Hoanzl 2010)

Verhatscht war gestern: Die Wiener Gitarrenpopband setzt neue Maßstäbe

Ginga aus Wien meinen es ernst. Man merkt schon beim ersten Song, "This Is Happening", dass Alex Konrad, Emanuel Donner, Klemens Wihlidal und Matthias Loitsch keine Zeit mehr zu verlieren haben. Kein Wunder, sind doch ohnehin schon zwei Jahre vergangen, seit ihre erste Langspielplatte "They Should Have Told Us" erschienen ist. Das mediale Echo war seinerzeit so gering, ihre Auftritte heuer, unter anderem beim Popfest am Wiener Karlsplatz, dafür so umjubelt, dass Ginga ihr Debüt kurzerhand noch einmal aufgenommen haben. Diesmal in Belgien.

Ergebnis der Überarbeitung ist ein wunderbar melodisches, im Vergleich zum Original um einige Ecken und Kanten bereinigtes Stück Gitarrenpop, das in manchen Augenblicken - wenig überraschend - an Arcade Fire und auch Franz Ferdinand erinnert, insgesamt aber zu vielschichtig, zu variantenreich daherkommt, um in altbekannte Schubladen gesteckt zu werden. Dazu ist der internationale Anspruch, den Ginga die gesamte Länge des Albums über in Erinnerung rufen, viel zu klar.


Stimme samt Streicher

Wie schon bei "This Is Happening", einem der Highlights des Albums und darüber hinaus, arbeiten sich Ginga nur scheinbar mühelos an einem ganzen Panoptikum an Möglichkeiten und Methoden ab, ihren Songs den Weg in die Herzen des Publikums zu bahnen. Streicher kommen zum Einsatz, Alex Konrads Stimme, überhaupt eine der wandelbarsten der zeitgenössischen Popmusik, mal pathetisch, mal präzise, immer aber fesselnd. In "Cinamon", eine Ballade erster Güte, reizt er sie voll aus.

Man merkt aber auch die Routine, die sich Ginga in den sieben Jahren ihres Zusammenspielens erarbeitet haben, besonders dann, wenn man die 2008er mit der 2010er-Version vergleicht. Besonders bei eher schnelleren Stücken wie "Fashion", wo sich die professionelle Überarbeitung auf jeden Fall ausgezahlt hat, was etwa den Klang betrifft - ansonsten waren die Songs, die Ginga auf dem Erstling versammelt haben, auch 2008 schon sehr ausgereift.

Fazit: "They Should Have Told Us", erschienen bei Hoanzl, ist das am wenigsten verhatschte Popalbum einer österreichischen Band seit Jahren. Ginga meinen es eben ernst. (flon)


Link
Ginga

Share if you care
13 Postings
gute österreichische band.

wieder mal.
und ginga sind nicht die einzigen.
wird österreich doch noch mal ein musikland? oder verabsäumen die musikmäßig relevanten medien es, den österreichern zu zeigen, was wir haben?

leute, geht´s mehr zu konzerten und nicht nur zu den big festivals, wo einem alles vorgekaut wird. ihr werdet so manches wunder erleben und goldstück entdecken.

sondermüll

ja, habe ich selbst nach dem anhören gestellt

Heißer Konzerttipp für Sie ...

http://www.vi-hotels.com/index.php... ail]=1&L=0

Viel Spaß!

jettz bin ich beleidigt, weil ich mag nur den hansi. der ist echt bärig. und der rockt euch alle.

Deutschsprachige Lyriks auch drauf ?

Interview mit Ginga

The Gap hatte das fantastische Album ja am letzten Cover und interviewt: http://www.thegap.at/rubriken/... gemachtes/

FM4 Charts Nummer Eins kam zurecht!

Trotz unzureichender Musikförderung im Popbereich schaffen es in letzter Zeit immer mehr österreichische Musiker, richtig gute Musik zu machen. Mein Kompliment an diese Kämpfer.

They Told Us!

Ich höre die CD seit Wochen immer wieder im Auto. Und, das ist wohl ein Signal für ein wirklich superbes, dichtes und nachhaltig wirkendes Album: die "Hits" sind mittlerweile (fast) unwichtig geworden, die zuvor unspektakulär wirkenden nachgereihten Songs haben sich dafür in den Ohren und im Gehirn festgefressen. "They Should Have Told Us" hat keine Schwachstelle. Das beste Pop-Album in/aus Österreich seit Jahren. And I mean it.

sehr gut

hab ginga vorgestern beim gap-fest in der arena zum ersten mal gesehen.

wirklich unglaublich gut und echtes internationales niveau. aus österreichischer sicht die entdeckung des jahres, wenn nicht des jahrzehnts!

Was ist an "verhatscht" schlecht?

http://www.youtube.com/watch?v=Wqm2e8-hc5g

Nichts. Ich finde sogar den obigen Song ziemlich verhatscht. Schön ist er trotzdem.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.