Die Diskokugel brennt

16. Oktober 2010, 19:32
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Vier Jahre nach seiner Eröffnung schließt der Club Planetarium endgültig seine Pforten. Der Clinch mit der VHS um die Location ist verloren, die Diskokugel wird abgeschraubt

Im Mai 2007 wurde an den Veranstalter Sigismund "Ziggy" Kremser das Club-Projekt im Planetarium herangetragen. Die Initiative startet eine der jetzigen engsten Mitarbeiterinnen Mario Rieders, des Geschäftsführers der Wiener Volkshochschulen GmbH. Der hohe Anspruch seiner Veranstaltungen kam dem Bildungsauftrag der VHS durchaus gerecht - im Club Planetarium wollte man dem Kommerz keine Plattform geben.

Doch heute formuliert die VHS ihren Bildungsauftrag auf der Grundlage weniger populären Bedürfnisse der Gesellschaft.

Verhängnisvoller Erfolg

Ein Kompetenzzentrum Migration soll im Frühjahr dort errichtet werden, wo heute noch unter einer kolossalen Diskokugel DJ(ane)s und MusikerInnen das anspruchsvolle Publikum der Popkultur verwöhnen.

Schließlich wurde dem Club seine Popularität zum Verhängnis: Innerhalb kürzester Zeit avancierte der Club Planetarium zum Ziel digital- und elektro-affiner NachtschwärmerInnen. "Bis zu 500 Personen pro Abend haben die Infrastruktur, das Fassungsvermögen und die WC-Anlagen total überlastet und zu einer Abnutzung des Bodens im Clubraum geführt", begründet Mario Rieder die bereits nach zwei Jahren geäußerte Forderung nach einer adäquaten Alternativ-Location zu suchen.

"Zusammenarbeit erwünscht"

Daraufhin erstellte der Noch-Betreiber des Club Planetarium "auf Wunsch der damaligen Geschäftsleitung ein selbstfinanziertes mittel - bis langfristiges Betreiberkonzept für eine nachhaltigere Nutzung der Räumlichkeiten mit Gartenbereich und einem vom Planetarium unabhängigen Clubbetrieb - ohne Kosten für die VHS, sondern durch Sponsoring und Eigenmittel finanziert. Bis Ende Oktober 2008 hieß es seitens der VHS: Eine mittel - bis langfristige Zusammenarbeit mit dem Club Planetarium ist absolut erwünscht", erklärt Sigismund Kremser. Von einer solchen Kooperation will heute weder in der VHS noch in der MA34 (der Besitzer und Hauptmieter) niemand etwas wissen.

Einschränkung des Bildungsbetriebs

Mit der Aussicht auf eine langfristige Nutzung des Planetariums, das sich als ideale Spielstätte für Konzerte und KünstlerInnen mit Visual Live Acts entpuppte, reparierten die Mieter auf eigene Kosten die Stromleitungen und gingen auf die 50prozentige Mieterhöhung von 500 auf 750 Euro ein. "Einen weiteren Dämpfer lieferte die vertragliche Reduktion der möglichen Veranstaltungen auf fünf bis acht Mal pro Monat und die eingeschränkte Nutzung des Kuppelsaals auf maximal zwei Mal monatlich", sagt Kremser und weist damit auf eine wesentliche Einbuße der Attraktivität der Lokalität für die BesucherInnen hin.

Mario Rieder, Geschäftsführer der VHS GmbH äußert sich betroffen, doch rütteln könne man an der Entscheidung nicht. Diese sei "durch die Infrastrukturproblematik bedingte Einschränkung des Bildungsbetriebs, der Planetarium Shows für Schulklassen und Familien" legitimiert.

"Bildungsferne Jugendliche"

Umso mehr begrüßt Rieder die Errichtung eines Kompetenzzentrums Migration im Planetarium, das als Basis für Bildungsprojekte für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu verstehen ist. Es soll das Kompetenzzentrum Migration, das weiterhin in der VHS 10 angesiedelt bleibt und mit der Organisation von Kursen, Ausbildung der TrainerInnen und dem Einfließen der Expertise für die Bildungsarbeit mit Jugendlichen betraut ist, ergänzen. "Wie beim Projekt Deutsch im Park ist die aufsuchende Komponente relevant. Da die Arbeit draußen im Prater stattfindet, bietet sich das Planetarium aufgrund der Lage (Prater Hauptallee 1) dafür perfekt an. Es geht vorrangig darum, bildungsferne Jugendliche im Umfeld Prater niederschwellig für Bildung anzusprechen", so Rieder.

Schlechter Tausch?

Dieser geplanten Nachnutzung des fensterlosen Clubraums steht Kremser kritisch gegenüber. Er bezeichnet die "30 gefährdeten Arbeitsplätze seines Teams durch die Besetzung von etwa fünf MitarbeiterInnen für eine Handvoll Jugendliche, die in teure Bildungsprojekte eingebunden werden" als schlechten Tausch. Umso mehr, als der Großteil seiner Mitarbeiter Migrationshintergrund hat. Eine weitere Schwäche sieht er in der Wetterabhängigkeit des Projekts, "da in der kalten Jahreszeit oder bei Schlechtwetter eher wenige Jugendliche im Park sitzen und auf die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Migration warten."

Auf der Facebook Seite "Rettet den Club Planetarium" bedauert Kremser, dass er auf eine seitens der VHS zugesagte Unterstützung bei der Suche nach einer Alternativ-Location vergeblich gewartet habe. Mario Rieder spricht lediglich von einer Kulanz-Verlängerung an die Veranstalter, um ein neue Location zu finden - von einer Unterstützungszusage weiß man in der VHS nichts. (Eva Zelechowski, 16. Oktober 2010, daStandard.at)

  • Innerhalb kürzester Zeit avancierte der Club Planetarium zum Ziel digital- und elektro-affiner NachtschwärmerInnen.
    foto: christian haas

    Innerhalb kürzester Zeit avancierte der Club Planetarium zum Ziel digital- und elektro-affiner NachtschwärmerInnen.

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