René Benko ringt mit Mietern

15. Oktober 2010, 17:44
91 Postings

In Wien ist der Startschuss für den Bau einer neuen Luxusmeile ge­fallen. Nun müssen finanzstarke Händler her, es droht der Stillstand

In Wien ist der Startschuss für den Bau einer neuen Luxusmeile gefallen. Nun müssen finanzstarke Händler her, doch es droht Stillstand: Palmers kommt mit Investor René Benko bei der Ablöse auf keinen grünen Zweig.

Wien – Der Tiroler Immobilien-Investor René Benko ist auf Familie Palmers nicht gut zu sprechen. Es geht um viel Geld, und der Schauplatz des Kräftemessens ist Wiens Innenstadt. Benko plant eine Nobeleinkaufsmeile, die sich von der früheren Länderbankzentrale Am Hof bis zum einstigen Hauptquartier der Bawag an der Tuchlauben erstrecken soll. Beide Immobilien hat er erworben, die Baugenehmigungen sind da und seit wenigen Tagen auch die Arbeiter. Die Zeit drängt, denn bis Anfang 2012 soll alles über die Bühne gehen.

Die alten Geschäftsflächen sind verwaist, allein einer hält auf 300 Quadratmetern die Stellung: Boss, unter der Führung der Textilgruppe Don Gil. Der unbefristete Mietvertrag für den Standort gehört allerdings Palmers. Benko ringt mit dem Immobilienkonzern seit Monaten um die Höhe einer Ablöse – ohne Einigung droht auch bei den übrigen Mietverträgen Stillstand.

Notfalls müsse man um die Filiale herumbauen und sie für Kunden über einen Tunnel zugänglich machen, meint Don-Gil-Prokurist Thomas Hahn. Ideal sei das freilich nicht. Er rechne bis Jahresende mit einer Lösung. Die Lage behalten wolle man jedenfalls: Temporär könne Boss ausziehen, aber zuvor gehöre noch geklärt, wer für den Profitentgang aufkomme.

Benko hält über seine Privatstiftung mehrheitlich Anteile an der Signa Holding, die sich teure Immobilien sichert, wie etwa auch das Meinl-Haus am Graben. In die frühere Länderbank soll bis 2012 ein Luxushotel. Mit zwei Ketten gehe Signa in die Endverhandlungen, heißt es aus seinem Umfeld: Four Seasons und Park Hyatt.

Rund um das ehemalige Bawag-Haus gleich ums Eck will der Tiroler Luxusmarken ansiedeln. Die Mieter an Bord holt die Maklerfamilie Muzicant. Rund 10.000 Quadratmeter Geschäftsfläche sind zu vergeben. Von Namen wie Prada und Dior ist die Rede, auch von einem Einzug der Lebensmittelkette Merkur. Wo zuvor Palmers am Eck Dessous verkaufte, soll Louis Vuitton einen Megastore planen.

Georg Muzicant nennt keine Labels. "Die Verhandlungen laufen." Er sei zuversichtlich, bis Jahresende einen Großteil der Verträge unter Dach und Fach zu haben, sagt er. Für rund 300 Euro soll der Quadratmeter zu haben sein, ein Preisniveau, das sich sonst nur auf Topmeilen wie dem Kohlmarkt findet.

Profitabel zu arbeiten sei damit schwer, sagt Hahn. Leisten könnten sich das meist nur Luxusketten, die noch nicht in Wien vertreten seien. Viele davon gibt es nicht mehr, meint ein Mitbewerber.

Mehr Laufkundschaft in die geplante Nobelmeile soll eine neue Fußgängerzone – über Bognergasse und Seitzergasse bis zum Hof – bringen. Der Bezirksantrag ist bereits eingebracht, die Pläne der Investoren für die Gebäude rundum fehlen, heißt es aus dem Büro von Verkehrsstadtrat Rudi Schicker. Die Stadt erarbeite nun einmal die ersten Konzepte für die Busse, Taxis, Fiaker und Schanigärten. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2010)

  • Rund um die Tuchlauben sollen betuchte Kunden prunkvoll einkaufen  können. Der Countdown bis Weihnachten 2011 läuft.
    foto: standard/matthias cremer

    Rund um die Tuchlauben sollen betuchte Kunden prunkvoll einkaufen können. Der Countdown bis Weihnachten 2011 läuft.

Share if you care.