Sterne und andere Stars

15. Oktober 2010, 18:09
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Maler, Zeichner, Filmemacher: Bruce Conner in der Kunsthalle Wien - Retrospektive im Filmmuseum

Wien - Eigentlich dürfte eine Ausstellung über den US- Künstler und Filmemacher Bruce Conner gar nicht "Bruce Conner" im Titel tragen. Der 1933 geborene Überschreiter künstlerischer Disziplinen hatte mit der Autorenschaft seiner Werke ein ironisches Spiel getrieben: Eine Zeit lang signierte er seine Drucke bloß mit einem Fingerabdruck, um auf diese Weise zu verhindern, dass sie zu Geldscheinen im Kapitalfluss des Kunstmarkts werden.

Eine weitere Arbeit, die in der Schau Bruce Conner - Die 70er-Jahre in der Kunsthalle Wien zu sehen ist, widmete er nicht nur seinem Freund Dennis Hopper, sondern wollte sie auch nur unter dessen Namen ausstellen: The Dennis Hopper One Man Show ist eine ins Fantastisch-Surreale ragende Montage-Serie von Illustrationen aus Enzyklopädien. Bilder, in denen Symbole unbedeutend werden, weil sie aus dem Kontext gerissen erratisch um sich selbst kreisen.

Die Kuratoren Barbara Steffen und Gerald Matt konzentrieren sich mit den 1970er-Jahren auf eine Zeit, in der sich Conner zunehmend Zeichnungen und Malereien zuwandte (eine frühere Schaffensperiode war neben Filmen vor allem Assemblagen gewidmet). Wer seine bilderstürmenden Avantgardefilme der 1960er-Jahre kennt, in denen sich Embleme aus dem Pop-, Film- und Politikfundus in Montagefeuerwerke verwandeln, der wird ob des Minimalismus dieser Arbeiten überrascht sein.

Conners Star-Drawings sind beispielsweise keineswegs auf Hollywoods Sterne ausgerichtet, sondern auf das Himmelszelt: filigrane, zugleich äußerst dichtgewobene Kompositionen von Linien und Schrägen, die ein Dunkel der Nacht formen und doch Raum für Sternenlichter lassen - das düsterste davon nennt sich übrigens Last Drawing. Die Tintenkleckse wiederum, die sich an Rorschach-Tests orientieren, ohne deren psychologische Implikationen zu übernehmen, spielen mit symmetrischen Anordnungen: Was figurativ erscheint - das eine oder andere Maxerl, das man zu erkennen meint - ist Zufallsprodukt.

Conners abstrakte Bilder, die bis hin zu Mandalas reichen, die im Buddhismus für Meditationszwecke verwendet werden, spannt die Ausstellung schlüssig mit seinen filmischen Arbei- ten zusammen. Breakaway zeigt die Tänzerin Toni Basil, die in ekstatischen Bewegungen aus ihrer Rolle ausbricht - im Zusammenhang mit dem bildnerischen Werk achtet man nun aber mehr auf den Rhythmus des Filmschnitts, der den Körper der Frau fragmentiert.

Der Höhepunkt der Schau, Three Screen Ray, vereint beide Seiten Conners zum überwältigenden Sinneserlebnis: Drei Simultanprojektionen, in denen er seine frühe Found- Footage-Raserei Cosmic Ray (1961) entlang Ray Charles' What'd I say zum Bildinferno anschwellen lässt, in dem Sex, Krieg und Pop ineinander über- und aufgehen.  (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 16./17. Oktober 2010)

Bis 30. 1.; Filmretro bis 20. 10. im Filmmuseum

  • Verwechslungsspiel mit falscher Marilyn: Bruce Conners Film "Marilyn 
Times Five".
    foto: kunsthalle wien

    Verwechslungsspiel mit falscher Marilyn: Bruce Conners Film "Marilyn Times Five".

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