Österreich ist um zwei Säugetierarten reicher

15. Oktober 2010, 18:46
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Biologen finden Teichfledermaus in Niederösterreich und Bulldoggfledermaus in Tirol

Wien - Freudige Überraschung: Innerhalb kurzer Zeit meldeten Biologen gleich zwei Entdeckungen von Fledermausarten, von denen bisher keine österreichischen Populationen bekannt waren. Dabei handelt es sich um die Europäische Bulldoggfledermaus (Tadarida teniotis), die eigentlich in der Südhälfte Europas verbreitet ist und mit 40 Zentimetern Flügelspannweite zu den größten Fledermäusen zählt, und die in der Nordhälfte des Kontinents vorkommende Teichfledermaus (Myotis dasycneme), die etwas kleiner ist.

Spezies 1

Im Zuge von Ultraschallaufnahmen des Umweltbüros Ecotone in der Kaiser-Maximiliansgrotte in der Tiroler Martinswand wurden vom Innsbrucker Biologen Michael Dobner die typischen Rufe eines jagenden Tieres aufgezeichnet (ein Soundfile finden Sie über den unten stehenden Link). "Die Fledermaus flog mehrfach an mir vorbei, so gelangen mir gute Aufnahmen ihrer Ortungsrufe. Obwohl ich sofort erkannte, dass diese Rufe zu keiner österreichischen Fledermausart passen können, erbrachte erst die anschließende Analyse das eindeutige Ergebnis", erklärt Dobner. Die Rufe wurden von Experten der Weltnaturschutzunion IUCN in den letzten Tagen bestätigt.

Der Tiroler Fledermausbeauftragte Anton Vorauer erklärt: "Der Nachweis der Bulldoggfledermaus am Ende des Jahres der Biodiversität erinnert uns wiederum daran, dass auch hier in Österreich immer wieder mit Sensationen zu rechnen ist. Die Fauna und Flora unseres Landes birgt immer wieder Überraschungen und fordert unser Engagement, um sie aureichend zu schützen." Noch ist aber zu klären, ob es sich um eine eigene Population oder nur um ein Einzelexemplar handelt, das neue Nahrungsgründe erkundet hat.

Spezies 2

Die Teichfledermaus gehört europaweit zu den besonders gefährdeten Arten, erklärten Vertreter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ), welche die Tierart nun im Zuge eines Forschungs-Camps in Hohenau an der March entdeckt haben. Die Art sei bisher in Österreich nur durch alte Knochenfunde bekannt gewesen. Nach der Entdeckung lebender Exemplare soll nun ein länderübergreifendes Projekt Wissenslücken über die seltenen Flattertiere schließen. Unter anderem soll geklärt werden, wo die Teichfledermäuse bevorzugt ihre Jungen aufziehen.

Teichfledermäuse lieben größere fließende und stehende Gewässer als Jagdgebiet. Knapp über und an der Wasseroberfläche werden hauptsächlich Insekten erlegt, teilweise mit dem Maul, notfalls aber auch mit den Beinchen aus dem Wasser gefischt. (red/APA)


Links

  • Ecotone (mit Soundfile des Rufs der Bulldoggfledermaus)
  • KFFÖ
  • Eine Bulldoggfledermaus (Foto: Dietmar Nill)
    foto: dietmar nill

    Eine Bulldoggfledermaus (Foto: Dietmar Nill)

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