Der innere Antrieb als Motivator

15. Oktober 2010, 17:00
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"Sinnvolles bewirken - aber wie" war das Motto des diesjährigen NPO-Kongresses in Wien - Beim Podiumsgespräch ging es vor allem um die Frage nach dem Warum

"Sinn ist ein mächtiger Motivator. Jeder Mensch lässt sich von ihm infizieren", sagt Michael Meyer, Leiter der Abteilung für Non-Profit-Management und des Forschungsinstituts für Non-Profit-Organisationen (NPO), WU Wien, beim NPO-Kongress am Mittwoch in Wien. Und er konstatiert die Renaissance des Purpose Driven Managements. Der Sinn werde für das Management zu einem wichtigen Thema.

"Geld und Macht machen nicht zwangsläufig glücklich. Geld hat möglicherweise sogar einen schlechten Einfluss auf die Motivation", sagt Michael Meyer. Denn extrinsische Motivatoren können süchtig machen. Die Karriereforschung zeige, dass leistungsorientierte, materielle Belohnungen und alle erwarteten Belohnungen das Interesse an der Aufgabe reduzieren, erklärt Meyer. Hingegen würden verbale Belohnungen sowohl die Motivation für eine Aufgabe und auch die Leistung erhöhen.

Denn wesentliche Faktoren für intrinsische Motivation sind, so die Ergebnisse der Karriereforschung, die persönliche Ausdrucksmöglichkeit, das Interesse an der Aufgabe, Selbstbestimmung und eine Balance zwischen Fähigkeiten und Herausforderungen. "In so einem Umfeld kommt es zu 'Flow-Erlebnissen', wo alles ganz leicht geht, und das ist auch ein Faktor für intrinsische Motivation", erklärt Meyer.

Die Frage nach dem Sinn

"Damit Sinn als Motivator in Organisationen wirken kann, braucht es einen transformationalen Führungsstil", ergänzt Meyer. Sinnorientierte Führung bedeute, Vorbild zu sein, die hohen Erwartungen an die Mitarbeiter werden mit attraktiven Visionen und einem hohen Maß an Vertrauen verbunden. Diese transformationale Führungskräfte arbeiten nicht unbedingt mehr, das Vermitteln der Sinnstiftung sei der zentrale Erfolgsfaktor, ergänzt Meyer.

"Am Ende meines Lebens möchte ich sagen könne: 'Es hat Sinn gemacht, dass ich gelebt habe'", sagt Martin Essl, Vorstandsvorsitzender der bauMax AG und Stifter des mit einer Million Euro dotierten Essl Social Prize. In erster Linie sei er Unternehmer und müsse betriebswirtschaftliche Erfolge erzielen, die Frage sei aber, wie man mit dem Vermögen umgeht, hält Essl fest.

Claudia Lösch hatte im Alter von sechs Jahren einen Autounfall und ist seither gelähmt, bei den Paralympics 2010 in Vancouver gewann sie Gold im Slalom und Super-G. "Der Sport hat mir geholfen, meinem Leben wieder Sinn zu geben", sagt sie. Wenn sie dadurch auch Vorbild für andere sein könne, dann sei das einer der schönen Momente, genauso wie der, am Start zu stehen und Menschen jubeln zu hören.

Sinn ist für Sonja Mitsche, Geschäftsführerin von 4everyoung, etwas sehr Bodenständiges. 2008 erhielt sie den Innovationspreis der Initiative Ideen gegen Armut für ihr Projekt 4everyoung, bei dem Langzeitarbeitslose ausrangierte Computer reparieren, an denen dann geschult wird. "Wenn ich beitragen kann, dass meine Mitarbeiter dadurch den Sinn in ihrem Leben wiederfinden, dann ist das die schönste Motivation für mich", erklärt Mitsche. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.10.2010)

  • Über die Triebfedern ihres Engagements (v. li.): Michael Meyer (WU Wien), Claudia Lösch (Ski-Rennläuferin), Martin Essl (Baumax), Sonja Mitsche (4everyoung) und Karin Bauer (Moderation).
    foto: standard/heribert corn, www.corn.at

    Über die Triebfedern ihres Engagements (v. li.): Michael Meyer (WU Wien), Claudia Lösch (Ski-Rennläuferin), Martin Essl (Baumax), Sonja Mitsche (4everyoung) und Karin Bauer (Moderation).

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