Ja, was ist denn das?

  • Jetzt bleibt mir vom Opa nur noch sein Dienstbuch: Auf der ersten Seite 
ist sein Foto mit Klammern angeheftet, er hält eine Tafel mit der 
geheimnisvollen Nummer 19740 ...
    foto: beppo beyerl

    Jetzt bleibt mir vom Opa nur noch sein Dienstbuch: Auf der ersten Seite ist sein Foto mit Klammern angeheftet, er hält eine Tafel mit der geheimnisvollen Nummer 19740 ...

Wo vorher das Zeichen deutscher Ehre und Treue prangte, verkündete eine helle weiße Fläche nur Unschuld

So ähnlich muss die gesamte Entnazifizierung erfolgt sein. Eine Erzählung. Von Beppo Beyerl

***

Ich werde es wegwerfen.

Das Bild hängt an einer nicht durch Möbel verdeckten Wand im Wohnzimmer meiner Mutter. Es zeigt Köpfe und Oberkörper von Großmutter und Großvater. Großmutter mit noch dunklem bis zum Hals reichenden leicht gewellten Haar und feistem bäuerlichen Gesicht. Großvater mit noch nicht gelichtetem Haupthaar, nicht ganz so feistem Gesicht und etwas eingefallenen Backen. Großmutter trägt hochgeschlossen eine adrette Art Bluse unbekannter Herkunft, Großvater eine fesche Naziuniform mit ebenfalls unbekannter Herkunft. Auf dem Rock mehrere Knöpfe, auf dem Kragen irgendein Wimpel, auf dem linken Oberarm mehrere Abzeichen, darunter ein Hakenkreuz. Großmutter und Großvater sind auf dem Schwarzweißfoto - so schätze ich jedenfalls - zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Meine Mutter wollte die Wand mit einer Ahnengalerie schmücken. Außer dem schon oben beschriebenen Foto hatte sie Bilder von mir und meiner Frau ausgesucht, weiters zwei Selbstporträts - meine Mutter als Schulmädchen vor der Volksschule ihres Heimatdorfes sowie meine Mutter im zünftigen Bergsteiger-Look auf dem Gipfel eines unbekannten Berges, selbstverständlich mit dekorativem Gipfelkreuz im Hintergrund. Sie ließ dann die Fotos hinter Glas setzen und einrahmen und hängte sie chronologisch auf die freie Wand ihres Wohnzimmers.

Beim Sonntagsbesuch

Stolz präsentierte sie mir beim Sonntagsbesuch das Ergebnis ihrer künstlerischen Aktivitäten. Ich blickte auf das Bild, das ganz rechts befestigt war, auf das Bild mit Oma und Opa. "Das kannst du doch nicht machen, Mama!" - "Wieso denn nicht?" - "So schau dir doch das Abzeichen am Rock vom Opa an!" - Mutter stierte intensiv auf das Abzeichen: "Ja was ist denn das?"

Ja was war denn das? Ein Abzeichen der Wehrmacht war es sicher nicht, das hätte ich sicher erkannt. Schließlich trug mein Vater ein Abzeichen der Wehrmacht, weil die Nazis 1938 in Karlsbad, dem späteren Karlovy Vary, einmarschiert waren und mein Vater ein paar Jahre später in die deutsche Wehrmacht einrücken musste, aus der er schlussendlich im Winter 1944-1945 desertierte. Auf den erhaltenen Soldatenfotos sieht man deutlich den Adler mit den unnatürlich breit ausgestreckten Flügeln, in seinen Krallen hält er das Hakenkreuz.

Und wie schaut ein Abzeichen oder Wimpel der SS aus? Der SA? Oder sonstiger Elitetruppen der Nordischen Rasse? "Aber Mama, das kannst doch nicht machen. Schau dir das Abzeichen an!" - Mutter trat direkt vor das Bild und betrachtete das Abzeichen kurz und intensiv. Dann schien sie ein paar Sekunden nachzudenken. "Da hast aber recht. Das kann man so nicht machen. Wenn das wer sieht!" - Damit war das Gespräch - zumindest vorläufig - für mich abgeschlossen.

Im Nachhinein muss ich sagen: Leider. Und weil es heißt, wir sollen doch Fragen stellen, um jene Zeit dem Dunkel des Vergessens zu entreißen und dabei etwaige braune Flecken ans Licht zu zerren. Freilich stellte ich Fragen.

Aber ich bekam nur falsche Antworten. Je nach Erzählkapazität meiner Mutter war Großvater Held und einziger Überlebender einer erbittert geführten Frontschlacht gegen die Russen, oder er war leitender Organisator der Organisation Todd, die sich im Hinterland um die Errichtung der Infrastruktur kümmerte, oder er war ein harmloser Mitläufer, der schon in seinem ersten Krieg drei Finger der rechten Hand verloren hatte und als Angehöriger einer verlorenen Generation 1939 in seinen zweiten Krieg ziehen musste. Dass ihr Bruder, also mein Onkel, bei der SS war, das war ihr hingegen selten hinausgerutscht, es passierte ihr eher irrtümlich, und stets verband sie die Konstatierung der Mitgliedschaft bei der SS mit dem Zusatz: "Es ist ihm ja nichts anderes übriggeblieben, es waren ja alle dabei."

Aber zurück zur Geschichte. Am nächsten Sonntagsbesuch in Mutters Wohnung. Die Begrüßung. Das Betreten des Wohnzimmers. Der Kontrollblick auf die Wand. So geht's natürlich auch! Mutter hatte ihrem Vater den rechten Oberarm samt der rechten Schulter weggeschnitten! Wo vorher das Zeichen deutscher Ehre und Treue prangte, verkündete eine helle klare weiße Fläche nur Unschuld und Sauberkeit. So ähnlich muss die gesamte Entnazifizierung erfolgt sein! Die Wahrheit ist eine kleine weiße unschuldige Fläche!

"Was hast du denn?", fragte meine Mutter den noch immer auf das abgeschnittene Bild seines Großvaters Starrenden. "Wieso hast nicht ein anderes Bild vom Opa genommen?" - "Wieso?", wiederholte meine Mutter. "So ist es doch viel einfacher!" Ich seufzte dreimal durch, holte eine Zigarette aus der Packung und ging auf den Balkon zum Aschenbecher.

Ungefähr neun Monate später stürzte meine Mutter in der Nacht unglücklich aus dem Bett. Vielleicht wollte sie wieder Einbrecher vertreiben, zu dieser Tätigkeit fühlte sie sich magisch verpflichtet, seit vor vier Jahren irgendwo in der Nachbarschaft eingebrochen wurde. Jedenfalls erlitt sie beim Sturz einen Oberschenkelhalsbruch, der im Spital zwei Tage später operiert wurde. Nach der Operation verschlechterte sich ihr körperlicher Gesamtzustand. Als klar wurde, dass sie von nun an nicht mehr selbstständig vom Bett aufstehen konnte, suchte ich einen Heimplatz in der näheren Gegend. Als ich den Heimplatz gefunden hatte, wurde bald klar, dass Mutter das Spital nicht mehr verlassen wird können, zumindest nicht mehr in lebendem Zustand, da sich der Zustand mehrerer Organe, vor allem von Herz und Lunge, viel zu schnell verschlechterte. Etwa ein Monat nach ihrem Oberschenkelhalsbruch starb meine Mutter im Spital, und mir gehörte ihre Wohnung, mir gehörte ihr Wohnzimmer, und auch die Bilder der Ahnengalerie an der Wand, die gehörten mir.

"Ich glaube, ich werde es wegwerfen", dachte ich, als ich das erste Mal nach Mutters Tod mit fahlem Blick und zögerlichem Schritt die Wohnung betrat und entgeistert auf das Bild meines Großvaters starrte. Niemand gab mir Antwort, die absolute Stille, auf die ich stieß, kam mir merkwürdig und unheimlich vor. Und in die Stille schrillte meine Mutter: "Es ist schon wieder eingebrochen worden!"

Als ich das letzte Mal meinen Großvater sah, war ich kurz vor meiner Aufnahme in die Volksschule, also im sechsten Lebensjahr, und Großvater lag schwerkrank auf der Couch in der großelterlichen Wohnung. Und nun startete eine eigenartige Szene, die sich dem Verständnis eines Sechsjährigen komplett entziehen musste, für die nicht einmal der Erwachsene eine plausible Erklärung findet. Großvater lag also mit Lungenkrebs auf der Couch und schickte meine Mutter samt meiner Großmutter zum Wirt, damit sie mir von dort eine Wurstsemmel holen. Dann rief er mich zu seiner Couch, richtete sich etwas auf und mahnte mich mit brüchigen Worten: Ich möge doch auf meine Mama aufpassen. Schließlich musste ich ihm das Versprechen abgeben, seinen Wunsch - oder seinen Befehl - zu befolgen. Bei Kindern geht so etwas relativ leicht über die Runden, weil für sie Versprechungen oder Eide stets etwas Zelebriertes sind, und Zelebrationen garantieren eine überirdische Haltbarkeit. Und abschließend wünschte er mir alles Gute zum demnächst erfolgenden Eintritt in die Volksschule. Dann kam die Mutter mit der Großmutter vom Wirt zurück, ich verspeiste die Wurstsemmel, und Mutter und ich fuhren mit dem Postbus heim in die elterliche Wohnung.

Als wir das Vorzimmer betraten, wusste Vater schon Bescheid. Bei der Nachbarin, die zudem die Hausherrin war, hatte jemand aus dem Dorf der Großeltern angerufen: Großvater war soeben gestorben.

Adolf-Hitler-Straße 34

Also, lieber Opa. Jetzt muss ich mich nicht mehr mit deinem Wunsch oder Befehl herumschlagen, weil auch deine Tochter vor ein paar Tagen gestorben ist. Und was soll ich jetzt mit deinem fehlenden linken Oberarm machen? Soll ich in der Wohnung suchen, bis ich irgendwo die mit einer Schere mit genauen Schnitten abgetrennte Schulterpartie finde? Um dann mithilfe der Fachliteratur und der Naziheraldik zu eruieren, bei welcher Sondertruppe du deinen Dienst versehen hast? Oder soll ich das Foto aus dem Glasschutz herausziehen, in unzählige Einzelteile zerwuzeln und die zerwuzelten Streusel beim Begräbnis auf den Sarg meiner Mutter versenken?

Wenn ich mich zu keiner Entscheidung durchraffen kann, trinke ich gern ein Stamperl. Also öffne ich die Wohnzimmerbar, greife zum Obstler und schlürfe ein paar kräftige Schlucke aus der Flasche. Wie ich es von irgendwelchen Krimis kenne, reibe ich mit dem Unterarm über die Mundfläche, und dann folgen noch einmal zwei, drei Schlucke.

Jetzt bin ich so weit. Ich nehme das Bild vom Nagel und entriegele den Verschluss. Das Glas stoße ich in den Mistkübel, dabei lasse ich Vorsicht walten, um nicht durch das Brechen des Glases unnötige Scherereien zu verursachen. Den Rahmen breche ich mit Ausübung aller Kraft über meinem Oberschenkel. Viermal, erst die beiden kurzen Teile, dann die langen. Die Rahmenreste schiebe ich in den Kachelofen, der im Zimmer eigentlich nur mehr als Dekorelement herumsteht, seit meine Eltern vor etwa zwanzig Jahren die Zentralheizung einbauen ließen. Übrig bleibt das Foto des Großvaters. Das deponiere ich in meiner Aktentasche. Zu Hause in der Wiener Wohnung mache ich dann keine Umstände, mit einem Griff verschwindet für alle Zeiten der ärmellose Opa mit seiner zweiärmeligen Oma im Papiercontainer im Innenhof.

Jetzt bleibt mir vom Opa nur mehr sein Dienstbuch, ausgefertigt vom Baustab Speer, Nummer P030384. Im Todesfall soll man seine Frau benachrichtigen, die in der Adolf-Hitler-Straße 34 wohnt. Auf der ersten Seite ist sein Foto mit Klammern angeheftet, er hält eine Tafel mit der geheimnisvollen Nummer 19740.

Ich befürchte, auch dieses Geheimnis werde ich nie enthüllen können. (Beppo Beyerl, ALBUM/DER STANDARD - Printausgabe, 16./17. Oktober 2010)

Beppo Beyerl, geb. 1955 in Wien, studierte Slawistik und Publizistik, ist freier Autor, war Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Podium". Von ihm erschien u. a. "Achtung Staatsgrenze" (Löcker 2009).

Mit diesem Text endet die Serie "Ein Mensch im Bild". Alle Texte können Sie abrufen unter: derStandard.at/LiteratenSchreiben

Share if you care
  • Ja, was ist denn das? [14]

  • Die Regisseurin im Raum

    TitelbildFür sie bedeutete jedes Loslassen eine Veränderung ihrer Umgebung und damit der ganzen Welt. Vor einem Jahr, am 18. Oktober 2009, starb die New Yorker Künstlerin Nancy Spero

  • Ein Engel im Bild

    Face the future! [3]

    TitelbildWalter Benjamins berühmte Allegorie vom "Engel der Geschichte": Wie können wir sie für unsere fragmentierte und globalisierte Welt in Bewegung versetzen?

  • Hinter dem Zaun [9]

    TitelbildJedes Wochenende besucht mich ein rothaariger Junge. "Don Carlos", flüstert er, "Don Carlos". Juli Zeh über den Infanten von Spanien, gemalt von Alonso Sánchez Coello - Ein Vorabdruck

  • Am Rande des Streuobstgürtels [5]

    TitelbildDie Frau auf dem Foto, Frau H. (1923-2005), ist jahrzehntelang unsere Nachbarin gewesen

  • Erinnern heißt: Vergessen [16]

    TitelbildFinstere Tage. Dennoch das Gefühl, dass der Dialog mit ihm einfach weitergeht. Weil es eine Schande wäre, wenn etwas "abreißen" würde. Claus Philipp über Christoph Schlingensief

  • Ein Mann, kein Wort [1]

    TitelbildEr war das Glotzermännle, so nannten wir ihn, er glotzte die Welt an, doch die Welt sah nicht zurück, sie übersah ihn, der hier auf dem schäbigen Bahnhof in Deckung ging

  • "Sehr fesch, meine Herren" [8]

    TitelbildIm vergangenen Jahr feierte Herr Hermanek aus Hernals einen runden Geburtstag

  • Ein Mädchen namens Non [3]

    Auf mich zeigend sagte ich "Martina" , auf sie deutend "Non". Tarzan und Jane im digitalen Zeitalter

  • Blonder Sonnenschein, sehr gefragt [2]

    TitelbildJene Zeitungsseite, von der ich bis zum Vorjahr geglaubt habe, dass sie das erste Fotodokument über mich enthielte, vergilbt zusehends.

  • Aufgeklärt romantisch

    TitelbildMit 13 verliebte ich mich in eine Feministin. Meine Angebetete zählte zu diesem Zeitpunkt 222 Jahre und lag bereits 184 unter der Erde

  • Der Hausmeister im Urlaub [13]

    TitelbildAuch ein Hausmeister muss mal raus. Aber Kurt kann nicht wegschauen. Er sieht sie einfach: die Arbeit

  • "Bin ins Blaue gefahren!" [53]

    TitelbildIm Juli vor sechs Jahren wurde der weltberühmte Dirigent Carlos Kleiber in Slowenien begraben, ganz ohne letzte Ehre des offiziellen Österreich. Franzobel über einen, der die Wiener nicht gebraucht hat.

  • Ein verzagter Zuchtmeister [24]

    TitelbildGustav Mahler (1860 bis1911) wurde nur 51 Jahre alt - Er hat einen Teil der Musikwelt niedergerissen und in den Ruinen Baustellen errichtet

  • Ein Mensch im Bild

    Das Erschreckende an Frau F. [375]

    Titelbild"Frau Fekter" , habe ich geschrieben, "man kann nicht verlangen, dass ich ein Schreiben an Sie mit der Floskel ,Sehr geehrte‘ beginne."

  • Ein Mensch im Bild

    Spiel im Hof [2]

    TitelbildEs ist alles ein Abenteuer, wenn ich einen Satz beginne, ich weiß nicht, wie er enden wird, und trotzdem wage ich es - Alois Hotschnig über den in Zagreb lebenden kroatischen Übersetzer Sead Muhamedagić

  • Held der Geschichte [2]

    TitelbildDer Schriftsteller Multatuli ist einer der berühmten Vergessenen - In den Niederlanden wird er dieses Jahr groß gefeiert und fast täglich zur Auferstehung gebracht

  • Schlaues Wasser mit Honig [4]

    TitelbildNa bumm, dachte ich mir. Der Mann gefällt mir. Ich werde ihn nicht mehr aus den Augen lassen. Doch das erwies sich als schwierig.

  • Konrad Paul Liessmann

    Wir beide treiben ein Spiel [128]

    TitelbildUnsere erste Begegnung fand in einem Wirtshaus statt. Dort saßen wir zufällig nebeneinander am Tisch - Das ist nun tatsächlich schon 25 Jahre her

  • Aus dem Rahmen [9]

    TitelbildÜber Karl Valentin - Für Friedrich Achleitner zum Beginn seiner 81. Sonnenumrundung

  • Fotos um mich herum [4]

    TitelbildImmer wieder schaue ich ihre Fotos an. Ich frage mich, was ich über sie weiß. Hatten sie Freundinnen? Wohlgehütete Geheimnisse?

  • Schreiben als einziger Ausweg

    Titelbild"Nur was ich vergessen soll, vergesse ich nicht." 30 Jahre verbrachte Nelly Sachs, die Berliner Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin, im schwedischen Exil

  • Beim Kanzler, 1977 [26]

    TitelbildDer Kanzler ist sechsundsechzig, er mag die kritischen Jungen im Land, die ließen ihn wichtige Wahlen gewinnen. Der Redakteur ist siebenundzwanzig, hat einen Kassettenrekorder mit

  • Ein Leben auf Grundstufe

    TitelbildKlaus Adomeit war kein Philosoph, er tat Dinge, die eines Philosophen würdig gewesen wären

  • Fürchten müssen [3]

    TitelbildSo viele Orte, Namen und Eindrücke ihm das Vergessen auch nahm, genügend Berggipfel, um zu benennen, wohin er nicht mehr musste, fielen ihm fast bis zum Ende ein

14 Postings

Als Zusatz noch Buchempfehlungen sowie interessante Links zum Thema "Umgang in der zweiten und dritten Generation mit dem Holocaust:
Harald Welzer (u.a.)-Opa war kein Nazi: Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis/Claudia Brunner, Uwe von Seltmann-Schweigen die Täter reden die Enkel/Ute Scheub-Das falsche Leben. Eine Vatersuche/Niklaas Frank-Der Vater. Eine Abrechnung

http://www.zeit.de/2010/45/E... fer-Taeter / http://www.zeit.de/2010/45/E... ugendliche / http://blog.zeit.de/schueler/... zialismus/ (Artikel-Sammlung für SchülerInnen)

Und ein Film: http://www.youtube.com/watch?v=2n8O1O4vDr8 (2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß -Malte Ludin über seinen Nazi-Vater.)

"Konflikte sind oft besser als bleiernes Schweigen. "

Zum Thema "Vedrängungsmechanismen" (Vor- und Nachteile) innerhalb der 2. und 3.Generation "nach dem Nationalsozialismus" hat der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidtbauer im ZEITmagazin vom 04.11.2010 einige auch im Text immanente Aspekte beleuchtet (Link: http://www.zeit.de/2010/45/E... midbauer):
„Konflikte sind oft besser als bleiernes Schweigen. […] Das war schon in der ersten Generation nach dem Krieg nicht der Fall. Die Eltern, die den Nationalsozialismus erlebt hatten, haben nie über Hitler geredet, aber gerade deshalb haben die Kinder immer über Faschismus geredet. Der Abstand befreit das Erinnern. Man kann forschen und sich für diese Zeit interessieren, ohne die Befürchtung zu haben, jemanden zu kränken."

Ein typisch Österreichischer Umgang mit der Vergangenheit.

Eigentlich wärs recht einfach herauszufinden, was Opa im Krieg gemacht hat. Man müsste sich halt ein bisserl Arbeit machen und recherchieren. Aber das will man ja nicht. Lieber alles unter den Teppich. Opa war im Krieg? Mit Naziabzeichen? Pfui, das wollen wir nicht herzeigen. Ab in den Mist.

Welche Familie in Österreichs hat keine Nazis im Stammbaum? Wohl keine. Es ist Teil unserer Geschichte. Und es wäre erheblich heilsamer, würden wir uns dem stellen, anstatt die Fotos wegzuschmeißen und unangenehme Gedanken mit ein paar Schlucken Schnaps hinunterzuspülen. Wer so handelt, huldigt selbst der Verdrängung und sollte seinen Vorfahren deshalb lieber keine Vorwürfe in diese Richtung machen...

einem 17jährigen, der in einer politisch korrekten Aufwallung so handelt wie BP würde ich Respekt entgegenbringen... Aber so ist das irgendwie etwas schal... Opa in den Mistkübel, naja... Wenn's hilft

"Auf der ersten Seite ist sein Foto mit Klammern angeheftet, er hält eine Tafel mit der geheimnisvollen Nummer 19740. Ich befürchte, auch dieses Geheimnis werde ich nie enthüllen können."

Manchmal übersieht man das Offensichtliche, weil es direkt vor der Nase liegt:
Oben erkennt man den Schriftzug "Dienstbuch Nr." und im folgenden Feld steht durchgestrichen "19740". Das war offensichtlich seine Dienstnummer. Ich vermute, dass die Leerzeilen auf diesem Blatt schon ausgefüllt wurden, bevor die Photos bei der Hand waren und dann jemand anderer später die Bilder einheften musste. Damit derjenige dann das richtige Photo ins richtige Buch einklebte, wurde die Nummer dann mitphotographiert.

Ein Mensch imBild

Aus dem Bild geht ja doch klar hervor, dass Beyerls Grossvater Mitglied der Organisation Todt war. Die Stempel mit dem Hakenkreuz und Reichsadler waren in jedem offiziellen Dokumenten zu finden. Meiner Erinnerung nach ist die OT in Nürnberg nicht zu den
Naziorganisationen gezählt worden Aber das ist alles schon weit über ein halbes Jahrhundert her und ich habe viel wichtigeres inzwischen vergessen.
Christof Wieser

... für ein Text??

Ja, es ist nicht "Todd", sondern "Todt". Egal? Vielleicht. Sollte aber nicht dem Autor und der Redaktion, denn der Text offenbart Abgründe: statt sich mit Schnaps zu stärken, wäre Recherche und gezielte Fragen dem Autor besser gestanden.

Eine derart dumpfe Position gegenüber dem Thema und einer Familiegeschichte ist dem Standard EINE GANZE SEITE wert? Da müsste man redaktionell erläutern, warum. Bei einem solchen Text, der sich "Erzählung" nennt, die keine ist schauerlich.

Wer hat Sie gezwungen den Artikel zu lesen?

dümmliches totschlag-argument!

man liest einen artikel, der interessant sein könnte, ist enttäuscht oder verärgert - und wird dann wohl kritische anmerkungen machen dürfen.

danke - genau das war auch mein eindruck!

wenn mir zu zu meinem nazi-großvater (auch ich hatte einen solchen) nichts differenzierteres einfällt als unter zuhilfenahme von alkohol einen bilderrahmen zu zertrümmern und dann ein foto wegzuschmeißen, dann sollte ich besser fern der öffentlichkeit mit der aufarbeitung meiner familiengeschichte beginnen.
nachdenken in nüchternem zustand könnte jedenfalls schon einmal nicht schaden.

Die OT war eine der Organisationen die durch das Kontrollratsggesetz 2 verboten wurden ...

und ich kann mir nicht vorstellen das eine Organisation die auf 1.2 Mio. Zwangsarbeiter zurückgegriffen hat als "nicht nazionalszialistische" gelten kann.

Und der Grossvater war im Süden Russlands entweder für den Bau von Infratruktur für die versorgung der wehrmacht oder direkt für die versorgung dieser zuständig.

aber wenn der autor mehr wissen will (und meiner meinung nach ist es immer gut mehr wissen zu wollen) ->es gibt sicher archive in denen man genau nachschauen kann wo die einheit gearbeitet hat der sein grossvater angehört hat. bzw an was die gearbeitet haben.

Ich würde mir wünschen...

alle die über das Thema schreiben mit ihren Betrachtungen vielleicht am Besten 1789 anfangen würden.. das ist zwar nicht brauchbar für das Entschulden aus der Perspektive der Nachgeborenen aber es würde helfen das naive "wie konnte es dazu kommen" etwas zu erhellen..

mein opa

war ein nazi. haben mir meine eltern erzählt. einer aus freien stücken, ungezwungen und mit voller absicht. und zu der zeit, als ich das erfahren haben, war ich nicht im geringsten in der lage, zu begreifen was das wohl zu bedeuten hatte. er war ein stiller, freundlicher, älterer herr - aber ich bin froh, wenigstens heute darum zu wissen was ein nazi war und immer noch ist...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.