Große Mehrheit weiß sich bei Kleinigkeiten wie Schnupfen und Erkältungen selbst zu helfen
Selbstmedikation - Österreicher können sich durchaus damit anfreunden
Große Mehrheit weiß sich bei Kleinigkeiten selbst zu helfen
Wien - Das Thema Selbstmedikation ist zuletzt zu einem Zankapfel zwischen Apotheker- und Ärztekammer geworden: Während die Pharmazeuten ein enormes Einsparungspotenzial für die Kassen orten, glaubt man bei den Medizinern, dass man sich durch unerkannte schwere Krankheiten Folgeprobleme erkaufen würde. Was halten die Österreicher davon? Eine große Mehrheit kann sich laut einer Oekonsult-Umfrage (ohne Auftraggeber) - bei geringfügigen Beschwerden - durchaus mit der Selbstmedikation anfreunden.
Dass Ärzte nicht ein langes Medizinstudium absolviert haben, um ihre Zeit mit triefenden Nasen und bellendem Husten zu vergeuden, wird von 81 Prozent der 1.311 Befragten so gesehen. 59 Prozent hegen sogar nicht den leisesten Zweifel, dass Ärzte "ja wirklich Wichtigeres zu tun" hätten. Andererseits beansprucht fast ein Zehntel auch bei Schnupfen Beachtung durch Mediziner.
Mündig genug für Selbstmedikation
Die überwiegende Mehrheit fühlt sich mündig genug, selbst zu entscheiden, ob sie im Fall des Falles wirklich ärztlichen Rat benötigt. 88 Prozent halten es für vertretbar und angebracht, sich etwa im Falle einer Erkältung in Eigenverantwortung Heilendes und Linderndes aus der Apotheke zu besorgen. Lediglich vier Prozent lehnen diese Art von Selbstmedikation als völlig unangebracht ab.
Mehr als 68 Prozent verneinen, von ihrem Arzt auch bei einer vermeintlichen Kleinigkeit gründlich untersucht zu werden. Fast genau so viele glauben logischerweise, dass es wenig Sinn hat, dennoch zum Arzt zu gehen, um dadurch eine eventuell ernsthaftere Krankheit diagnostizieren zu lassen.
Einsarungspotenzial
Das Einsparungspotenzial durch Selbstmedikation wird von den Patienten durchaus gesehen, ebenso aber auch der Nutzen, sollten Mediziner mehr Zeit für Gespräche sowie ernsthafte Anliegen haben - und dadurch auch besser bezahlt werden. Beratungspotenzial bezüglich alternativer Behandlungsmöglichkeiten sehen 90 Prozent in einem Gespräch in der Apotheke. Drei Viertel haben sogar die Erfahrung gemacht, dass ihnen dort bei kleineren Wehwechen mehr Zeit, Aufmerksamkeit, Geduld und Zuwendung geschenkt wird als beim Arzt.
Wenn sich die Mediziner gegen Selbstmedikation aussprechen, nimmt ihnen nur ein Drittel ab, dies aus Sorge um das Patientenwohl zu tun. Zwei Drittel glauben vielmehr, dass es ihnen dabei um die Sicherung ärztlicher Einkommen geht.
Reaktionen
Die Reaktionen auf die Oekonsult-Umfrage fielen durchaus unaufgeregt aus: Der Apothekerverband sieht sich
bestärkt, und die Ärztekammer keinen Änderungsbedarf, da die
Untersuchung ohnehin die Realität bestätigen würde.
Dass sich eine große Mehrheit bei geringfügigen Beschwerden wie Husten oder Schnupfen selbst behandelt, spiegle die gegebene Situation wider, betonte der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Günther Wawrowsky. Er sieht daher in der Selbstmedikation auch keinen Zankapfel. (APA)