Österreichische Autofahrerinnen wechseln in der Regel brav ihre Reifen schon lange, bevor die Mindestprofiltiefe erreicht ist
Die österreichischen Autofahrerinnen folgen in der Regel brav den Empfehlungen der Autofahrerclubs und Reifenhersteller und wechseln ihre Reifen schon lange, bevor die Mindestprofiltiefe erreicht ist.
Sicherheitstechnisch ist das sicher richtig, ressourcenschonend nicht. Viele dieser Reifen werden dann aber noch einmal verkauft, vorzugsweise in den Osten und bis nach Afrika, wo sie üblicherweise noch ein langes Leben vor sich haben, bis sie platzen.
Dass alte Reifen einfach auf einer Deponie landen oder irgendwie verbrannt werden, kommt heute bei uns kaum mehr vor, erstens weil dies verboten ist, und zweitens weil alte Reifen mittlerweile ein beliebter Rohstoff sind. Die Zementindustrie freut sich darüber, weil Altreifen den Brennwert von Kohle besitzen, viel billiger sind und durch die extrem hohen Temperaturen im Zementofen nahezu rückstandsfrei verbrannt werden können. So bezieht die Zementindustrie österreichweit acht Prozent ihrer Energie aus Altreifen. In einzelnen Anlagen sind es bis zu 20 Prozent Energie aus alten Pneus, die dem Prozess beigegeben werden können.
Die EU steht aber auf dem Standpunkt, dass die stoffliche Wiederverwertung vor dem Verbrennen kommen sollte, das ja oft auch elegant thermisches Recycling genannt wird. So wird nun vermehrt versucht, aus alten Reifen neue Kunststoffprodukte herzustellen. Das ist aber nicht so einfach. Üblich ist die Beimengung von Gummigranulat in Boden- und auch Straßenbeläge. Die Herstellung höherwertiger Kunststoffprodukte ist schon schwieriger, etwa Gummimanschetten. Das Runderneuern von Reifen, also das Aufziehen einer neuen Profilschicht, wenn die alte abgefahren ist, spielt beim Pkw fast keine Rolle mehr. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/15.10.2010)