Kontrastprogramm: Schwarz auf Weiß

15. Oktober 2010, 16:56
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Bei Winterreifen ergeben sich bei genauerem Blick immer wieder erstaunliche Unterschiede. Diesmal sogar echte Überraschungen, im Guten wie im Bösen

Das Reifentesten, wenn es denn seriös gemacht sein soll, um auch verlässliche Ergebnisse zu bringen, ist eine enorm aufwändige Tätigkeit und kostet in der Folge auch echt Kohle. Um das Vorhaben leichter zu stemmen, haben sich europäische Autofahrerclubs und Konsumentenschützer für diesen Zweck zusammengeschlossen und testen gemeinsam das ganze Jahr über Autoreifen. Die Ergebnisse werden dann in zwei Durchgängen veröffentlicht: Sommerreifen naturgemäß im Frühjahr, Winterreifen im Herbst.

Aus Österreich sind der ÖAMTC und der Verein für Konsumenteninformation dabei. Diesmal ging es um die Dimension 185/65 R 15 T, eine ziemlich universelle Größe, die von Kleinwagen über die Kompaktklasse bis hinauf in die Mittelklasse reicht, wenn es sich bei Letzteren um etwas ältere Fahrzeuge handelt. Außerdem wurde noch die Größe 225/455 R 17 H getestet, die ebenfalls ein sehr breites Spektrum abdeckt, nämlich vom sportlichen Kompakten (Audi A3) bis zur großen Limousine (Skoda Superb).

Auch wenn alle Reifen schwarz und rund sind, gab es doch einige überraschende Ergebnisse. Etwa dass prominente Marken, die für ihre hohe Qualität bekannt sind, vereinzelt ziemlich weit nach hinten rutschten. So landete der Vredestein Quatrac 3 nur an vorletzter Stelle noch hinter dem in China produzierten koreanischen Kumho. Der Vredestein ist allerdings ein Ganzjahresreifen. Bei der breiteren Dimension konnten Pirelli und Yokohama nur mehr die Chinareifen hinter sich lassen.

Versuchshalber wurden dieses Mal auch Tests bei Schneematsch durchgeführt. Wie erwartet stellte sich dies als schwierig heraus, da der gewünschte Schneematsch nur in einem sehr schmalen Temperaturfenster knapp über null Grad existiert. Schon die ganz normalen Temperaturschwankungen über den Tag sind da ein Problem. Deshalb gibt es diesmal auch noch kein Detailergebnis dazu, aber eine ganz klare Erkenntnis: Ein Reifen, der bei Aquaplaning gut ist, funktioniert auch bei Schneematsch. Ein Reifen, der in der wassergefüllten Spurrinne versagt, kann auch nicht mit Schneematsch umgehen.

Wieder einmal machte dieser Test klar, dass Winterreifen ganz deutlich die bessere Aquaplaningleistung hinkriegen als Sommerreifen gleicher Dimension. Und erneut zeigte sich ein dramatischer Unterschied beim Bremsen. Das fällt weniger beim Bremsweg auf (acht Meter liegen zwischen Bestem und Schlechtestem), dafür aber bei der Restgeschwindigkeit: Während der Testsieger schon stillsteht, donnert der Wagen mit dem chinesischen Schlusslicht noch mit 35 km/h dahin.

Noch eine knapper Hinweis auf die kommende Kennzeichnungspflicht. Sie tritt 2012 in Kraft, ist also derzeit für den Kauf noch nicht von Belang. Erst ab Mitte 2012 müssen neu produzierte Reifen mit dem Umweltlabel versehen sein, ähnlich den Energieklassen bei Haushaltsgeräten, welches die Schlüsseleigenschaften der Reifen dokumentiert, die da lauten: Treibstoffeffizienz, Bremsen bei Nässe und Lärmentwicklung. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/15.10.2010)

  • Zur Erinnerung: Ab 1. November (bis 15. April) besteht in Österreich 
wieder Winterreifenpflicht. Also rechtzeitig Winterpatschen anziehen - 
ist auch gleich viel sicherer.
    foto: dunlop

    Zur Erinnerung: Ab 1. November (bis 15. April) besteht in Österreich wieder Winterreifenpflicht. Also rechtzeitig Winterpatschen anziehen - ist auch gleich viel sicherer.

  • Informationen:
www.oeamtc.at
www.konsument.at
    grafik: der standard
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