Anleitung zum billigen Fliegen

1. Mai 2003, 19:56
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Low Cost mit System: Mit einer neuen Software will das Reisevertriebssystem Amadeus für mehr Preistransparenz sorgen

Wien - Billig fliegen ist zu einem Volkssport geworden. Kaum eine Woche, in der nicht irgendein Low-Cost-Carrier mit einem speziellen Preiszuckerl aufhorchen lässt. Etablierte Fluggesellschaften wie AUA oder Lufthansa versuchen, mit Sonderangeboten Kunden zu halten und sind manchmal sogar günstiger als so genannte Billigairlines. Mit einer neuartigen Software versucht nun Amadeus, einer der weltweit größten Anbieter von Reservierungssystemen, Transparenz in den unübersichtlichen Markt zu bringen.

Umfassend, sekundenschnell

"Mit wenigen Mausklicks kann man die günstigsten und tatsächlich verfügbaren Flüge auf den Schirm holen", sagte Wilfried Kropp, Chef von Amadeus Österreich, dem STANDARD. Billigairlines wie Ryanair oder Easy Jet, die nur auf Direktvertrieb setzen und kein Reservierungssystem nutzen wollen, werden durch ein spezielles Tool ebenfalls auf den Amadeus-Schirm geholt und buchbar gemacht.

"Auf der Suche nach dem günstigsten Tarif war es bisher notwendig, Dutzende unterschiedliche Websites zu durchforsten. Und selbst dann konnte man noch nicht sicher sein, das wirklich günstigste Angebot gefunden zu haben. Jetzt geht das umfassend und sekundenschnell", sagte Kropp. Die Software, die das ermöglicht, stammt von dem deutschen Unternehmen Ypsilon; Amadeus hat sich die Rechte für Österreich gesichert. Dritter im Bunde ist TLR tours aus Tirol, führender Ticketgroßhändler des Landes, der zu TUI Österreich gehört.

Transparente Preise

Noch im Mai will Kropp das neue System verfügbar machen; bis Jahresende sollen rund 100 der mehr als 1000 Reisebüros angehängt sein. "Für die Reisebüros ist das die Chance, Teile des durch den Onlinevertrieb der Billigcarrier verloren gegangenen Geschäfts zurückzuholen", sagte Kropp. "Der Kunde zahlt zwar Buchungsgebühr, hat aber den Vorteil, dass die Preise transparent sind, und wir selbst verdienen auch."

Neben den Reisebüros will Kropp auch Großunternehmen ansprechen, die aufgrund ihres hohen Geschäftsreiseaufkommens über eigene, spezialisierte Reiseabteilungen verfügen.

Der zunehmende Wettbewerb in der Luft lasse auch mehr und mehr Billigflieger nach breiteren Vertriebskanälen suchen, sagte Kropp. Als Erste hat sich Germanwings in die Amadeus-Buchungsmaschine eingeklinkt. Auch Air Berlin ist inzwischen drinnen. Hapag Lloyd Express und Germania wollen in Kürze folgen. (Günther Strobl, DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.5.2003)

  • Billig, aber wo? Amadeus verspricht transparente Preise.
    montage: derstandard.at

    Billig, aber wo? Amadeus verspricht transparente Preise.

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