Zwei Drittel sehen Pensionen trotz Reform nicht gesichert

1. Mai 2003, 18:59
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STANDARD-Umfrage: Jeder Zweite für Streik auch nach den Änderungen - Mit Grafik

82 Prozent der Österreicher sind der Meinung, dass eine Reform zur Sicherung der Pensionen nötig ist - gleichzeitig vermuten aber 63 Prozent, dass die vom Ministerrat vorgelegte Reform die Pensionen nur kürze, ohne sie zu sichern.

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Linz - Nach Beschluss der Änderungen der Pensionsreform hat das Linzer market-Institut 402 Österreichern zwei Meinungen vorgelegt:

  • "Die einen sagen, dass durch diese Reform die Pensionen künftig zwar geringer, aber auch sicherer sein werden." Dem schlossen sich 29 Prozent der Befragten, vor allem ÖVP-Anhänger, aber auch höher Gebildete an.
  • "Die anderen sagen, dass die Pensionen nur geringer, aber deswegen nicht sicherer sein werden." Das meinen fast zwei Drittel, nämlich 63 Prozent.
    • Kompromisse änderten wenig

      Ganz ähnlich sieht die Bewertung der Abstriche aus, die die Regierung gegenüber dem ersten Entwurf gemacht hat: Da sagen bloß 19 Prozent, die Reform habe für mehr Gerechtigkeit gesorgt - 60 Prozent finden, die Kompromisse hätten "wenig geändert".

      market-Studienleiter David Pfarrhofer: "Dabei bleibt unbestritten, dass eine Reform des Pensionssystems notwendig ist: Nur elf Prozent der Österreicher sind derzeit der Meinung, dass die Pensionen ohne Reform gesichert wären. Aber die Verunsicherung ist so groß, dass allen konkreten Maßnahmen misstraut wird - vor allem natürlich aus der Befürchtung, dass es einen selber besonders treffen würde."

      Dabei falle auf, dass die Pensionsdiskussion an einem Teil der Bevölkerung völlig vorbeigehe - nämlich an den unter 30-Jährigen. Nur jeder Vierte in dieser Gruppe verfolgt die Pensionsdiskussion mit großem Interesse.

      Die Jüngeren sind streikwilliger

      Andererseits sind gerade diese jungen Befragten deutlich mehr mit dem angekündigten Streik einverstanden als die älteren Befragten: Unter den über 50-Jährigen sagt eine relative Mehrheit von 47 zu 38 Prozent, dass ein Streik nicht gerechtfertigt sei - in der Gesamtbevölkerung ist das Verhältnis mit 48 Prozent Befürwortern und 39 Prozent Streikgegnern gerade umgekehrt.

      Die stärkste Ablehnung des Streiks zeigen ÖVP-Anhänger, aber auch jeder vierte Schwarze ist für den Streik. Dagegen sind sieben von zehn Sozialdemokraten streikbereit.

      Pfarrhofer betont, dass nur ein Prozent der Befragten die angekündigte Reform "sehr positiv" findet: "Nicht einmal in der ÖVP gibt es prononcierte Fans." Immerhin 29 Prozent (hier findet sich die Mehrheit der ÖVP-Wähler) sehen die Reform als eher positiv. Dagegen summieren sich "eher negativ" (44 Prozent - darunter jeder zweite Oppositionswähler und jeder vierte ÖVP-Wähler) und "sehr negativ" (16 Prozent) auf satte 60 Prozent. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2003)

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    grafik: derstandard

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