Ein Job für den Informationsminister?

30. April 2003, 18:32
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Arabischer Fernsehsender will Sahhaf "für Talkshows oder als Kommentator"

Dubai - Der arabische Fernsehsender El Arabiya hat dem früheren irakischen Informationsminister Mohammed Said el Sahhaf (63) einen neuen Job angeboten. "Wir hätten ihn gerne für Talkshows, wo die Leute anrufen und Fragen stellen können, oder als Kommentator", sagte der Generaldirektor des Senders, Ali el Hadethi, am Mittwoch der dpa in Dubai. Der seit dem Fall Bagdads am 9. April verschwundene Informationsminister war mit seinen täglichen Briefings während des Irak-Krieges international als "Minister für Desinformation" bekannt geworden.

"Wir versuchen, Kontakt zu ihm aufzunehmen und ihn aus dem Irak herauszubekommen", sagte Hadethi. El Arabiya würde auch helfen, eine Aufenthaltsgenehmigung für Sahhaf in Dubai zu bekommen. "Er ist eine Berühmtheit, und die Menschen hören ihm gerne zu", sagte Hadethi.

"Zwerge" und "Lügner"

Als Informationsminister hatte Sahhaf jeden Vorstoß der US-Truppen hartnäckig dementiert. Auch garnierte er seine höchst eigenwillige Sicht des Kriegsverlaufs gerne mit deftigen Beleidigungen der Amerikaner als "Mörder", "Zwerge" und "Lügner".

Am gestrigen Dienstag hatte es Presse-Meldungen gegeben (derStandard.at berichtete), der Informationsminister habe sich freiwillig den US-Truppen stellen wollen, sei aber von diesen abgewiesen worden. Sahhaf habe sich in den vergangenen vier Tagen im Haus seiner Tante in Bagdad aufgehalten, berichtet die in London herausgegebene arabische Zeitung "Asharq al Awsat" unter Berufung auf einen Kurdenvertreter. Verwandte von Sahhaf hätten regelmäßig in der Nähe seines Verstecks patrouillierende US-Soldaten angesprochen, damit diese den Ex-Minister festnehmen und "schützen" könnten. Die Soldaten hätten dies aber abgelehnt, weil Sahhaf nicht auf dem Kartenspiel mit den meist gesuchten Persönlichkeiten abgebildet sei, das das Pentagon herausgegeben hat. (APA/dpa)

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    Als Informationsminister hatte Sahhaf jeden Vorstoß der US-Truppen hartnäckig dementiert

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