Kneissl beantragt Ausgleich

30. April 2003, 18:14
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Tiroler Skifirma plant reduzierte Fortführung - Auch Verkauf wird diskutiert

Innsbruck - Die finanziell ins Trudeln geratene Skifirma Kneissl & friends GesmbH mit Sitz in Kufstein hat am Mittwoch wie erwartet - Ausgleichsantrag gestellt. Vorerst sei nur der eingeschränkte Fortbetrieb mit 40 der derzeit 65 Mitarbeiter bis Ende Mai gesichert, sagte Walter Hintringer vom Tiroler Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Am kommenden Freitag soll das Ausgleichsverfahren am Landesgericht Innsbruck eröffnet werden. Innerhalb der nächsten Wochen werde in Abstimmung mit dem Ausgleichsverwalter geprüft, ob der momentane Ausgleichsvorschlag von 40 Prozent angemessen und erfüllbar ist, so der KSV.

Die Verbindlichkeiten von Kneissl belaufen sich derzeit auf rund 18 Mio. Euro. Im Hinblick auf die Bilanz 2002, wo noch Verbindlichkeiten in der Höhe von etwa 23 Mio. Euro ausgewiesen wurden, habe heuer eine Reduktion etwa durch den Verkauf des Warenlagers oder von Raichle erwirkt werden können. Die Überschuldung betrage 2,3 Mio. Euro, insgesamt gebe es 250 Gläubiger.

Reduzierte Fortführung ...

Kneissl pant "die Fortführung eines reduzierten Geschäftsbetriebes unter der Marke Kneissl und den Standort in Kufstein", teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Dazu sei in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet worden, "das sich bereits in der Umsetzung befindet".

In Kufstein sollen laut Fortführungskonzept nur noch hochwertige Holzkern-Sandwich-Ski mit einer Jahresproduktion von etwa 15.000 Paar hergestellt werden und eine eigene Entwicklungs-, Marketing- und Vertriebsorganisation inklusive dem Sportshop in Kufstein weiterzuführen. Mit Umsetzung dieses Konzeptes sehe man in Kufstein die Möglichkeit, "Kneissl als kleine, aber feine Tiroler Skimarke zu etablieren". Bereits im Februar angekündigt hat Kneissl die Verlagerung des Großteils der Skiproduktion (rund 85.000 Paar) zu Fischer Ski nach Ried im Innkreis.

... oder Verkauf

Als Alternative zu diesem Konzept "liegt ein Kaufangebot für die Marke "Kneissl" und Teile des Anlagevermögens aus dem Ausland vor", hieß es heute weiter. In diesem Fall würde in Kufstein nur eine Vertriebs- und Serviceeinheit für die Kernmärkte sowie der Sportshop bestehen blieben, so Geschäftsführer Florian Brunner.

Überkapazitäten

Grund für die Kneissl-Insolvenz waren nach Angaben des Unternehmens neben der negativen Geschäftsentwicklung im Ski- und Skischuhbereich die am Markt vorhandenen Überkapazitäten. Im Sportartikelhandel habe in der vergangenen Zeit eine Konzentration auf die im Skiweltcup geführten Marken stattgefunden.

Das Unternehmen hatte schon länger mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Am Karfreitag hatte Kneissl schließlich alle seine 60 Mitarbeiter beim AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet. Alleineigentümer des traditionsreichen Skierzeugers ist die Kneissl Dachstein Sportartikel AG, deren größte Aktionäre die BREG Gesellschaft für Bau und Revitalisierung des Kärntner Bau-Tycoons Hans-Peter Haselsteiner und der Sanierer Erhard Grossnigg sind. (APA)

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