Ex-Geheimpolizei-Chef angeblich zur Kooperation mit Polizei bereit

30. April 2003, 15:16
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Rade Markovic diente unter Milosevic - "Blic news": Dank Dank seiner Hilfe hat Polizei bereits mehrere Mordfälle aus Milosevic-Ära aufgeklärt

Belgrad - Der ehemalige Chef des serbischen Staatssicherheitsdienstes (SDB), Rade Markovic, hat die Bereitschaft bekundet, mit der Polizei zu kooperieren. Markovic soll "Verdienste" bei einigen von der Polizei in den vergangenen Wochen aufgeklärten Mordfällen während der Herrschaft des Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic haben, berichtete die Wochenzeitschrift "Blic news" am heutigen Mittwoch unter Berufung auf Kreise der serbischen Regierungskoalition DOS.

Habe Staatssicherheitsdienst in "klassische politische Polizei" verwandelt

Markovic war als Vertrauensmann der neokommunistischen Jugoslawischen Linken (JUL-Partei) von Milosevic-Frau Mira Markovic im Herbst 1998 als Chef der Geheimpolizei bestellt worden. Er habe den Staatssicherheitsdienst voll in den Dienst der JUL-Partei gestellt und ihn in eine "klassische politische Polizei" verwandelt, sagte der ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter Vladimir Nikolic gegenüber "Blic news".

Bereits zwei Mal zu insgesamt acht Jahren Haft verurteilt

Markovic war im Februar 2001, wenige Monate nach dem Ende der Ära Milosevic (Oktober 2000), abgesetzt und festgenommen worden. Er ist inzwischen bereits zweimal zu insgesamt acht Jahren Haft verurteilt worden. Die Kooperationsbereitschaft soll der 57-jährige Jurist erst zu Beginn der umfassenden Polizeiermittlungen nach der Ermordung von Regierungschef Zoran Djindjic am 12. März bekundet haben, als sein Name im Zusammenhang mit mehreren Mordfällen auftauchte.

Gerüchte von Markovic´ Anwalt noch nicht bestätigt

Die Gerüchte, wonach Markovic in den bevorstehenden Prozessen gegen die Organisierte Kriminalität auch als geschützter Zeuge auftreten könnte, sind seitens seines Anwaltes Dusan Masic bisher nicht bestätigt worden. Masic hat eine solche Möglichkeit aber auch nicht ausgeschlossen. Markovic besitzt beste Informationen über die dunklen Seiten des Milosevic-Regimes in der Zeitspanne 1998-2000. Der serbische Justizminister Vladan Batic hatte bereits angekündigt, dass einige "geschützte Zeugen" in der Öffentlichkeit für enorme Überraschung sorgen werden.

Verhalf Milosevic-Sohn zur Flucht nach Moskau

Markovic selbst hat bisher stets seine volle Ergebenheit gegenüber der Familie Milosevic bekundet. Im Oktober 2000 verhalf er dem Milosevic-Sohn Marko zur Flucht nach Moskau, indem er ihm einen gefälschten Pass besorgte. Als Belastungszeuge vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal im vergangenen Sommer war er für die Anklage eine herbe Enttäuschung. Markovic entpuppte sich eher als Entlastungszeuge.

Zwei Strafanzeigen eingereicht

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen zwei Strafanzeigen gegen Markovic eingereicht. Die erste wegen Verwicklung in die Ermordung des serbischen Ex-Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 und die zweite wegen des Attentats auf Oppositionsführer Vuk Draskovic im Juni desselben Jahres. Der Ex-Geheimpolizeichef muss damit rechnen, den Großteil seines Lebens im Gefängnis verbringen zu müssen.

Otpor beantragt Öffnung der Dossiers der Geheimpolizei

Unterdessen hat am Mittwoch die serbische Studentenorganisation "Otpor" die Öffnung von Dossiers der Geheimpolizei aus den neunziger Jahren beantragt. Die Forderung erfolgte laut Medienberichten, nachdem am Dienstag ein ehemaliger SDB-Mitarbeiter im Prozess gegen den jugoslawischen Ex-Staatschef Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erklärte, dass die SDB im Jahre 1993 den aktuellen serbischen Vizeministerpräsidenten Mile Isakov "unter eigene Kontrolle" gestellt hatte. Isakov selbst hat die Kontakte zur Geheimpolizei bereits bestritten.

Auskunft über Kooperation von Oppositionsfunktionären mit Geheimdienst verlangt

"Otpor" verlangt nun Aufklärung darüber, wie der SDB während der Milosevic-Ära die Oppositionsführer überwachte. Die Organisation will auch wissen, ob einzelne Oppositionsfunktionäre je mit der Geheimpolizei kooperiert haben. Nach der Wende in Belgrad im Oktober 2000, zu der die Studentenorganisation aktiv beigetragen hatte, machte die Polizei einen Teil der Dossiers der Geheimpolizei für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine komplette Einsicht ist aber bis dato nicht gestattet worden.(APA)

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    Rade Markovic will mit der Polizei kooperieren.

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