Den Deutschen ein Bein stellen

30. April 2003, 21:37
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In der Zwischenrunde soll der erste WM-Sieg seit 69 Jahren gegen den Erzrivalen erzielt werden - Vom Viertelfinale darf geträumt werden

Helsinki - Die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft ist bei der WM in Finnland souverän in die Zwischenrunde gestürmt, nun will die Mannschaft von Herbert Pöck nach einem Ticket für das Viertelfinale greifen. Mit dem 6:2 über Slowenien sicherte sich das ÖEHV-Team am Dienstag den Klassenerhalt und geht mit viel Selbstvertrauen in die nächste Runde. Die Auslosung lässt hoffen. Neben Weltmeister Slowakei sind Deutschland (Auftaktgegner am Samstag, 15:00) und die Ukraine die Gegner und damit zwei Mannschaften, die in Reichweite der Österreicher liegen.

Gute Leistung gegen Slowenien

Jahrelang zitterte sich Österreich in die Zwischenrunde, gegen Slowenien ließen Kalt und Co. diesmal von Beginn weg keinen Zweifel aufkommen. "So überlegen hat eine österreichische Mannschaft so ein wichtiges Spiel lange nicht mehr gewonnen. Entscheidend war die Führung, dann sind wir immer ruhiger geworden", freute sich Verbandskapitän Giuseppe Mion.

Erst einmal im Viertelfinale

Mit dem zweithöchsten rot-weiß-roten Sieg in zehn Jahren A-WM (nach dem 10:0 gegen Großbritannien vor neun Jahren) wurde das erste Etappenziel erreicht. Doch nun liegt die Latte hoch. Erst einmal, bei der WM 1994 in Italien, stand Österreich im Viertelfinale. Zwei Siege sind nötig, um wieder in die Top-Acht zurück zu kehren.

Steigerung erforderlich

"Jetzt können sie zeigen, ob ein weiterer Schritt möglich ist. Durchschnittsleistungen genügen nicht, aber wir wollen mit den Jungen weiter kommen", erklärte Verbandspräsident Dieter Kalt, der für die Spieler eine Prämie auslobte. Gelingt der Einzug ins Viertelfinale, erhält jeder Spieler zu den 1.090 Euro, die pro Kopf für den Klassenerhalt ausbezahlt werden, weitere 2.180 Euro.

Pöck soll bis zur Heim-WM bleiben

Der Verband selbst würde finanziell ebenfalls profitieren. 525.000 Schweizer Franken (348.259 Euro) gibt es für die besten acht Mannschaften, 175.000 Franken (116.086 Euro) sind für den Aufstieg in die Zwischenrunde schon fix. Und auch für den Teamchef gibt es nach dem Klassenerhalt eine "Belohnung". Der Verband will die Option auf Vertragsverlängerung bis zur Heim-WM 2005 ziehen. "Es soll keine Eintagesfliege sein. Der Plan ist, mit Pöck bis 2005 zu arbeiten. Das ist klar, wenn der Erfolg da ist", sagte Kalt.

Chance auf Aufmerksamkeit

Fixiert soll die Vertragsunterzeichnung nach der WM werden. Pöck hofft, als Teamchef eines Viertelfinalisten unterschreiben zu können. "So eine Chance haben wir vielleicht zehn Jahre nicht mehr. Daher ist die Gefahr, dass sich die Spieler mit dem erreichten Ziel zufrieden geben, praktisch null. Die Jungen haben die Chance, bekannt zu werden. Wenn wir das Viertelfinale schaffen, werden die Scouts fragen, wer spielt denn da bei den Österreichern", ist Teamchef Pöck überzeugt.

Nächster Gegner Deutschland

Gleich zum Auftakt (Samstag, 15:00) steht die entscheidende Partie gegen Deutschland auf dem Programm. "Sie sind physisch, taktisch und mental sehr stark und haben sehr gute Torhüter. Spielerisch sind sie eher Mittelmaß", analysierte der Teamchef, der in seinen 126 Länderspielen nur einmal selbst gegen Deutschland spielte. Die Erinnerungen sind nicht die besten. Bei Olympia 1988 in Calgary (1:3) knallte Pöck im Mitteldrittel auf das Eis und musste drei Tage im Krankenhaus verbringen.

Letzter WM-Sieg gegen Deutschland 1934

Es war nur eine Niederlage in einer Serie von Enttäuschungen in den Prestige-Duellen gegen Deutschland. Der einzige WM-Sieg liegt schon 69 Jahre zurück, als Österreich bei der WM 1934 in Mailand mit 2:1 gewann. Das 2:2 in Bozen 1994 wurde aber auch als Erfolg gefeiert, Österreich schaffte den Aufstieg ins Viertelfinale, Deutschland fuhr nach Hause. Neun Jahre später soll es wieder so sein.

Auch Ukraine in Reichweite

Der für den Aufstieg nötige zweite Erfolg ist gegen die Ukraine eingeplant. In der Vorbereitung gab es in Kiew eine 1:3-Niederlage und einen 3:1-Sieg. "Sie sind offensiv ein bisschen besser, aber in der Defensive sehr anfällig. Im zweiten Spiel waren wir klar besser", sagt Pöck. Gegen die Slowakei, die mit Stars wie Bondra, Palffy, Satan oder Stumpel zur Titelverteidigung angereist ist, wird wohl wenig zu holen sein. Gegen die Ukraine (9:3) und Japan (10:1) tobten sich die NHL-Stars schon zwei Mal kräftig aus.(APA)

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    Kommt ein Deutscher geflogen...

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