Folter und "Erlebnistheater"

30. April 2003, 14:45
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"amnesty" im dietheater Künstlerhaus macht in Kürze Zuseher zu Tätern und Opfern

Wien - Ein brisantes Theaterprojekt der Villacher "neuebuehnevillach" zum Thema Folter und Menschenrechte ist vom 14. bis zum 17. Mai nun im Wiener dietheater Künstlerhaus zu sehen: Bei dem "Erlebnistheater"-Stück namens "amnesty" wird das Publikum zu Tätern und Opfern in einem "Konzentrationslager der Gegenwart".

Eine "dramatische Erfahrung an einem geschützten Ort", die für die Themen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sensibilisieren soll, schilderte Regisseur und "neuebuehnevillach"-Intendant Michael Weger am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien.

Real existierende Hölle

"Im Lager Makala wirst du getötet und dann wie alle anderen in den Fluss geworfen": Ein real existierendes Lager im Kongo, "eines der schlimmsten der Welt" (Weger), ist der Handlungsort des Stückes. Das Publikum, denen Fingerabdrücke abgenommen werden, wird am Eingang in Lagerinsassen und -wärter aufgeteilt, die in einem stilisierten (aber offenen) Käfig auf der Bühne aufeinander treffen.

Während der Spielphase interagieren die beiden Gruppen: Die Wärter befehlen lauthals und schlagen mit Schlagstöcken auf die Gitterstäbe (was als Schlag auf den Kopf der Gefangenen gilt). Die Insassen haben zu folgen. Bis sie nicht nur sprichwörtlich den Boden küssen.

Originaldokumente als Basis

Der Handlungsablauf basiert auf von Amnesty International zur Verfügung gestellten Originaldokumenten. Sitzgelegenheiten gibt so wie in Villach, wo die Produktion im Dezember zu sehen war, es keine. In das Publikum gemischt - ohne dass dieses es weiß - sind Schauspieler, die als "Animateure, auch wenn das das völlig falsche Wort ist," (Weger) dienen. Diese haben in Wien gegenüber Villach weiterentwickelte Vorgaben, auf welche Weise sie das Publikum unbemerkt steuern können.

"Es ist eine ganz besondere Theatererfahrung", so "dietheater"-Leiter Christian Pronay. Obwohl Theaterdirektoren "normalerweise sehr abgebrüht" seien, habe ihn "amnesty" "wirklich getroffen". Angst muss man jedoch keine haben: "Physisch passiert nichts. Psychisch jedoch geht es manchen sehr tief", so Weger. Auch können die Besucher jederzeit "aussteigen". "Es gilt immer die Theatervereinbarung: 'Es passiert mir nichts'", betonte Weger. Obwohl das dietheater Künstlerhaus "eine Verschiebung vom üblichen Theaterpublikum zu Menschen, die am Thema interessiert sind", erwartet, ist Pronay eines klar: "Die, die eigentlich hingehen sollen, weil sie es dringend brauchen, werden sicher nicht kommen".

Austritt statt Eintritt

Der Abend, der von einer auf Band eingespielten Augenzeugenschilderung eines ehemaligen Insassen des realen Makala und einem Gespräch mit Experten von Amnesty International abgeschlossen wird, soll den "Zugang zu und das Bewusstsein von Menschenrechtsverletzungen verändern", schilderte Michaela Klement von Amnesty International. Eintritt gibt es keinen, die Besucher zahlen am Ende einen "Austritt", der nach eigenem Ermessen entweder ganz wegfallen oder auch gegenüber dem normalen Kartenpreis erhöht ausfallen kann. Mehreinnahmen gehen an die Menschenrechtsorganisation.

Es gibt eigene Schülervorstellungen für Jugendliche ab 14 Jahren, die Vorstellung am 17. 5. ist in englischer Sprache gehalten. Mit den Aufführungen im dietheater Künstlerhaus kehrt das Stück an seinen Ursprungsort zurück: "Hier hatte ich erstmals die Idee für 'amnesty'", schilderte Weger. "Ich dachte mir: In diesen Raum muss man ein Gefängnis stellen". (APA)

Service

"amnesty. drama experience"
14. bis 17. 5. (20 Uhr) im dietheater Künstlerhaus

Reservierungen und Info unter 587 05 04 oder per e-Mail

Link

dietheater.at

neuebuehne
villach.at


  • "amnesty"- Szenenfoto aus der Villacher Produktion
    foto: neuebühnevillach/günter jagoutz

    "amnesty"- Szenenfoto aus der Villacher Produktion

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