Radikale Palästinesergruppen:
Hamas, Jihad-Islami und Al-Aksa Brigaden

30. April 2003, 14:32
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Jerusalem/Ramallah - In seinem angekündigten Kampf gegen die Gewalt stößt der neue palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas (Abu Mazen) auf den erbitterten Widerstand bewaffneter Gruppen. Zu dem Selbstmordanschlag auf ein Cafe in Tel Aviv bekannten sich am Mittwoch die extremistischen Al-Aksa-Märtyrerbrigaden und die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden. Letztere sind der bewaffnete Arm der radikalen Hamas, während es sich bei den Al-Aksa-Märtyrern um radikale Elemente der von Abbas mitbegründeten Fatah-Bewegung von Präsident Yasser Arafat handelt.

Hamas

Die Bewegung entstand während des Volksaufstands (Intifada) in den besetzten Gebieten von 1987 bis 1993. "Hamas" ist eine Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes". Ihre Hochburg liegt im Gaza-Streifen. Ihr militärischer Arm "Ezzedin el Kassam" hat sich zu einer Reihe von Selbstmordanschlägen bekannt. Ezzedin el Kassam war ein nationalistischer arabischer Scheich, der 1935 im Kampf gegen die damalige britische Mandatsmacht umkam.

Der Gründer und geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, war 1997 nach zehnjähriger Haft in Israel auf jordanischen Druck freigelassen worden. Der damalige König Hussein hatte Yassins Freilassung ultimativ verlangt, nachdem zwei mit gefälschten kanadischen Pässen ausgestattete Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad nach dem gescheiterten Versuch, den Hamas-Führer Khaled Mechaal in Amman zu ermorden, von den jordanischen Behörden festgenommen worden waren.

Die Hamas fördert eine Reihe sozialer Projekte in den Palästinensergebieten und sichert damit ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Sie ist die stärkste Oppositionsbewegung gegen Arafat. Nach israelischen Angaben wird sie finanziell sowohl vom Iran als auch von Saudiarabien unterstützt.

Jihad-Islami

Eine der für Israel gefährlichsten Untergrundorganisationen, die Gruppe "Jihad Islami" (Islamischer Heiliger Krieg), entstand vor über zwei Jahrzehnten. Der Extremistenführer Fathi Shkaki, der in Kairo Medizin studierte und seit 1979 in einem Jerusalemer Krankenhaus arbeitete, gilt als ihr Gründer. Er wurde im Oktober 1995 auf der Insel Malta erschossen - vermutlich von israelischen Mossad-Agenten. Zuvor hatte er viele Monate in israelischen Gefängnissen verbracht und dennoch die Fäden der Organisation in der Hand behalten. 1988 wurde der glühende Anhänger der iranischen Revolution von den Israelis in den Libanon deportiert, später ging er nach Damaskus. Von dort aus rekrutierte er Anhänger in mehreren Ländern und dirigierte mit einem ausgeklügelten Netz von Kurieren die Zellen seiner Organisation in den von Israel besetzten Gebieten. Eine Reihe blutiger Anschläge und Selbstmordattentate vor allem nach dem israelisch-palästinensischen Grundlagenvertrag 1993 wurde der Organisation angelastet. Shkaki sagte einst in einem Interview, "wirklicher Frieden kommt erst, wenn Israel von der Landkarte verschwindet."

Jihad Islami ist in den Palästinensergebieten eine Untergrundgruppe und offiziell verboten. Ihre Mitglieder werden verfolgt und müssen mit Gefängnisstrafen rechnen. "Jihad" bedeutet die religiöse Pflicht der Moslems, ihre Religion notfalls auch mit Gewalt zu verbreiten. Ein Jihad impliziert nach Auffassung islamischer Rechtsgelehrter aber nicht notwendiger Weise einen Aufruf zum Krieg. Vielmehr sollen die Gläubigen den Jihad "sowohl mit dem Herzen" (gegen sich selbst), der "Zunge und Hand" (zur Überzeugung und als Beispiel für andere) sowie mit dem "Schwert" führen. Doch sind in der mehr als 1300 Jahre langen Geschichte des Islam Kriege immer wieder mit dem Begriff religiös motiviert worden.

Al-Aksa Brigaden

Benannt nach der Moschee in Ost-Jerusalem, einem der wichtigsten islamischen Heiligtümer. Sie setzen sich aus radikalen Fatah-Mitgliedern zusammen, die sich der Kontrolle durch die Fatah-Führung entziehen. Die Fatah ist die mit Abstand stärkste Teilorganisation der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Hamas und Jihad stehen dagegen außerhalb der PLO. (APA)

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