Ankerbrot: Suche nach Investoren dauert an

30. April 2003, 15:21
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Müller-Finanzchef: "Es gibt sehr ernsthafte Gespräche"

Wien - Die Verhandlungen über die Zukunft des österreichischen Traditionsbäcker Ankerbrot zwischen dem deutschen Eigentümer Müller, den Banken und möglichen Investoren dürften sich noch ziehen. "Es gibt sehr ernste Gespräche mit Investoren", hieß es am Mittwoch von Müller-Finanzchef Wolfram Olschowy. Es sei davon auszugehen dass auch die Banken bei ihren Entscheidungen die Gespräche mit möglichen Investoren abwarten werden. Frisches Geld dürfte von den Banken jedenfalls nicht zu erwarten sein, im Gespräch seien hingegen Stundungen und Nachlässe, heißt es dem Vernehmen nach.

Ankerbrot verhandelt derzeit mit Finanzinvestoren, die den Anteil der deutschen Müllerbrot ganz oder teilweise übernehmen wollen. Einer der Interessenten ist, wie berichtet, die Münchner Investmentgesellschaft Orlando, die mit dem Wiener Sanierer Erhard Grossnigg zusammenarbeitet.

Tilgungsmoratorium läuft aus

Das mit den Banken am Jahresbeginn vereinbarte Tilgungsmoratorium, wonach für einen einmaligen Investitionskredit nur die Zinsen und keine Kapitalrückzahlung geleistet werden musste, läuft am Mittwoch aus. Über eine mögliche Verlängerung wurde derzeit noch nicht entschieden. Mit den Banken werde aber laufend verhandelt, hieß es aus Bankenkreisen.

Aufschub

Dem von Ankerbrot angestrebten Aufschub von Darlehenstilgungen an atypisch stille Gesellschafter will die Investmentfirma Kapital & Wert nur im Rahmen eines Gesamtpaketes zustimmen. Konkret geht es dabei um 9,5 Mio. Euro, die insgesamt 600 Investoren in vier Tranchen bei Ankerbrot eingebracht haben. Bei einem Aufschub um zwei Jahre hat Ankerbrot ein Verdoppeltung der Zinsen auf 4 Prozent angeboten. Wie Kapital-&-Wert-Vorstand Andreas Eder betonte, sei der Deal derzeit noch nicht ausverhandelt, seine Zustimmung hänge von einer Gesamtlösung ab.

Neues Restrukturierungskonzept

Wie berichtet hat Ankerbrot Anfang April den Kreditinstituten ein neues Restrukturierungskonzept vorgelegt, dass damals als "sehr vernünftig" bewertet wurde. Ein Gutachter der Consulter von Trust Value Management hat Ankerbrot empfohlen, sich auf den Großraum Wien zu konzentrieren und das Management zu verstärken. Ankerbrot hat im Vorjahr mit 2.143 Mitarbeitern in 202 Filialen 146,8 Mio. Euro umgesetzt. Für heuer ist ein Umsatz von 148,1 Mio. Euro geplant. Die Zahl der Filialen soll auf 205 geringfügig ausgeweitet die Zahl der Mitarbeiter auf 1.979 Beschäftigte gesenkt werden. (APA)

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