Rumsfeld in Rede an Iraker: "Der Irak gehört Ihnen"

30. April 2003, 16:33
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US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld spricht via Fernsehen und Rundfunk zum irakischen Volk

Bagdad - In einer Rede an das irakische Volk hat US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Mittwoch zugesagt, dass die US-Truppen das Land sobald wie möglich wieder verlassen. Rumsfeld ließ die Rede in Bagdad zur Ausstrahlung per Rundfunk und Fernsehen aufnehmen.

"Hallo, ich bin Don Rumsfeld, der amerikanische Verteidigungsminister. Ich freue mich, im Irak zu sein - Ihrem Land - und Ihre Befreiung zu sehen." Mit diesen Worten begann Rumsfeld seine Rede, die in einem Repräsentationsraum des Palastes des entmachteten Präsidenten Saddam Hussein aufgezeichnet wurde. Sie soll vom US-Militär gesendet werden.

Rumsfeld: "Wir wollen das Land nicht regieren"

Die Aufgabe der von den USA geführten Soldaten im Land sei es, den Irakern dabei zu helfen, in ihrem Land die Kontrolle zu übernehmen und den Wechsel von der Tyrannei zu Freiheit und einer Selbstverwaltung zu schaffen, sagte Rumsfeld. "Lassen Sie es mich klar sagen: Der Irak gehört Ihnen. Wir wollen das Land nicht regieren. Unsere Koalition ist mit einem bestimmten Ziel in das Land gekommen - nämlich, ein Regime zu stürzen, dass Sie und Ihre Familien unterdrückt und uns bedroht hat."

"Unser Ziel ist es, Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen, damit Sie eine Übergangsregierung und schließlich eine freie irakische Regierung bilden können - eine Regierung Ihrer Wahl, eine Regierung nach irakischen Vorstellungen und irakischen Wünschen.", sagte Rumsfeld. "Wir werden so lange bleiben, wie es nötig ist, Ihnen dabei zu helfen, das zu tun, und keinen Tag länger."

Rumsfeld fordert Iraker auf, mit US-Soldaten zusammenzuarbeiten

"Das amerikanische Volk teilt Ihre Freude darüber, dass die Tyrannei vorbei ist", sagte Rumsfeld. "Wir haben gesehen, wie Sie Ihre Freiheit begrüßt haben - wie Sie Denkmäler Saddam Husseins gestürzt haben, wie Sie zum ersten Mal seit Jahrzehnten in Freiheit gebetet haben, wie Sie über die Zukunft Ihres Landes diskutieren und sich darüber streiten, ohne Furcht vor Folter oder Tod."

Rumsfeld forderte die Menschen zudem auf, mit den US-Soldaten zusammenzuarbeiten und mitzuhelfen, dass die übrig gebliebenen Helfer der Saddam-Herrschaft aufgespürt und bekämpft werden könnten. "Ein besseres Leben im Irak hängt davon ab, dass wir die Reste des Regimes finden und sicherstellen, dass ... ihr Einfluss beendet wird."

Rumsfeld ist das bislang ranghöchste Mitglied der US-Regierung, das den Irak seit Ende des Krieges besucht. heftig kritisiert wurde.

Rumsfeld dankte den US-Soldaten vor Ort

In einem Hangar am Flughafen von Bagdad dankte er mehreren hundert US-Soldaten für ihren Einsatz. "Ihr habt ein Land gerettet, ein Volk befreit, einen grausamen Diktator vertrieben und dessen Bedrohung der freien Welt beendet", sagte Rumsfeld. "Es war wohl der schnellste Vormarsch auf eine Hauptstadt in der modernen Militärgeschichte." Rumsfeld war zuvor in einem schwer bewachten Konvoi zu dem Palast gefahren, in dem das US-Militär sein Hauptquartier aufgeschlagen hat.

Rumsfeld unterstrich die Hoffnung der US-Regierung, dass der Fall des Regimes in Bagdad auch andere Länder im Nahen Osten zu Reformen bringt. "Ihr habt Entwicklungen losgetreten, die ohne Frage die Zukunft dieses Landes, das Schicksal des Volkes und wahrscheinlich die Zukunft dieser ganzen Region beeinflussen werden", sagte Rumsfeld zu den Soldaten.

Rumsfeld stellt Truppenabzug aus Deutschland in Aussicht

In einer Frage- und Antwortrunde mit den Soldaten bestätigte Rumsfeld anschließend, dass die USA wahrscheinlich Truppen aus Deutschland abziehen wollen. "Wir haben wahrscheinlich zu viele Leute in Westeuropa", sagte Rumsfeld. Das sei nach dem Ende des Kalten Krieges unangemessen. NATO-Oberbefehlshaber General James Jones prüfe derzeit die nötigen Truppenstärken. "Wir werden zweifelsohne Anpassungen vornehmen", sagte Rumsfeld.(APA/Reuters)

  • Donald Rumsfeld mit Major General Robin Brimms bei seinem Besuch in Bagdad
    foto: epa/angus beaton

    Donald Rumsfeld mit Major General Robin Brimms bei seinem Besuch in Bagdad

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