300 Millionen für Grasser machbar

30. April 2003, 12:09
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Die ÖIAG zeigt sich optimistisch die Wünsche des Finanzministers erfüllen zu können

Semmering - "Ich bin relativ optimistisch", dass wir die Wünsche des Finanzministers erfüllen können". So kommentierte ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch Dienstag Abend vor Journalisten die Eigentümerweisung von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dass die ÖIAG für 2002 eine Dividende von 300 Mio. Euro abliefern müsse. Wieltsch verwies darauf, dass die Werte der ÖIAG-Beteiligungen 2,5-fach höher seien als die Schulden. Mit der Novelle zum ÖIAG-Gesetz sei vorgesehen, dass Ausschüttungen der Staatsholding schon vor einer endgültigen Schuldentilgung möglich sein sollen.

Im Privatisierungsauftrag bezeichnete Wieltsch "relativ kompliziert", da bei der Suche nach Bestbietern unter Wahrung österreichischer Interessen auf EU-Vorgaben geachtet werden müsse. Einen Zeitdruck bei der Privatisierung werde sich die ÖIAG nicht auferlegen.

OMV und die AUA nicht auf Privatisierungsliste

Nicht auf der Privatisierungsliste der Bundesregierung stehen die OMV und die AUA. Diese Beteiligungen würden nach beendeter Privatisierung zusammen mit restlichen Minderheitsbeteiligungen (beispielsweise Post, Telekom) und großen Infrastrukturunternehmen (ÖBB) in eine Wertsteigerungsholding eingebracht.

Zur VA Tech, die am Dienstag ihre Hauptversammlung in Linz abgehalten hat, sagte Wieltsch, das Unternehmen sei in der neuen Konstruktion mit einem Fünfer-Vorstand relativ gut unterwegs. Es werde in den restlichen Quartalen 2003 "gut performen". Er glaube, dass für die VA Tech strategische Investoren zu finden sein werden, ebenso für die knapp 20-prozentige Beteiligung der Voest-Alpine an der VA Tech.

Kein Voest-Alpine Partner in Sicht

Für die Voest-Alpine sei derzeit kein potenzieller strategischer Partner in Sichtweite. Als sinnvoller Privatisierungsweg biete sich daher ein Verkauf der ÖIAG-Anteile in zwei bis drei Tranchen über die Börse an. Wenn die österreichische Kernaktionärsgruppe, die rund 20 Prozent an der Voest-Alpine hält, ihre Anteile über die Sperrminorität aufstocke, wäre für den "worst case" eines feindlichen Übernahmeversuchs vorgesorgt. Die Privatisierung der Voest-Alpine könnte vielleicht drei Jahre dauern. Einen eigenen Österreich-Fonds zur Wahrung nationaler Interessen bezeichnete Wieltsch als unnötig. Es gebe an der Wiener Börse bereits genügend Fonds und Möglichkeiten, wohin die ÖIAG-Aktien verkauft werden könnten.

Der stellvertretende oberösterreichische Landeshauptmann Erich Haider (S) kritisierte die Privatisierung um jeden Preis, da der Staat damit seine Möglichkeit hergebe, mit Beteiligungsunternehmen Geld zu verdienen. Als Beispiel verwies Haider auf die Austria Tabak. Die Deutsche Telekom gehöre noch zu 72 Prozent dem Staat. Der Beteiligungsbericht 2002 des konservativ regierten Freistaats Bayern weise eine große Zahl staatlicher Beteiligungen an Wirtschaftsunternehmen auf, darunter drei Stahlunternehmen. Der 100-prozehtige Privatisierungsauftrag dürfe in Österreich nicht im Vordergrund stehen.(APA)

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    ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch

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