Lösegeldforderungen für Sahara-Touristen

30. April 2003, 18:56
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Schmuggler-Bande fordert laut Radio France International eine Millionen-Dollar - offizielle Erklärungen in Algier angekündigt

Algier/Paris/Wien - Die 31 in der Sahara vermissten Touristen sind nach Angaben eines hochrangigen algerischen Politikers am Leben. Sie seien in mehrere Gruppen aufgeteilt und ihre Aufenthaltsorte seien den Behörden bekannt, sagte der Politiker, der nicht mit Namen zitiert werden wollte, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Einem französischen Radiosender zufolge sollen sich die Urlauber in den Händen von Banditen befinden.

Befreiungsaktion erwogen

Die algerischen Streitkräfte hätten eine Befreiungsaktion erwogen, doch habe sich die deutsche Regierung dagegen ausgesprochen. Das meldete auch der französische Rundfunksender Radio France Internationale (RFI). Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Den algerischen Angaben zufolge befand sich der Polizeichef des Landes, Ali Tounsi, Anfang der Woche in Deutschland, um das Vorgehen abzusprechen. Berlin setze auf Verhandlungen mit den Geiselnehmern, um das Leben der Entführten nicht zu gefährden.

Identität der Geiselnehmer

Die Touristen - zehn Österreicher, 15 Deutsche, vier Schweizer sowie ein Niederländer und ein Schwede - werden den Angaben zufolge in der Gegend der Stadt Illizi rund 1.300 Kilometer südlich von Algier festgehalten. In dem Gebiet war zu Ostern ein Fahrzeug der deutschen Touristen gefunden worden. Zur Identität der Geiselnehmer wollte sich der Politiker nicht äußern.

RFI berichtete, Lösegeldforderungen deuteten klar auf einen kriminellen und nicht-islamistischen Hintergrund hin. Kopf der Bande sei ein gewisser Mokhtar Belmokhtar, der wegen Geschäften mit Waffen, Autos und Zigaretten den algerischen Sicherheitskräften seit langem bekannt sei. Belmokhtar sei seit Ende der achtziger Jahre zwischen Mali, Niger und Mauretanien aktiv. RFI bezieht sich auf mehrere "maßgebliche Quellen" in Algerien.

Lösegeld

Zurzeit werde über ein Lösegeld von mehreren Millionen Dollar verhandelt, meldete der Sender am Mittwoch. Er berief sich auf Angaben der (nicht näher spezifizierten, Anm.) algerischen Behörden. Johannes Eigner, der Leiter der Sonderdelegation des österreichischen Außenministeriums in Algier, qualifizierte die Berichte auf APA-Anfrage als "die üblichen Vermutungen".

Es sei nicht möglich, dazu konkrete Aussagen zu machen, betonte Eigner. Unterdessen wurden nach Angaben der algerischen Zeitung "Le Matin" für Mittwoch und die Folgetage öffentliche Erklärungen des Innen- und des Tourismusministers im Parlament in Algier angekündigt. Die beiden Ressortverantwortlichen seien dazu gestern, Dienstag, von der Kommission für Kultur, Kommunikation und Tourismus der algerischen Nationalversammlung aufgefordert worden.

Entführungsaktion

Geldmangel habe die Schmuggler laut RFI zur Entführungsaktion veranlasst. Ihre traditionellen Verbindungen zu Netzwerken der Islamisten, durch die sie sich bisher finanziert hätten, seien abgebrochen. Deshalb hätten die Schmuggler die Entführung der Touristen beschlossen. Die französische Tageszeitung "Le Monde" hatte bereits am Dienstag über entsprechende Spekulationen berichtet, wobei allerdings die islamistische algerische Terrorgruppe GSPC als Entführer genannt wurde. (APA)

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