Ende der Dorsch-Fischerei in Neufundland

29. April 2003, 22:10
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Trotz zehnjähriger Pause erholt sich Bestand kaum

St. John’s – Trotz zehnjähriger Pause hat sich der Bestand an Dorschen in den Fischgründen vor der Küste Neufundlands und im Golf von St. Lawrence nicht erholt. Die Regierung in Ottawa hat aus diesem Grund einen weiteren Fangstopp angekündigt, berichtet das Enviromnent News Service.

Die Fischgründe stellten 2000 einen wirtschaftlichen Wert von rund 14,5 Millionen Euro dar, zehn Jahre zuvor lieferten sie noch Erträge von mehr als 102 Millionen Euro. Insgesamt erwirtschaftet Kanadas Atlantik-Fischerei jährlich mehr als 1,1 Milliarden Euro. Die kanadische Regierung hat zugleich angekündigt, dass sie mit einem Hilfsfonds den Gemeinden, die vom Ende der Dorschfischerei betroffen sind, helfen wird. Knapp 28 Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren an Entwicklungshilfe von der Regierung ausgeschüttet werden. Arbeitslos gewordene Fischer sollen umgeschult werden. Wissenschaftler sollen die Gründe für den massiven Schwund der Dorschbestände erforschen.

Fischerei-Verbot

Betroffen vom Schwund der einst so häufigen Dorschbestände sind auch ehemalige Fischer in den Provinzen Quebec und New Brunswick. In den kommenden drei Jahren werden sämtliche Fischereiaktivitäten in den betroffenen Gebieten verboten werden. Besonders geschützt werden soll auch der Kapellan (Mallotus villosus), ein kleiner Fisch, der in erster Linie Nahrung für den Dorsch ist. Die Befischung soll um 40 Prozent eingeschränkt werden. Die Regierung will außerdem vier Millionen Euro in die Erforschung der Zusammenhänge zwischen den Dorsch-Beständen und den Robben investieren, erklärte der kanadische Fischereiminister Robert Thibault.

Umweltschützer: Stopp kommt zu spät

Umweltschützer kritisieren die Regierung dafür, dass der Entschluss zum Fischfangstopp etwas spät käme. "Bereits vor 20 Jahren hat die Sea Shepherd Conservation Society das Department of Fisheries and Oceans zu einem Moratorium wegen der Dorschfischerei aufgerufen", so Paul Watson, Fischereiexperte. Anstatt die Fangquoten zu senken, habe man die Warnungen ignoriert. Der Experte kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Fangquote von Robben in dieser Gegend. "Mehr als 350.000 Robben sind in diesem Jahr zum Abschuss freigegeben worden. Das ist die höchste Quote, die es je für Meeressäuger gab", erklärt Watson.

In den kommenden zwei Jahren sollen weitere 700.000 Robben gejagt werden dürfen. Viele der ehemaligen Dosch-Fischer sind heute Robbenjäger geworden. "Wenn die Entwicklung diesen Weg weiter geht, sieht es für die Meeressäuger schlecht aus", meint der Ökologe.

Umstrukturierung

Von 1992 bis 2001 hat die kanadische Regierung knapp 2,5 Milliarden Euro für die Umstrukturierung, den technischen Support und die Unterstützung der Fischerei-Industrie aufgewendet. 1992 wurde die Georges Bank im Süden von Neufundland wegen Überfischung als erstes Fanggebiet aufgegeben. Den kanadischen Fischern stehen ähnlichen Zeiten bevor wie ihren Kollegen in Nordeuropa. (pte)

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